Kolumne von Dominik Jung
Studie zeigt: Der Klimawandel könnte Starkregen in trockenste Region der Erde bringen
Die Sahara könnte bis zum Ende des Jahrhunderts viel mehr Regen abbekommen. Doch die Entwicklung birgt auch Risiken. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Frankfurt – Was bislang nach Science-Fiction klang, scheint nun greifbare Realität zu werden: Die Sahara, Symbol ewiger Trockenheit, könnte in den kommenden Jahrzehnten deutlich feuchter werden. Eine neue Studie im Fachjournal npj Climate and Atmospheric Science kommt zu dem erstaunlichen Schluss, dass die Sommerniederschläge in Nordafrika bis zum Jahr 2100 um bis zu 75 Prozent zunehmen könnten – vor allem im Szenario mit stark steigenden Treibhausgasen.
Ursache sind thermodynamische Prozesse in der Atmosphäre, die mit steigenden Temperaturen auch den Wasserdampfgehalt erhöhen. Dadurch bilden sich vermehrt Wolken, die über der Sahara abregnen. Auch im südöstlichen und südzentralen Afrika rechnen Forschende mit Zuwächsen von rund 20 Prozent, während der Süden des Kontinents teils trockener wird.
Die Wüste wird feuchter – das schneller als gedacht, doch schafft auch Probleme
Der scheinbare Wüstenregen klingt nach einer guten Nachricht, doch die Wissenschaftler warnen vor voreiligen Hoffnungen. Zwar könnten sich stellenweise Vegetation und saisonale Flüsse ausbreiten, doch unberechenbare Starkregenereignisse und Erosion wären die Kehrseite der Medaille.
Hinzu kommt, dass die Modelle noch erhebliche Unsicherheiten zeigen – über 85 Prozent der Prognoseunsicherheit stammt laut der Studie aus unterschiedlichen Modellparametern, insbesondere bei der Darstellung konvektiver Prozesse. Außerdem könnte der neue Regen ungleichmäßig fallen: Während einige Gebiete im zentralen Sahara-Gürtel aufblühen könnten, drohen anderen Regionen Überschwemmungen oder gar der Verlust traditioneller Ökosysteme.
Ein Kontinent im (Klima)-Wandel – zwischen Hoffnung und Risiko
Die Sahara ist nicht die einzige Region Afrikas, die sich unter dem Klimawandel neu erfindet. Westafrika dürfte künftig stärkere Monsune erleben, Ostafrika längere Regenzeiten – gleichzeitig könnte das südliche Afrika durch die Abschwächung der Hadley-Zirkulation weiter austrocknen. Diese Gegensätze zeigen, wie tiefgreifend der Klimawandel das Wasserregime des Kontinents verändern wird.
Klar ist: Der Klimawandel macht Afrika nicht einfach „grüner“, sondern extremer – mit mehr Feuchtigkeit in der Luft, aber auch mehr Wetterchaos. Ob die Sahara wirklich wieder erblüht, hängt daher nicht nur vom globalen CO₂-Ausstoß ab, sondern auch davon, wie klug Politik und Forschung auf diese möglichen Veränderungen reagieren. Sicher ist nur: Die Wüste könnte bald nicht mehr ganz so trocken sein wie bisher.
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