Prozess hat neu begonnen
Geständnis zurückgezogen! Wasserburger wegen Missbrauch der eigenen Tochter wieder vor Gericht
Der im Frühjahr gestartete Prozess gegen einen Mann aus Wasserburg wird fortgesetzt - doch sein damaliges Geständnis scheint nicht mehr zu gelten: Er soll seine Tochter im Alter von zehn und elf Jahren sexuell missbraucht und vergewaltigt haben.
Wasserburg/Traunstein - Im Frühjahr 2022 soll es begonnen haben: Zuerst im Rahmen von Gesprächen im Keller, bei denen der 41-Jährige den Körper seiner Tochter „untersuchte“, später zwang er sie laut Staatsanwaltschaft zum Oralverkehr. Das Mädchen war damals zehn bzw. elf Jahre alt. Der Mann aus Wasserburg steht jetzt wieder als Angeklagter vor dem Traunsteiner Landgericht.
Im Frühjahr wurde erstmals verhandelt - mit Geständnis
Anfang März hatte der Prozess gegen den 41-Jährigen schon einmal begonnen. Wegen eines Krankheitsfalls eines Prozessbeteiligten musste die Verhandlung aber abgebrochen werden. Nun wurde sie neu aufgerollt - mit einem gravierenden Unterschied: Im Frühjahr ließ der Wasserburger über seine Verteidiger Walter Holderle und Harald Baumgärtl noch ein formales Geständnis ablegen. „Der Sachverhalt wird eingeräumt“, verkündete Rechtsanwalt Baumgärtl damals kurz und knapp. Doch jetzt, im neuen Prozess, hat der Mann sein Geständnis zurückgenommen. Er macht gar keine Angaben mehr.
Für die Vorsitzende Richterin Jacqueline Aßbichler heißt das: Es braucht eine komplette Beweisaufnahme. Sind Angeklagte, die einen Missbrauch begangen haben sollen, gestädnig, wird den Kindern eine weitere Zeugenaussage erspart. Doch wie wird es jetzt laufen? Die Aussage des Mädchens bei der Polizei gäbe es auf Video und könnten als Beweismittel vor Gericht gezeigt werden. Denkbar wäre auch, dass sie nochmal in einem anderen Raum vernommen und per Video aufgenommen wird. So müsste sie dem Angeklagten nicht noch einmal vor die Augen treten. Richterin Aßbichler machte bereits klar, sie sei „nicht interessiert, das Mädchen in den Gerichtssaal zu holen.“
Er habe ihr weismachen wollen, das alles sei „normal“
Von der Mutter des Mädchens lebt der Angeklagte getrennt. Jedes zweite Wochenende soll das Mädchen damals bei dem 41-Jährigen gewesen sein. Nach den mutmaßlichen Missbrauchsfällen habe der Mann zu seiner Tochter immer gesagt, das alles sei „normal“ - aber sie dürfe es niemandem verraten. Doch als das Mädchen dann einen Fernsehbericht über Kindesmissbrauch sah, sprach sie über ihre Erlebnisse: zuerst mit einer Freundin, dann mit ihrer Mutter und schließlich mit der Polizei.
Auch das Tagebuch des Mädchens wurde schließlich ausgewertet. Es ließen sich „düstere Einträge“ finden, so eine Ermittlerin - und immer wieder das Wort „Help!“ Der Prozess wird am 19. August vor dem Traunsteiner Landgericht fortgesetzt. Mit einem Urteil wird Ende August gerechnet. (xe)