Wir wollen Eure Meinung hören
Hundehass nicht nur in Wasserburg? Hitzige Diskussion um Leinenpflicht
Spazieren ist für viele ein Genuss. Vor allem für Hundebesitzer: Am Wasserburger Inndamm zum Beispiel können Hunde frei spielen und schnuppern, während Herrchen und Frauchen die schöne Aussicht genießen. Doch jetzt droht eine Einschränkung. Das löst eine hitzige Debatte aus, die nicht nur Wasserburg betrifft.
Wasserburg - Sollen Hunde an einer Leine geführt werden, oder frei herumtoben dürfen? Diese Frage wird derzeit vor allem in Wasserburg heiß diskutiert. Am Inndamm und an vielen anderen attraktiven Plätzen dürfen die Vierbeiner frei herumlaufen. Das führt allerdings häufig zu Konflikten zwischen Hundebesitzern und Passanten, denn nicht jeder Mensch ist ein Tierfreund und viele fühlen sich von den Tieren bedroht. Die grüne Fraktion fordert deshalb eine Anleinpflicht in Erholungsbereichen - wie dem Inndamm - als Lösung. Dadurch soll auch das Problem von liegen gelassenen Kothaufen gelöst werden, da so jeder Hund dem Besitzer zugeordnet werden kann.
Kathrin Meindl, Vorsitzende der Künstlergemeinschaft AK in Wasserburg, besitzt zwei Hunde und sieht großes Konfliktpotenzial. „Ich respektiere, dass es Menschen gibt, die Angst vor Hunden haben. Diesen Sorgen müssen wir gerecht werden.“ Es wäre für sie kein Problem, Areale mit einer Leinenpflicht zu versehen, wenn dafür mehr Hundewiesen zur Verfügung stehen würden.
Tier oder Besitzer das Problem?
Stadträtin Elisabeth Fischer ist ebenfalls für eine Anleinpflicht, allerdings nur in einem abgegrenzten Bereich am Inndamm. Nicht nur aus Rücksicht der Passanten gegenüber, sondern auch aus Sorge um ihren Hund, der auf Artgenossen „grantig“ reagiert. Sie betont, dass das Problem vielmehr an Hundebesitzern liegt, die ihre Tiere nicht im Griff haben.
Wäre daher eine Hundeschulpflicht, bei der die Tiere den Umgang mit anderen Menschen sowie Hunden lernen und Halter auf schwierige Situation außerhalb der eigenen vier Wände vorbereitet werden, nicht sinnvoller?
Was sagen Hundeliebhaber? Leinen los versus anlegen
Die Leinenpflicht als sinnvolle Vorsichtsmaßnahme oder unnötiger Freiheitseingriff? Ihr habt uns Eure Meinung geschickt.
Eine Hundeliebhaberin aus Wasserburg schreibt: „Leider werden wieder alle Hundehalter in einen Topf geworfen und alle pauschal bestraft. Ich habe seit 30 Jahren Schäferhunde und hatte eine Hundeschule.
Anständige Hundehalter kümmern sich um ihre Hunde und um ihre Haltung – und räumen auch die Hinterlassenschaften weg.
Ich denke, die Hundehalter, die Probleme machen, dürften doch bekannt sein. Es gibt bestimmt Möglichkeiten, diese festzustellen und sie dann dementsprechend zu bestrafen. So viel ich weiß, ist eine Leinenpflicht auch nur dann möglich, wenn eine Freifläche zur Verfügung steht.
Aber warum kommt das Thema wieder auf? Haben unsere Politiker keine anderen Probleme, als sich wieder auf die Hundebesitzer einzuschießen? Fazit: Es ist nicht der Hund, der Schuld hat, sondern immer das andere Ende der Leine.“
Trixi und Axel Höpfner aus Wasserburg erachten die Leinenpflicht für sinnlos: „Was nutzt und wozu dient eine Leinenpflicht am Inndamm? Noch dazu werden Hundehalter mit schwierigen und möglicherweise Ärger bereitenden Vierbeinern mit Schildern, die auf eine Anleinpflicht hinweisen, sicher nicht zu größerer Rücksichtnahme finden. Seit rund zwei Jahren hängen zwei Verbotsschilder am Inndamm-Zugang von der Brücke. Text: „Enten und Tauben füttern strengstens verboten“. Deshalb füttern nicht weniger Menschen die Vögel. Das Verbot wirkt meiner Ansicht nach eher verstärkend.“
Michael Wolf findet die angesprochenen Probleme widersprüchlich, denn Menschen würden sich teilweise respektloser verhalten: „Wenn ich mich mit den Hinterlassenschaften der Hunde beschäftige, dann sollte auch betrachtet werden, wie Menschen sich außerhalb von Toiletten erleichtern, ohne danach etwas wegzuräumen. Da sollten auch die Hinterlassenschaften nach den Wochenenden und den großen Festen angeschaut werden: Erbrochenes, Flaschen, Essensreste. Fragt da jemand, wenn überall Glasscherben herumliegen, ob sich ein Hund verletzt und dadurch 500 Euro Behandlungskosten entstehen, weil der Hund einen Einschnitt bis zur Sehne erlitten hat?
Was soll ich machen, wenn der Hund schon angeleint ist, Kinder auf ihn zustürzen und die Eltern sich nicht um ihren Nachwuchs kümmern? Oder der arme Fahrradfahrer, der seine Geschwindigkeit halten muss, egal ob Hunde, Kinder oder ältere Leute dort laufen – sollen die auch angeleint werden?“ Sein Wunsch: Mehr Respekt in jeder Gruppe: „Vielleicht sollten sich die Menschen ab und zu selber betrachten. Für mich verhalten sich die Tiere in vielen Fällen am menschlichsten.“
Die vorgeschlagene Leinenpflicht tritt folglich auf wenig Begeisterung bei Hundeliebhabern. Die Frage ist nun, wie kann gerade in attraktiven Naturgebieten für mehr Sicherheit gesorgt werden, ohne Hunde und deren Halter einzuschränken?
Schreibt uns Eure Meinung!
Sind Sie selbst Hundebesitzer oder fühlten Sie sich als Passant schonmal von frei laufenden Hunden bedroht? Was halten Sie von einer Leinenpflicht für Hunde? Sinnvoll oder überflüssig? Gibt es andere Maßnahmen wie die einer Hundeschulpflicht, die zu sorgenfreien Spaziergängen für Mensch und Tier beitragen könnten? Eure Perspektive interessiert uns! Schickt uns Eure Zeilen an leserbriefe@ovb24.de (Kennwort: „Leinenpflicht“) oder eine Facebook.-Nachricht mit Eurem Wohnort und am besten noch mit einem Foto von Euch.
Die Redaktion veröffentlicht Eure Leserbriefe samt Namen und Wohnort anschließend in einem entsprechenden Free-Artikel. Anm. der Red.: Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften entsprechend zu kürzen oder die Veröffentlichung gegebenenfalls ohne Angabe von Gründen zu verweigern.