Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Nächstes Wetterextrem nicht fern

Mehr heiße Tage im Chiemgau: Warum fehlt es trotzdem an Hitzeschutz-Plänen in den Gemeinden?

Kinder springen in den Chiemsee.
+
Wer braucht schon einen Hitzeschutzplan, wenn man einen See hat? In Prien springen die Kinder ins erfrischende Nass.

Hochwasser, Unwetter und jetzt Hitze – der Chiemgau erlebt Wetterextreme. Die steigenden Temperaturen und zunehmenden Hitzetage verändern das Leben und die Planungen in der Region. Doch die Reaktionen der Gemeinden sind zu langsam.

Chiemgau – „Aus den Klimamodellen lässt sich mit dem Anstieg der Temperaturen ein Anstieg der Zahl der heißen Tage erwarten“, sagt Guido Kugelmann vom Deutschen Wetterdienst (DWD) und bezieht sich dabei auf den Chiemgau. Nach Hochwasser und Unwetter kommen jetzt mit dem Beginn des Sommers auch sommerliche Temperaturen. Die Definition von „sommerlich“ hat sich allerdings verändert.

Mehr Tage über 30 Grad

Die Wetterstation des DWD, die am meisten Aussagekraft für den Chiemgau hat, liegt in Trostberg. Hier haben sich in den letzten Jahrzehnten die Tage verdoppelt, an denen das Thermometer über 30 Grad zeigt: im Schnitt, denn auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel. So wurden laut den Wetterdaten des DWD, die der Chiemgau-Zeitung vorliegen, 1947 bereits 24 Tage gemessen, an denen die Temperaturen auf 30 Grad oder mehr stiegen. Ein Rekord-Hoch, das nur im Jahr 2003 mit 32 und 2015 mit 26 Tagen übertroffen werden konnte.

Die Durchschnittswerte über die vergangenen 30 Jahre hinweg beschreiben einen kontinuierlichen Anstieg. Lagen die Tage mit 30 Grad und mehr in den 50er, 60er und 70er Jahren laut Kugelmann noch bei knapp vier Tagen pro Jahr, waren es in den letzten drei Jahrzehnten schon fast zehn im Schnitt. Eine Tendenz, die nach Daten der Klimaforschung für ganz Bayern gilt.

Keine Hitzeschutzpläne für den Chiemgau

„Die wegen des Klimawandels immer häufiger werdenden Hitzewellen sind insbesondere für Ältere gefährlich“, sagt Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach, „aber zum Beispiel auch für Menschen mit Vorerkrankungen sowie Säuglinge, Kinder und Schwangere.“ Um der hohen Anzahl an Hitzetoten Einhalt zu gebieten, hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach allen Kommunen empfohlen, Hitzeschutzpläne zu erstellen. Diesem Aufruf sind bisher aber noch wenige gefolgt. Auch im Chiemgau nicht.

„Wir beschäftigen uns gerade mit der Starkregen-Planung“, sagt Bernaus Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber, weshalb es noch keinen Hitzeschutzplan gebe. Trotzdem versuche sich Bernau gegen die Hitze zu rüsten. „Für unsere Liegenschaften arbeiten wir uns nach und nach durch“, sagt die Bürgermeisterin. Ebenso soll ein Trinkbrunnen am Rathausplatz kommen. Dieser würde auch gefördert werden. Den Antrag habe die Gemeinde eingereicht, aber: „Wir warten seit einer Ewigkeit auf die Zusage“, teilt Biebl-Daiber mit.

Wasser sammeln

Die durch den Sturm vergangene Woche gefallenen Bäume sollen in Bernau wieder durch neu gepflanzte Bäume ersetzt werden, um Schatten spenden zu können, sagt die Bürgermeisterin. Die neuen Bäume am Strandbad „stehen auch alle noch“, teilt Biebl-Daiber mit. Außerdem seien bezüglich der Straßen-Infrastruktur-Sanierung in Bernau auch Konzepte in Überlegung, mit denen man das Wasser bei Starkregenereignissen sammeln und für trockene Zeiten speichern könne.

Am 20. Juni überflutete ein kurzes, aber heftiges Unwetter die Straßen in Bernau. Das Wasser könnte auch für trockene Zeiten gesammelt werden.

In der Gemeinde Seeon-Seebruck kann auch Bürgermeister Martin Bartlweber noch nicht mit einem konkreten Konzept aufwarten. „Jedoch ist es tatsächlich so, dass in allen Planungen, ob Freiflächen oder Gebäude, der Hitzeschutz sowie der natürliche Schatten durch Bäume und so weiter in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung zugenommen hat“, sagt der Bürgermeister.

Hitzeplan aus dem Gedächtnis verschwunden

Die Gemeinde Seeon-Seebruck hat bereits einen Trinkwasserbrunnen vor dem Rathaus installiert. Ebenso gibt es auch in Prien schon zwei staatlich geförderte Stellen, an denen es Trinkwasser per Knopfdruck gibt: am Heimatmuseum sowie am Wendelsteinplatz. Ein konkreter Hitzeplan liegt auch hier noch nicht vor: „Wegen der kühlen Temperaturen und dem Dauerregen ist das Thema wieder aus dem Gedächtnis verschwunden, obwohl es ein dringendes Projekt sein wird“, sagt die Priener Gemeinderätin Angela Kind.

Die Sommer in Bayern werden heißer und die Hitzetage, an denen es 30 Grad und mehr hat, nehmen zu.

Hitzeschutzpläne sind noch in ganz Bayern Mangelware. In einer Befragung der bayerischen Kommunen zum Thema Hitzeanpassung im Frühjahr dieses Jahres gaben von 370 Teilnehmenden sechs Kommunen an, bereits einen Hitzeaktionsplan zu haben, teilt eine Sprecherin des bayerischen Gesundheitsministeriums auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung mit. Trotzdem: „Jede vierte Kommune in Bayern hat bereits erste Schritte und Ideen für Hitzeanpassungsmaßnahmen unternommen“, sagt Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach, „im Jahr 2023 waren es nur knapp 15 Prozent.“

„Wenn der Bundesgesundheitsminister den Gemeinden und Städten empfiehlt, Hitzeaktionspläne aufzustellen“, sagt der Priener Bürgermeister Andreas Friedrich, „dann möchte ich an dieser Stelle erst einmal dem Herrn Minister empfehlen, ein vernünftiges und langfristig tragfähiges finanzielles Konzept für den Erhalt der überwiegend kommunal betriebenen Krankenhäuser mit Notaufnahme aufzustellen.“ Der schönste Hitzeaktionsplan helfe nichts, wenn die Personengruppen, die unter Hitze leiden, plötzlich einen Schwächeanfall oder Kreislaufprobleme bekommen und dann keine entsprechenden Behandlungsmöglichkeiten mehr da sind, meint der Bürgermeister. Gleichzeitig appelliert er an den gesunden Menschenverstand und an die Eigenverantwortung, da die öffentliche Hand nicht für jedes Szenario vollumfänglich Vorsorge treffen könne.

Das Priener Klinikum hat sich nach eigenen Angaben bereits gegen höhere Temperaturen gewappnet. „Die RoMed Kliniken verfolgen einen standortübergreifenden Austausch in Form eines ‚Green Teams’“, teilt eine RoMed-Sprecherin mit. Darin werden unter anderem Themen wie Hitzeschutz bearbeitet. Neben einer speziellen Unterweisung der Mitarbeiter der RoMed Klinik Prien gebe es zahlreiche Maßnahmen, von Klimaanlagen bis hin zu Wärmeschutzfolien, um das Gebäude und dessen Insassen gegen Hitze zu schützen.

Mehr Tourismus vom Mittelmeer

Für den Tourismus in der Region stellt die Zunahme an heißen Tagen weniger Probleme dar: „Wir bekommen eher das Feedback, dass die Menschen zu uns kommen, weil es noch nicht so heiß ist wie in anderen Ländern, die Wiesen meist noch grün sind und es auch mal regnet“, sagt Elisabeth Keihl, Vorstand Achental Tourismus. Sie bemerke in diesem Zusammenhang, dass die Gäste auch durchaus internationaler werden und etwa Menschen aus Mittelmeerstaaten das Wetter bei uns schätzen.

Kommentare