Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Kolumne von Meteorologen Dominik Jung

Eisheilige, Aprilwetter, Hundertjähriger Kalender: Welche Wettermythen wirklich stimmen

Jedes Jahr im April und Mai kursieren dieselben Wetterweisheiten. Aber was davon ist Physik – und was ist reiner Aberglaube? Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

„April, April, der macht was er will.“ Dieser Satz ist nicht nur ein Volksmythos – er beschreibt ein echtes atmosphärisches Phänomen, und zwar ziemlich präzise. Im April steht die Sonne bereits so hoch wie im August und hat damit erhebliche Strahlungskraft. Gleichzeitig ist der Boden noch kalt, die Nordsee noch kalt und Kaltluftmassen aus Nordeuropa stoßen regelmäßig auf erwärmte Kontinentalluft aus dem Süden.

Ab Montag (13. April) startet die neue Woche mit ziemlich viel Aprilwetter.

Genau an dieser Grenze, die im April typischerweise über Mitteleuropa verläuft, entsteht ein ständiger Wetterwechsel. Innerhalb weniger Stunden können sich blauer Himmel, Graupelschauer, Gewitter und frühlingshafte Wärme abwechseln. Das ist keine Laune der Natur – das ist Thermodynamik. Die Bauernregel trifft also den Kern. Was sie nicht kann: konkrete Vorhersagen für einzelne Tage liefern. Wer im April auf Basis einer Wetterregel plant, plant falsch.

Die Eisheiligen – Wetter-Mythos oder Messreihe?

Pankraz, Servaz, Bonifaz und die Kalte Sophie – Mitte Mai fürchten viele Gartenbesitzer den Frost. Und tatsächlich steckt in dieser Regel ein wahrer Kern, wenn auch ein kleiner. Statistisch gesehen ist die Wahrscheinlichkeit für Bodenfrost in Deutschland bis Mitte Mai messbar erhöht. Der Grund liegt in einer häufig wiederkehrenden Wetterlage: Wenn atlantische Tiefdrucksysteme nachlassen, können polare Kaltluftmassen noch tief nach Mitteleuropa vordringen – genau in diesem Zeitfenster.

Nach dem 15. Mai sinkt die Wahrscheinlichkeit für Nachtfrost in Tieflagen in Deutschland statistisch deutlich. Der Hundertjährige Kalender dagegen ist eine andere Geschichte. Er beruht auf der Annahme, dass sich Witterungsverläufe alle sieben Jahre wiederholen – eine Behauptung ohne jede wissenschaftliche Grundlage. Ich sage das ohne Umschweife: Wer seine Gartenplanung oder seinen Urlaub an diesem Kalender ausrichtet, trifft Entscheidungen auf Basis von Astrologie, nicht von Meteorologie.

Historische Wetter-Regeln: Was wirklich funktioniert – und was nicht

Die Siebenschläferregel besagt: Das Wetter am 27. Juni bestimmt das Wetter der nächsten sieben Wochen. Klingt absurd – hat aber tatsächlich eine statistische Grundlage. Nicht weil ein einzelner Tag prophetische Kraft hätte, sondern weil sich Großwetterlagen im Sommer oft über mehrere Wochen halten. Ist Ende Juni eine stabile Hochdrucklage etabliert, bleibt sie häufig. Das hat nichts mit Mystik zu tun, sondern mit atmosphärischer Trägheit. Was dagegen klar als Mythos einzustufen ist: der angebliche Einfluss des Mondes auf das Wetter. Es gibt keine belastbaren meteorologischen Daten, die einen Zusammenhang zwischen Mondphase und Niederschlag, Temperatur oder Gewitterhäufigkeit belegen. Ich erlebe dennoch jedes Jahr, dass dieser Mythos in sozialen Medien viral geht – besonders im April und Mai. Meine Bitte als Meteorologe: Vertrauen Sie den Warnungen des Deutschen Wetterdienstes. Die basieren auf Physik.

Rubriklistenbild: © METEORED/www.daswetter.com

Kommentare