Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Kehrt jetzt eine „alte Bekannte“ zurück?

Überraschung bei Ortsumfahrung Trostberg: Steht die B299 neu unter Umständen vor dem Aus?

B299 neu - Ortsumfahrung Trostberg
+
Die bisherige Planung zum zweiten Bauabschnitt der Ortsumfahrung Trostberg zwischen Mögling und Schwarzerberg muss komplett überdacht werden. Zahlreiche Trostberger verfolgten die Neuigkeiten des Staatlichen Bauamts Traunstein in der öffentlichen Sitzung des Stadtrats am 8. Mai.

Kehrtwende bei der B299 neu: Der zweite Bauabschnitt der Trostberger Ortsumfahrung wird in der bisherigen Planung so nicht verwirklicht. Knackpunkt ist der Hanganstieg Mögling. Wie es jetzt weiter geht und warum die Überlegungen plötzlich zurück zu einer schon vor Jahren abgeschmetterten Variante gehen:

Trostberg - Es ist ein Thema, das polarisiert: Rund 150 interessierte Zuhörer folgten am Donnerstagabend, 8. Mai, der Einladung zur öffentlichen Stadtratssitzung im Postsaal. Der Grund: die Vorstellung der aktualisierten Planung der B299 neu - Ortsumfahrung Trostberg. Konkret ging es um den zweiten Bauabschnitt zwischen Mögling und Schwarzerberg.

Planungen ziehen sich seit Jahren

Bereits 2009 sprach sich der Stadtrat mehrheitlich gegen eine abschnittsweise Umsetzung der Ortsumfahrung (Bauabschnitt eins zwischen Schwarzerberg und Reit sowie Bauabschnitt zwei zwischen Mögling und Schwarzerberg) aus und forderte, den zweiten Bauabschnitt unmittelbar in die Planung aufzunehmen sowie die gesamte Umfahrung in einem Zug durchzuplanen.

Die Planungen wurden zwischenzeitlich auf Basis des Vorentwurfs aus dem Jahr 2015 vertieft und fortgeführt. Die Vertreter des Staatlichen Bauamtes Traunstein, Behördenleiter Christian Rehm und Bernadette Wallner, Leiterin der Abteilung Straßenplanung, stellten nun die Ergebnisse dieser Untersuchungen näher vor.

Die Fraktionen nahmen die Erkenntnisse lediglich zur Kenntnis. Die Möglichkeit zu Stellungnahmen und einem Entscheid des Rats wird es in einer zweiten öffentlichen Sitzung am 23. Juni geben.

Rehm kam gleich zu Beginn der Veranstaltung zum Punkt: „Die zentrale Rolle bei dieser Planung spielt der Möglinger Hangaufstieg, weswegen der Südabschnitt in der bisherigen Planung aus dem Vorentwurf 2015 genauer unter die Lupe genommen wurde.

Das Ergebnis: Aus wirtschaftlichen und naturschutzrechtlichen Gründen kann dieser Bauabschnitt so nicht verwirklicht werden.“

Die Details nannte Kollegin Wallner. Der Knackpunkt: Der Möglinger Hanganstieg erwies sich bereits von Anfang an als äußerst komplex. Insbesondere naturschutzfachliche Belange wie die Zerschneidung der Fledermausflugrouten in den FFH-Gebieten kristallisierten sich als große Schwierigkeit heraus, die Bauplanung mit dem Artenschutz in Einklang zu bringen.

Darüber hinaus ergab ein Baugutachten eine geringe Standfestigkeit sowie angeschnittene Hang- und Schichtwasser, die das Straßenbauprojekt zusätzlich erschweren würden. Summa summarum: Die Kosten würden in diesem Bereich explodieren.

Es folgte eine detaillierte Untersuchung durch ein externes Fachbüro. Gegenübergestellt wurden mehrere Varianten im kritischen Abschnitt drei am Hanganstieg Mögling:

  • Eine entweder zweistreifige ohne Überholfahrstreifen bergauf gehende oder eine dreistreifige mit Überholfahrstreifen bergauf gehende Steilböschung:
Die Variante Steilböschung am Möglinger Hanganstieg.
  • Eine entweder zweistreifige ohne Überholfahrstreifen bergauf gehende oder eine dreistreifige mit Überholfahrstreifen bergauf gehende Troglösung:
Die Trogvariante am Möglinger Hanganstieg.
  • Eine zweistreifige Tunnellösung mit Rettungsstollen:
Die Tunnelvariante am Möglinger Hanganstieg.

Die Frage nach den Kosten:

„Normalerweise ist ein Tunnel das teuerste und komplexere Bauwerk im Straßenbau. Trostberg spricht eine andere Sprache“, unterstrich Wallner. „Die Gesamtkosten netto für die Abschnitte eins bis vier in Trostberg lägen bei 87 Millionen Euro. Die zweistreifige Steilböschung mit circa 152 Millionen Euro und der zweistreifige Trog mit circa 154 Millionen Euro wären etwa kostengleich.“

Obwohl der bergmännische Tunnel deutlich länger ist als der eigentliche Variantenbereich, wäre er unterm Strich kostengünstiger, flächensparender und ökologischer sowie besser für die Artenvielfalt.

Jetzt kommt eine „alte Bekannte“ wieder ins Spiel

Der Tunnel wäre also insgesamt die „weniger schlechte Lösung“. Wallner sprach bewusst nicht von einer „guten Lösung“. Denn die Überlegungen gingen nach diesen Untersuchungen wieder zurück zu früheren Planungsphasen, konkret zum Trassenverlauf zwischen Schwarzerberg und Waltersham. Diese Option wurde eigentlich bereits 2009 vom Stadtrat abgelehnt und somit auch nicht zur Baugenehmigung vorgelegt.

Durch den Ausbau bliebe die Ortsdurchfahrt Trostberg langfristig eine Bundesstraße. „Um die enormen Schwierigkeiten und Kosten des Möglinger Hanganstiegs, die wir jetzt wissen, zu vermeiden, könnte der Verlauf der Ortsdurchfahrt am nördlichen Teil mit Ausbau des Schwarzerbergs grundsätzlich als langfristige Lösung weiterverfolgt werden. Wir haben eine ausgearbeitete, aber nicht mehr aktuelle Planung von damals“, betonte Wallner. Die Staatsstraße 2091 am Schwarzerberg müsste dafür dreistreifig zur B299 ausgebaut werden.

Somit liegen zwei Varianten für die Ortsumgehung Trostberg vor:

  • Variante eins der Ortsumfahrungen Tacherting und Trostberg inklusive Tunnel am Hanganstieg Mögling für geschätzte Brutto-Gesamtkosten von 185,3 Millionen Euro
  • Variante zwei der Ortsumfahrungen Tachterting und Trostberg Nord inklusive des Ausbau des Schwarzerbergs für geschätzte Brutto-Gesamtkosten von 72,4 Millionen Euro

Das K.O.-Kriterium des Nutzen-Kostenverhältnisses legt die Tunnellösung schließlich ad acta. Die Realisierung des Abschnitts Nord mit Ausbau des Schwarzerbergs wäre also nach Begutachtung aller Kriterien für das Staatliche Bauamt Traunstein die „noch am besten verwirklichende Lösung“.

Zur Verkehrsbelastung:

Im Rahmen einer Straßenverkehrszählung 2023 wurden an der B299 nördlich des neuen Kreisverkehrs zwischen Altenmarkt und Trostberg am Tag rund 13.000 Autos, davon knapp 1.100 Schwerlastfahrzeuge, aufgenommen. Die Zählstelle an der Staatsstraße 2091 am Schwarzerberg registrierte am Tag 8.000 Autos, davon 400 Schwerlastfahrzeuge.

Trostberger Verkehrsentwicklung der Zukunft? Dieser Planungsprognose für das Jahr 2035 ist unterstellt, dass die Ortsumfahrung Altenmarkt bereits vollständig existiert.

Das bedeutet: Der Schwarzerberg müsste mit diesen Planungen in zehn Jahren wohl eine deutliche Verschlechterung hinnehmen: Laut Prognose für das Jahr 2035 würden hier 58 Prozent mehr Autos und ganze 233 Prozent mehr Schwerlastfahrzeuge fahren.

Die Frage nach der Lärmbelastung:

Alle unmittelbaren Wohnanwesen werden einer Prüfung der Lärmbetroffenheit im Bereich zwischen Mögling und Schwarzerberg unterzogen, das betrifft insbesondere die Wohnhäuser an der Staatsstraße 2091 und im Knotenpunktbereich der Baumaßnahme.

Totschlagargument Wirtschaftlichkeit

Wie geht es jetzt weiter für die Ortsumgehung Trostberg? Rehm fand deutliche Worte: „Es wird keinen Südabschnitt geben. Das entscheidende Kriterium ist hier tatsächlich die Wirtschaftlichkeit. Alle Varianten - selbst die noch günstige Tunnelvariante - wären definitiv nicht wirtschaftlich. So wie es sich im Moment darstellt, bleibt uns nur eine Variante über den Schwarzerberg übrig.“

Nun obliegt es dem Stadtrat, was aus der Ortsumfahrung Trostberg wird. Stimmen die Räte dem Ausbau Nord am Schwarzerberg zu, müsste ein neuer Vorentwurf mit detaillierter Prüfung der baulichen Umsetzbarkeit und der Kosten ausgeplant werden. Aus Sicht des Staatlichen Bauamts würde diese Planung nach Genehmigung, Ausschreibung und Bau zu einer Verkehrsentlastung des Kernpunkts, der Ortsdurchfahrt Trostberg, führen. Ebenso würden sich Lärmsituation und Luftschadstoffbelastung verbessern.

Stimmen die Räte allerdings nicht zu, wäre dies womöglich das Ende der Ortsumfahrung. Die Planungen würden bei Ablehnung bis auf Weiteres ruhen. Das würde im Umkehrschluss bedeuten: Es gäbe auch keinerlei Entlastung für die Stadt.

Steht der Ortsumfahrung Trostberg das Ende bevor?

„Der Ausgang ist völlig offen. Es gibt in Bayern Bauprojekte, die abgelehnt wurden seitens der betroffenen Kommunen und die Planungen infolgedessen tatsächlich ruhen“, lautete Rehms ernüchterndes Fazit.

Es ist deutlich herauszuhören, dass der Behördenleiter den Ausbau am Schwarzerberg befürworten würde, denn: „Es gibt aus meiner Sicht für Trostberg keine Alternative, was eine Entlastung betrifft.“

Erste Redebeiträge und Fragen der Stadträte nach der Vorstellung der Neuigkeiten zeigten noch am Abend: Die Meinungen gehen auseinander, es ist allgemein Skepsis und Vorbehalt bezüglich des Ausbaus Schwarzerberg im Rahmen der Ortsumfahrung spürbar. Noch handelt es sich jedoch nur um Spekulationen.

Wie werden sich die Trostberger Räte entscheiden? Klarheit wird es am 23. Juni geben. (mb) 

Kommentare