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Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Kalte Sophie in Deutschland: Erst Frostgefahr, dann kippt das Wetter
Die Kalte Sophie (15. Mai) bringt Schauer und Bodenfrost. Danach baut sich eine Umstellung der Großwetterlage auf. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Die Kalte Sophie macht ihrem Namen in diesem Jahr noch einmal alle Ehre. Aus meteorologischer Sicht liegt Deutschland unter dem Einfluss kühler Luftmassen, die aus nördlichen Breiten herangeführt werden. Damit bleibt der Wettercharakter vielerorts wechselhaft, nasskalt und für Mitte Mai ausgesprochen ruppig. Besonders in der Westhälfte und über den Mittelgebirgen ziehen immer wieder Schauer durch, örtlich können auch kurze Gewitter, Graupel und kräftige Böen dabei sein.
Die Tageswerte verharren verbreitet nur zwischen 11 und 15 Grad, in höheren Lagen bleibt es noch kühler. Für empfindliche Pflanzen ist vor allem die Nacht zum Freitag kritisch: Bei längerem Aufklaren und nachlassendem Wind kann die Temperatur in Senken und Tälern nahe an den Gefrierpunkt sinken, stellenweise ist Bodenfrost möglich.
Wetter-Umschwung: Warum es jetzt noch einmal so kalt wird
Der Grund für diese späte Kältephase liegt in der Druckverteilung über Europa. Zwischen höherem Luftdruck über dem Atlantik und tieferem Druck über Nord- und Osteuropa wird kühle Meeres- und Polarluft nach Deutschland gelenkt. Diese Luft ist in der Höhe sehr kalt, am Boden aber bereits etwas angewärmt.
Genau deshalb entsteht typisches Schauerwetter: Sonne, Wolken, Regen und kurze Gewitter wechseln rasch ab. Die Eisheiligen sind dabei kein Garant für Frost, sie markieren aber klimatologisch eine Phase, in der Spätfröste noch auftreten können. Der Deutsche Wetterdienst ordnet sie deshalb eher als bekannten Platzhalter für die Spätfrostgefahr im Mai ein.
Tornados, Wüstenstürme, Zyklone: Wetterphänomene, die Sie kennen sollten
Nach dem letzten Aufbäumen der Kalten Sophie beruhigt sich die Wetterlage schrittweise. Zwar verschwinden Wolken und Schauer nicht sofort, doch die kälteste Luft wird allmählich abgedrängt. Tagsüber können die Temperaturen wieder anziehen, vor allem dort, wo sich die Sonne länger durchsetzt.
Für Gartenbesitzer heißt das: Empfindliche Kübelpflanzen und frisch gesetztes Gemüse sollten noch eine Nacht geschützt bleiben. Danach steigt die Chance, dass sich der Mai wieder von seiner milderen Seite zeigt. Die Kalte Sophie haut also tatsächlich noch einmal auf den Tisch – doch sie dürfte nicht das letzte Wort behalten.