Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Auf kalten Mai folgt jetzt die Wetter-Wende: An Pfingsten blüht erster echter Sommerversuch des Jahres
Die erste Maihälfte verlief im langjährigen Vergleich zu kühl. Doch zwischen Himmelfahrt und Pfingsten dreht sich die Großwetterlage. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Bis zur Monatsmitte hat der Mai 2026 zwei Gesichter gezeigt. Misst man ihn am Referenzzeitraum 1961 bis 1990, landet die erste Hälfte praktisch punktgenau im langjährigen Schnitt. Legt man dagegen die aktuelle Klimaperiode 1991 bis 2020 zugrunde, fehlen rund 0,6 Grad zur Norm.
Für viele im Land deckt sich das mit dem Bauchgefühl: Frühlingsjacke statt T-Shirt, am Morgen einstellige Werte, dazu immer wieder Schauer und ein zäher, frischer Nordwest. Vor allem die zweite Hälfte der Eisheiligen hat eingebremst, was vorher zaghaft in Richtung Wärme losgelaufen war. Wer am letzten Wochenende den Grill anwerfen wollte, hatte mit Jacke und Wolldecke die besseren Karten.
Was passiert zwischen Himmelfahrt und Pfingsten?
Genau hier wird es spannend. Die Modellketten von ECMWF und NOAA CFSv2 bauen ab Mitte der Woche nach dem langen Himmelfahrtswochenende ein kräftiges Hoch über Mitteleuropa auf, das die kühlen Tiefdruckgebiete nach Norden abdrängt. Mit jeder Phase, die sich das Hoch festigt, dreht der Wind auf Süd bis Südwest – und dann geht es im Tagesverlauf rasch nach oben.
Zwischen Donnerstag und dem Pfingstwochenende sind aus heutiger Sicht 24 bis 28 Grad ein realistischer Korridor, am Oberrhein, in Rheinhessen und entlang von Mosel und Main sind in der Spitze auch 29 oder 30 Grad denkbar. Das wäre dann der erste echte Sommerversuch des Jahres.
Ist das normal – oder direkt schon wieder zu viel?
Klimatologisch sind 30 Grad an Pfingsten kein Skandal, aber auch kein Alltag. Im Mittel 1991 bis 2020 liegt der bundesweite Höchstwert in der letzten Maidekade je nach Region zwischen 22 und 26 Grad. Ein erster Hitzetag rund um Pfingsten kommt in etwa jedem dritten bis vierten Jahr vor, deutlich häufiger als noch in den 1980er Jahren.
Heißt: Wenn die Modelle bei ihrer Linie bleiben, springen wir innerhalb weniger Tage vom unterkühlten Frühling in den Frühsommer – und das eine Schippe wärmer, als es der Kalender verlangt. Die Restunsicherheit bleibt, gerade beim Spitzenwert macht ein einzelnes Tief am Atlantik schnell vier oder fünf Grad aus, doch die Richtung ist eindeutig.
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