Gastronomin aus Hammer gibt tiefe Einblicke in ihre Seele
Wie Katharina Hörterer kurz vorm Burnout stand - und jetzt ihren „inneren Hippie“ lebt
Sie gewährte jetzt ganz intime und private Einblicke in ihr Leben: Katharina Hörterer vom Hammerwirt bei Siegsdorf. Von einem Burnout, an dem sie „haarscharf“ vorbeigeschrammt ist, von den persönlichen Krisen, Aufs und Abs, denen sie als Gastro-Chefin manchmal ausgesetzt ist - und wie sie sich aus dem Loch wieder herausarbeitete.
Siegsdorf - Es war eigentlich ein Heimspiel für sie und trotzdem ging der Montagabend (23. Juni) Katharina Hörterer manchmal an die Substanz. Sie war Teil der Talkrunde „Einfach anders - Erfolgsgeschichten“ in der Bar von Hörterers „Hammerwirt“ in Hammer bei Siegsdorf. Das Format, organisiert und herzlich moderiert von Kenlly Zehentner Flores, brachte Frauen zusammen, die auf der Bühne über die Geschichten hinter ihrem Erfolg sprachen. Über Wendepunkte, Umbrüche und Neuanfänge. Bei Katharina Hörterer passierte einer dieser Wendepunkte im Jahr 2020.
Das Geschäft brummte - „aber ich wusste nicht mehr, wie wir es stemmen sollen“
Sieben Jahre zuvor übernahm Hörterer den elterlichen Betrieb in Hammer. Ein stattliches Wirtshaus mit Gästezimmern, eines der prägendsten Gebäude im Ort. Dann bekam Katharina Hörterer ihr drittes Kind. 2017 große Investitionen in den Betrieb, 2018 und 2019 dann die umsatzstärksten Jahre überhaupt: „Ich dachte, ich kann mit den Kindern einfach so weitermachen...“, blickte Hörterer zurück. Doch sie täuschte sich. Die Fluktuation beim Personal - 25 Mitarbeiter waren es in der Regel - nahm immer mehr zu. „Wir waren so gut gebucht, aber hatten fast keine Mitarbeiter mehr gefunden. Ich wusste nicht mehr, wie wir es stemmen sollen.“
Und dann kam 2020, das Jahr, in dem sie „haarscharf“ am Burnout vorbeischrammte, wie Katharina Hörterer gestand. Ohne, dass sie es anfangs überhaupt merkte. „Ich dachte, ich bekomme Demenz, weil meine Konzentration so stark nachgelassen hat“, so die gelernte Hotelkauffrau und Köchin. Ihr erster Gedanke beim ersten Corona-Lockdown: Gott sei Dank kommen mal keine Gäste. Heute sagt Hörterer: „Wenn das Dein erster Gedanke ist, passt grundlegend was nicht.“ Sie versuchte, die Zeit zu nutzen, nahm sich richtigen Urlaub - doch es brachte nichts: „Ich war danach genauso müde, wie davor. Und für die Mitarbeiter war ich ja weiterhin der Fixpunkt.“
Im Lockdown „das erste Mal meine innere Stimme nicht weggedrückt“
Der Lockdown im Frühjahr 2020: Es war „das erste Mal nach 20 Jahren, dass mir selbst zugehört und meine innere Stimme nicht weggedrückt hab“, so Katharina Hörterer. Offen sagt sie, dass sie gar nicht mehr wusste, was sie außerhalb von Familie und Betrieb überhaupt ausmachte. Sie meldete sich auf eigene Faust zur Kur in Schönau am Königssee an, „ganz ohne Unterlagen“, lacht sie, „mir war nicht bewusst, dass ich ja eigentlich gar keine Unterlagen hatte“. Einen konkreten Tipp hat die dreifache Mutter für alle, die unter dem Burnout-Syndrom leiden oder fürchten, an der Kippe zu stehen: „Regle es nicht alleine! Rede offen mit Freunden darüber. Die schwierigsten Dinge im Leben kann man einfach nicht alleine machen.“
Unterwegs zu einer Weiterbildung, auf der Autobahn, schoss Katharina Hörterer dann ein Satz in den Kopf: „Entdecke Deinen inneren Hippie!“ Sie fand langsam zu sich selbst - und wollte es weitergeben. Ohne großes Programm entschloss sie sich, Seminare anzubieten. „Und auf einmal hatte ich vier Anmeldungen.“ Freilich: Gasthaus, Hotel und Familie bleiben Hörterers erste Aufgaben. Aber die „Hippie“-Workshops und Events hat sie beibehalten und macht eine Ausbildung zum NLP-Master. Schon aus Düsseldorf, Wien oder Hamburg kamen die Leute angereist. Anderen Mut machen, einen ersten Schritt zu gehen. Den „inneren Hippie“ - Katharina Hörterer hat ihn nach einigen Höhen und Tiefen entdeckt.
Auch Annabell Pichler von „Helds Vitalhotel“ in Ruhpolding sprach über ihre bewegte Geschichte. Darüber lest Ihr in Kürze einen weiteren Artikel. (xe)

