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Wo es keinen Hausarzt, aber fünf Wirtshäuser gibt

Hausarzt-Idylle in Gefahr? So steht es um die Versorgung im Wasserburger Land

64 Hausärzte gibt es im Wasserburger Land.
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64 Hausärzte gibt es im Wasserburger Land.

Auf dem Papier gilt das Wasserburger und Haager Land als überversorgt mit Hausärzten. Doch ein genauerer Blick zeigt, dass die Realität anders aussieht. Wer von Versorgungslücken betroffen ist und wo es zwar keine Allgemeinmediziner, dafür aber fünf Wirtshäuser gibt.

Wasserburg – Ärzte kurz vor der Rente, weite Anfahrtswege, kaum freie Termine: Solche Geschichten gibt es zuhauf. Wie steht die Wasserburger Region? Auf den ersten Blick gar nicht so schlecht. Laut Versorgungsatlas der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) ist das Wasserburger Land mit 110,59 Prozent Versorgungsrate überversorgt. Gezählt werden hier die Gemeinden Wasserburg, Haag, Gars, Maitenbeth, Unterreit, Reichertsheim, Kirchdorf, Rechtmehring sowie Soyen, Albaching, Pfaffing, Edling, Eiselfing, Amerang und Babensham. Hier sind insgesamt 43 Hausärzte niedergelassen, laut Bedarfsplanung bräuchte es nur 36.

Hinzu kommen die Ärzte aus den restlichen Gemeinden des Altlandkreises, also Rott, Griesstätt, Ramerberg, Schonstett, Isen und Sankt Wolfgang. Damit zählt der Altlandkreis insgesamt 59 Allgemeinmediziner. Mit den Gemeinden Schnaitsee und Obing, sind es sogar 64.

Die Grafik zeigt die Verteilung der Hausärzte im Wasserburger Land.

Diese verteilen sich dabei gut in der Region. In der Stadt Wasserburg werden 13 Kassensitze verzeichnet, gefolgt von Haag und Gars mit sieben beziehungsweise sechs Sitzen für Hausärzte. Sankt Wolfgang und Isen verzeichnen jeweils fünf Sitze. In Edling, Rott und Soyen sind jeweils vier niedergelassene Allgemeinmediziner gemeldet, in Obing drei. Maitenbeth, Albaching, Eiselfing, Amerang und Griesstätt sind mit zwei Ärzten versorgt, Schnaitsee und Pfaffing mit jeweils einem Arzt. Laut Versorgungsatlas gebe es auch in Babensham keine Hausarztpraxis, was allerdings nicht richtig ist. Hier hat die Praxis von Dr. Hubert Attenberger aus Gars einen weiteren Standort.

Auch die Altersstruktur der Hausärzte der Region scheint vergleichsweise gut. Durchschnittlich 53,8 Jahre sind die Allgemeinmediziner im Wasserburger Land alt, immerhin etwa eineinhalb Jahre jünger als der bayerische Durchschnitt, der bei 55,1 Jahren liegt. Mit 27,9 Prozent haben allerdings die Ärzte über 60 Jahren trotzdem den Großteil der Kassensitze inne, gefolgt von den Ärzten unter 45 Jahren, die einen Anteil von 25,6 Prozent ausmachen. 51 Prozent davon sind übrigens weiblich.

Kein Arzt in kleinen Gemeinden

Die Versorgung scheint also gut, denn nur die kleinen Gemeinden des Wasserburger Landes, wie Unterreit, Rechtmehring, Ramerberg und Schonstett, haben keinen niedergelassenen Hausarzt. Hinzu kommen Kirchdorf und Reichertsheim, die als einzige Verwaltungsgemeinschaft im Wasserburger Land über keinen Allgemeinmediziner in den Orten verfügen, dafür aber mit fünf Gasthäusern aufwarten können: Christians Restaurant, den Wirth‘z Moosham, das Gasthaus in Hacklthal, das Gasthaus Wagenspöck und Fichters Kulturladen.

Bei einem genaueren Blick zeigen sich aber schon einige Problemstellen: In Wasserburg gibt es beispielsweise seit einigen Wochen Ärger bezüglich der Hausarztpraxis am Willi-Ernst-Ring in der Burgau. Bis Ende des vergangenen Jahres wurde sie von Dr. Thomas Wilsmann geführt, der aus Altersgründen seinen Kassensitz aufgegeben und die Praxis an das Ärztenetzwerk Rosenheim verkauft hatte. Seitdem wird sie als Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) beworben und von zwei Allgemeinmedizinern betrieben. Allerdings standen Ende Juli die Patienten plötzlich vor verschlossener Tür. Aufgrund eines Krankheitsfalls war keine Versorgung möglich. Wie es weiter geht, ist immer noch unklar.

Und während Haag zwar mit einem eigenen MVZ ebenfalls hausärztlich gut versorgt ist, ging die Umstrukturierung dieses Gesundheitszentrums mit der Schließung des Krankenhauses einher, was für viele Haager ein schmerzlicher Verlust war.

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