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Alarmierender Bericht

Forschungsteam warnt mit drastischen Worten: „Ein gefährlicher Kurs für die Menschheit“

„Wir sind auf dem Schnellweg ins klimabedingte Chaos“ – so die düstere Prognose im neuen Klimabericht. Doch die Fachleute sehen noch einen Ausweg.

Corvallis – 2024 war nicht nur das heißeste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, sondern wahrscheinlich auch das heißeste Jahr seit mindestens 125.000 Jahren. Diese alarmierende Feststellung stammt aus einem jährlichen Bericht, der von einer internationalen Koalition unter der Leitung von Forschenden der Oregon State University veröffentlicht wurde.

Der Klimawandel sorgt für Hochwasser, aber auch für Dürren und andere Katastrophen. (Archivbild)

„Ohne wirksame Strategien werden wir schnell auf eskalierende Risiken stoßen, die Systeme des Friedens, der Regierungsführung sowie der öffentlichen und ökosystemischen Gesundheit zu überfordern drohen“, warnt William Ripple, einer der Hauptautoren des Berichts. „Kurz gesagt, wir werden auf dem Schnellweg ins klimabedingte Chaos sein, ein gefährlicher Kurs für die Menschheit.“

Klimawandel nimmt an Fahrt auf: Vitalzeichen der Erde sind schlecht

Die Ergebnisse des sechsten jährlichen Klimaberichts sind beunruhigend: 22 der 34 Vitalzeichen unseres Planeten befinden sich auf Rekordniveau, sie „blinken rot“, wie es in dem Bericht heißt. Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre, Versauerung der Ozeane und schmelzende Eismassen – all diese Indikatoren entwickeln sich in die falsche Richtung. Die Auswirkungen sind bereits weltweit zu spüren – unter anderem Überschwemmungen, Waldbrände, Taifune und Dürren hängen mit dem Klimawandel zusammen.

Trotz dieser düsteren Befunde betont Ripple: „Es ist noch nicht zu spät, um die Schäden zu begrenzen, selbst wenn wir das im Pariser Abkommen von 2015 festgelegte Temperaturziel verfehlen.“ Dieses internationale Abkommen hatte Ziele für die Reduzierung von Treibhausgasemissionen festgelegt.

Die Gletscher schmelzen – So verändert der Klimawandel die Erde

Die Erde erwärmt sich, die Gletscher schmelzen. Links zu sehen ist der Okjökull-Gletscher auf dem Gipfel des Vulkans Ok auf Island im September 1986. Im August 2019 (rechtes Bild) ist von dem einstigen Gletscher nur noch ein kleiner Eisfleck übrig geblieben.
Die Erde erwärmt sich, die Gletscher schmelzen. Links zu sehen ist der Okjökull-Gletscher auf dem Gipfel des Vulkans Ok auf Island im September 1986. Im August 2019 (rechtes Bild) ist von dem einstigen Gletscher nur noch ein kleiner Eisfleck übrig geblieben. © dpa/NASA/AP
„Zieht die Notbremse“ steht auf dem Schild, das ein Mädchen in Island trägt. Sie ist unterwegs zu einer Gedenkveranstaltung für den früheren Gletscher Okjökull. Forschende zeigen immer wieder, dass die Zeit drängt: Die Eismassen der Erde schmelzen immer schneller, der Meeresspiegel steigt und die Ozeane werden warm und sauer.
„Zieht die Notbremse“ steht auf dem Schild, das ein Mädchen in Island trägt. Sie ist unterwegs zu einer Gedenkveranstaltung für den früheren Gletscher Okjökull. Forschende zeigen immer wieder, dass die Zeit drängt: Die Eismassen der Erde schmelzen immer schneller, der Meeresspiegel steigt und die Ozeane werden warm und sauer. © Felipe Dana/dpa
Wichtige Gletscherteile des Titlisgletschers werden vor dem Sommer 2018 mit Vlies bedeckt, um sie in den warmen Sommermonaten vor dem Schmelzen zu schützen. Rund 6000 Quadratmeter Vlies sollen bis zum Herbst die Eishöhe von bis zu anderthalb Metern schützen.
Wichtige Gletscherteile des Titlisgletschers werden vor dem Sommer 2018 mit Vlies bedeckt, um sie in den warmen Sommermonaten vor dem Schmelzen zu schützen. Rund 6000 Quadratmeter Vlies sollen bis zum Herbst die Eishöhe von bis zu anderthalb Metern schützen. © Urs Flueeler/dpa
Der Nevado Huascarán ist mit 6768 Metern der höchste Berg Perus. Das Eis am Gipfel des Bergs ist tausend Jahre alt und soll Forschenden Informationen rund um den Klimawandel liefern. Bei einer Expedition im Jahr 2019 wurden Eisproben entnommen.
Der Nevado Huascarán ist mit 6768 Metern der höchste Berg Perus. Das Eis am Gipfel des Bergs ist tausend Jahre alt und soll Forschenden Informationen rund um den Klimawandel liefern. Bei einer Expedition im Jahr 2019 wurden Eisproben entnommen. © Oscar Vilca/INAIGEM/afp
Auch der Rhonegletscher, der älteste Gletscher der Alpen, wird durch spezielle Decken vor dem Schmelzen geschützt. So soll verhindert werden, dass die Gletscher in den Alpen verschwinden.
Auch der Rhonegletscher, der älteste Gletscher der Alpen, wird durch spezielle Decken vor dem Schmelzen geschützt. So soll verhindert werden, dass die Gletscher in den Alpen verschwinden. © Urs Flueeler/dpa
Ein Eisberg schwimmt im Juni 2019 durch die Bonavista Bay in Neufundland. Wasser von Eisbergen gilt als „rein“ und wird für bestimmte Produkte vermarktet – unter anderem für Wodka, Likör, Bier und Kosmetik. Gleichzeitig schmilzt das Eis dieser Erde immer schneller – eine schlechte Kombination.
Ein Eisberg schwimmt im Juni 2019 durch die Bonavista Bay in Neufundland. Wasser von Eisbergen gilt als „rein“ und wird für bestimmte Produkte vermarktet – unter anderem für Wodka, Likör, Bier und Kosmetik. Gleichzeitig schmilzt das Eis dieser Erde immer schneller – eine schlechte Kombination. © Johannes Eisele/afp
Ein Eisberg an der südöstlichen Küste Grönlands kalbt: Eine große Eismasse bricht vom Apusiajik-Gletscher ab und stürzt ins Wasser.
Ein Eisberg an der südöstlichen Küste Grönlands kalbt: Eine große Eismasse bricht vom Apusiajik-Gletscher ab und stürzt ins Wasser. © Jonathan Nackstrand/afp
Der Aletsch-Gletscher ist der größte Gletscher in den Alpen. Wenn nichts getan wird, um den Klimawandel aufzuhalten, könnte er bis zum Ende des Jahrhunderts komplett verschwinden, hat eine Studie im Jahr 2019 gezeigt.
Der Aletsch-Gletscher ist der größte Gletscher in den Alpen. Wenn nichts getan wird, um den Klimawandel aufzuhalten, könnte er bis zum Ende des Jahrhunderts komplett verschwinden, hat eine Studie im Jahr 2019 gezeigt. © Fabrice Coffrini/afp
Das Foto stammt aus dem Jahr 2007, doch an der Situation hat sich seitdem nicht viel geändert: Die massiven Gletscher Tibets leiden unter dem Klimawandel und schmelzen. In den vergangenen Jahrzehnten sei das Eis in dieser Region zehnmal schneller geschmolzen als in den Jahrhunderten davor, heißt es in einer Studie aus dem Jahr 2019. Seit der letzten kleinen Eiszeit seien zwischen 400 und 600 Kubikkilometer Eis verschwunden – das entspricht dem gesamten Eisvolumen der europäischen Alpen, des Kaukasus und von Skandinavien.
Das Foto stammt aus dem Jahr 2007, doch an der Situation hat sich seitdem nicht viel geändert: Die massiven Gletscher Tibets leiden unter dem Klimawandel und schmelzen. In den vergangenen Jahrzehnten sei das Eis in dieser Region zehnmal schneller geschmolzen als in den Jahrhunderten davor, heißt es in einer Studie aus dem Jahr 2019. Seit der letzten kleinen Eiszeit seien zwischen 400 und 600 Kubikkilometer Eis verschwunden – das entspricht dem gesamten Eisvolumen der europäischen Alpen, des Kaukasus und von Skandinavien. © Peter Parks/afp
Der Gletscher Nr. 12 im Laohugou-Tal im westlichen Teil des Qilian-Gebirges in der nordwestchinesischen Provinz Gansu ist der längste Gletscher im Qilian-Gebirge. Da er aufgrund des Klimawandels schrumpft, sind Ausflüge zu dem Gletscher verboten.
Der Gletscher Nr. 12 im Laohugou-Tal im westlichen Teil des Qilian-Gebirges in der nordwestchinesischen Provinz Gansu ist der längste Gletscher im Qilian-Gebirge. Da er aufgrund des Klimawandels schrumpft, sind Ausflüge zu dem Gletscher verboten. © imago/Xinhua
Im Sommer 2010 ist vom Petermann-Gletscher vor der Nordwestküste Grönlands ein gewaltiger Eisbrocken abgebrochen. Das Bruchstück hat etwa zweieinhalb Mal die Fläche der Insel Sylt, mit dem Wasser, aus dem der Eisbrocken besteht, könnte der gesamte Wasserverbrauch der USA für vier Monate gestillt werden.
Im Sommer 2010 ist vom Petermann-Gletscher vor der Nordwestküste Grönlands ein gewaltiger Eisbrocken abgebrochen. Das Bruchstück hat etwa zweieinhalb Mal die Fläche der Insel Sylt, mit dem Wasser, aus dem der Eisbrocken besteht, könnte der gesamte Wasserverbrauch der USA für vier Monate gestillt werden.  © NASA Earth Observatory/Jesse Allen und Robert Simmon/United States Geological Survey/dpa
Während seiner Zeit als Bundesaußenminister besucht Heiko Maas (l., SPD) Gletscher bei Pond Inlet in der kanadischen Arktis. Die Erderwärmung ist in dieser Region zwei bis drei Mal so stark wie in anderen Weltregionen.
Während seiner Zeit als Bundesaußenminister besucht Heiko Maas (l., SPD) Gletscher bei Pond Inlet in der kanadischen Arktis. Die Erderwärmung ist in dieser Region zwei bis drei Mal so stark wie in anderen Weltregionen. © Kay Nietfeld/dpa

Forschungsteam gibt sich optimistisch: Schon Kleinigkeiten können helfen

Der Bericht unterstreicht, dass jeder Bruchteil eines Grades vermiedener Erwärmung für das menschliche und ökologische Wohlbefinden von Bedeutung ist. Kleine Reduzierungen des Temperaturanstiegs können das Risiko von Extremwetterereignissen, Biodiversitätsverlust sowie Nahrungs- und Wasserunsicherheit erheblich verringern. Die Forschenden schlagen in ihrem Bericht „hocheffektive“ Strategien vor, die sofort umgesetzt werden könnten:

  • Energie: Erneuerbare Energiequellen wie Solar- und Windenergie haben das Potenzial, bis 2050 bis zu 70 Prozent des globalen Strombedarfs zu decken. Ein schneller Ausstieg aus fossilen Brennstoffen würde einen der größten Beiträge zur Klimaschutzmaßnahme leisten.
  • Ökosysteme: Der Schutz und die Wiederherstellung von Ökosystemen wie Wäldern, Feuchtgebieten, Mangroven und Torfmooren könnten bis 2050 jährlich rund 10 Gigatonnen CO₂-Emissionen vermeiden oder entfernen. Dies entspricht etwa 25 Prozent der derzeitigen jährlichen Emissionen und würde gleichzeitig die biologische Vielfalt und die Wassersicherheit unterstützen.
  • Ernährungssysteme: Die Reduzierung von Lebensmittelverlusten und -verschwendung, die derzeit etwa acht bis zehn Prozent der globalen Treibhausgasemissionen ausmachen, sowie die Umstellung auf pflanzenreichere Ernährung können die Emissionen erheblich senken. Diese Strategien fördern laut dem Bericht auch die menschliche Gesundheit und die Ernährungssicherheit.

„Ressourcen der Erde sind schneller verbraucht“

Christopher Wolf, ehemaliger Postdoktorand an der OSU und jetzt Wissenschaftler bei Terrestrial Ecosystems Research Associates (TERA), betont in einer Mitteilung: „Das menschliche Unternehmen befindet sich in einem Zustand des ökologischen Überschusses, bei dem die Ressourcen der Erde schneller verbraucht werden, als sie sich regenerieren können.“ Um diesen ökologischen Überschuss anzugehen, fordert der Bericht gerechte und transformative Veränderungen in vielen Bereichen der Gesellschaft, einschließlich der Reduzierung des Überkonsums durch die Wohlhabenden.

Ripple unterstreicht die Dringlichkeit: „Klimaschutzstrategien sind verfügbar, kosteneffektiv und dringend notwendig, und wir können die Erwärmung noch begrenzen, wenn wir mutig und schnell handeln, aber das Zeitfenster schließt sich.“ Er fügt hinzu, dass die Kosten für die Eindämmung des Klimawandels wahrscheinlich viel, viel geringer sind als die globalen wirtschaftlichen Schäden, die durch klimabedingte Auswirkungen verursacht werden könnten.

Der Bericht „The 2025 state of the climate report: A planet on the brink“ wurde in BioScience veröffentlicht und stützt sich auf globale Daten des zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC), einer Organisation der Vereinten Nationen zur Bewertung der wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel. (Quellen: Studie, Pressemitteilung) (tab)

Rubriklistenbild: © Bai Xuefei/dpa

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