Ortsumfahrung für Trostberg - oder etwa nicht?
Täglicher Verkehrsinfarkt auf B299: „So können wir nicht weiterleben - es macht uns kaputt“
Rund sechs Wochen sind vergangen, seit die Trostberger vom Staatlichen Bauamt Traunstein erfuhren, dass ihre geplante Ortsumfahrung B299 neu so nicht umsetzbar sei. Nun saß der Stadtrat erneut zusammen in einer Sondersitzung, um über die weiteren Schritte zu entscheiden.
Trostberg - Am 8. Mai stellten Behördenleiter Christian Rehm und Bernadette Wallner, Leiterin der Abteilung Straßenplanung die Ergebnisse von Untersuchungen vertiefter Vorentwurfsplanungen der Öffentlichkeit vor.
Es gab Bedenkzeit für die Räte, die nun abermals über das komplexe Thema, wie es mit der Umfahrung weitergehen soll, brüteten. Doch die Sondersitzung am 23. Juni ließ viele Fragen offen.
Die Einschätzung des Staatlichen Bauamts, dass mit der Neubewertung des Abschnitts Mögling bis Knoten Waltersham die Bauwürdigkeit und damit die weitere Planung entfällt, wird aus Sicht des Rats nicht geteilt.
Begründung: Auch ohne diesen Abschnitt seien die Ortsumfahrungen Trostberg/Tacherting mit Verlauf durch die bestehende Umfahrung Trostberg (Mögling über Schwarzerberg zum Knoten Waltersham) nur knapp bauwürdig. Detailkenntnisse zu diesem Abschnitt fehlen.
Kein weiteres Feinstaubproblem!
Um Klarheit über die Details einer Umsetzung des Abschnitts Mögling über Schwarzerberg zum Knoten Waltersham auch angesichts der prognostizierten Verkehrszunahme und vor allem des Schwerverkehrs zu erhalten, ist es aus Sicht der Stadt die Aufgabe des Staatlichen Bauamts, Details auszuplanen.
Dazu zählen sowohl die Trassenführung als auch Schutzmaßnahmen für die anliegenden Wohngebiete Trostberger Feld, Schwarzerberg, Mögling, Schwarzau - sprich dem gesamten Bereich zwischen Einmündung Schwarzauer Straße und Beginn Oberfeldkirchner Straße sowie am Schwarzerberg bis zum Knoten Waltersham.
Insbesondere der dreistreifige Ausbau des Anstiegs am Schwarzerberg samt Klärung der Abzweigung zum Krankenhaus bedarf durch das Staatliche Bauamt in eigener Zuständigkeit einer genauen Überplanung der Trassenführung und Schutzmaßnahmen.
Die Knotenpunktlösung an der Abzweigung Oberfeldkirchner Staße/Schwarzerberg mittels Ampel wird von der Stadt Trostberg wegen des Stop-and-Go-Verkehrs und damit verbundenen Belastungen wie Lärm, Reifen- und Bremsenabrieb sehr kritisch gesehen.
Seit Jahren habe Trostberg bereits in der Traunsteiner Straße ein bisher nicht gelöstes Feinstaubproblem. Eine zweite Stelle mit derselben Problematik dürfe nicht entstehen.
Diese Gründe sprechen gegen B299-Bestand durch Trostberg:
Für den Fall, dass sich im Zuge der Detailplanung des Abschnitts Mögling über Schwarzerberg zum Knoten Waltersham eine Unterschreitung des Nutzen-Kosten-Verhältnisses auch dieses Abschnitts unter die Bauwürdigkeitsgrenze ergibt, erwartet die Stadt Trostberg vom Staatlichen Bauamt als Baulastträger der B299, sich Gedanken über den Schutz der Bestandstrasse zwischen dem Beginn der Ortsdurchfahrt Mögling und dem Ende der Ortsdurchfahrt an der Altöttinger Straße zu machen.
Überdies werde erwartet, dass die Variante der Ortsumfahrung Tacherting/Trostberg inklusive bergmännischem Tunnel am Hanganstieg Mögling für diesen Fall wieder aufgegriffen wird.
Eine dauerhafte Trassenführung der B299 durch das Stadtgebiet Trostberg könne aus städtebaulicher Sicht, Stadtentwicklungsgrundsätzen sowie gesundheitlichen Gründen (Belastung durch Lärm, Immissionen wie Feinstaub, Erschütterungen, etc.) ohne umfangreiche und weitreichende Schutzmaßnahmen bis hin zur Sperrung für den Durchgangsverkehr nicht hingenommen werden.
Der Stadtrat ist sich einig, dass die Variante über den Schwarzerberg die aus Sicht Trostbergs schlechteste Variante ist. Die Räte sehen das Staatliche Bauamt in der Pflicht, nachzuarbeiten: Erst nach Vorlage der für eine sachliche Beurteilung notwendigen Grundlagen im Stadtrat wird dieser eine Stellungnahme abgegeben.
B 299 Ortsumfahrung Trostberg
Hier geht es direkt zur Präsentation des Staatlichen Bauamts Traunsteins vom 8. Mai.
Der Beschluss - und Reaktionen:
Das bedeutet im Klartext: Solange das Staatliche Bauamt keine transparenten fachlichen Grundlagen transparent, wird keine Abstimmung inklusive Zustimmung oder Ablehnung im Stadtrat zur Variantenplanung Schwarzerberg erfolgen, noch eine Aussage zu einer bevorzugten Variante getroffen.
Bis zum Vorliegen dieser Erkenntnisse soll die Variante der Ortsumfahrung Tacherting/Trostberg mit bergmännischem Tunnel am Hanganstieg Mögling nicht ad acta gelegt werden.
Zurück ins Jahr 2009?
Diesen Beschluss nahmen die Räte mit 12:8 Stimmen an, obgleich die gesamte Stadtratsfraktion der Grünen dagegen stimmte. Sie hätte gerne einen in ihren Augen „eindeutigeren“ Beschluss gesehen. In ihrer Argumentation schweifte Fraktionsvorsitzende Nina Boxhammer ins Jahr 2009 ab, als die damalige Beschlussfassung eine Ablehnung der damaligen Planung zum Schwarzerberg vorsah.
„Die grüne Haltung war von Anfang an klar gegen eine Bundesfernstraße, mit dem Argument, eine leistungsfähigere Straße führt zu mehr Verkehr. Aus unserer Sicht gibt es genug Fakten, die eine Ablehnung möglich machen“, führte sie aus und stellte sogleich einen Antrag zu einer neuen Beschlussfassung, in der eine Trassenführung B299 neu innerhalb der Ortschaft durch Trostberg und über den Schwarzerberg grundsätzlich abgelehnt werde - wie schon im Jahr 2009. Diese Formulierung jedoch wurde mit 8:12 Stimmen nicht angenommen.
Räte sehen Staatliches Bauamt in der Bringschuld
Karl Schleid, den dieses Thema in seinen bald 18 Bürgermeister-Jahren von Anbeginn begleitet, erläuterte, man brauche langfristig eine Lösung: „Auch für mich ist es frustrierend, wir haben Entwicklungsprobleme, verlieren zukunftsfähige ansässige Gewerbebetriebe, die zwar hier bleiben möchten, wir aber nichts für sie tun können. So können wir in unserem schönen Trostberg nicht weiterleben - es macht uns kaputt.“
Er verstehe den Einwand der Grünen, die diese Straße ganz einfach nicht möchten, wolle aber in keine Grundsatzdiskussion abdriften. Schleid sieht vielmehr das Staatliche Bauamt in der Bringschuld, den Räten eine klare Vorgehensweise und weiterführende Schritte aufzeigen.
„Erpressung“ des Staatlichen Bauamts?
Denn mit der Vorstellung im Mai war wohl keiner wirklich zufrieden. CSU-Fraktionsvorsitzender Hannspeter Fenis sprach gar von einer „Erpressung“, als er an die Worte des Behördenleiters Rehms erinnerte, der damals sagte, es gehe „ganz oder gar nicht“. Nicht nur in seinen Augen eine „Frechheit“, wie andere Fraktionskollegen unterstrichen.
Der Tenor des Abends: Seit 25 Jahren werde die ganze Region blockiert - ohne eine anständige Entwicklung zu genießen. „Jetzt spielen wir den Ball entsprechend zurück, das Staatliche Bauamt muss Fakten benennen - und das schnell.“ Denn weitere ereignislose 25 Jahre möchte keiner verstreichen lassen. (mb)

