Medizinisches Versorgungszentrum
MVZ Haag: Neues Gesundheitszentrum – So läuft‘s nach einem Jahr, das ist noch alles geplant
Das MVZ Haag feiert sein einjähriges Jubiläum. Im OVB-Interview erklärt der Ärztliche Leiter Dr. Clemens Schilling, warum die Einrichtung mehr als eine Hausarztpraxis ist und wie die medizinische Versorgung der Region in Zukunft aussehen soll.
Haag – Seit gut einem Jahr befindet sich das Haager Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) in den neuen Räumen des ehemaligen Krankenhauses. Am 26. Juli hat die Einrichtung zum einjährigen Jubiläum einen Tag der offenen Tür veranstaltet. Viele Besucher nutzten das Rahmenprogramm, um sich ausgiebig zu informieren. Auf großes Interesse stießen die verschiedenen Vorträge, die Tages- und Kurzzeitpflege sowie die hausärztliche Versorgung im MVZ. Seit April 2024 ist Dr. Clemens Schilling der Ärztliche Leiter des MVZ in Haag.
Das MVZ versteht sich als umfassende hausärztliche Anlaufstelle, die weit über eine klassische Praxis hinausgeht. „Wir sind wie eine Hausarztpraxis, nur mit viel mehr Behandlungsmöglichkeiten direkt im Haus“, erklärt Dr. Schilling im Interview mit der Redaktion. Neben der Allgemeinen und Inneren Medizin finden Patienten hier auch Spezialisten für Gastroenterologie und das Adipositaszentrum. Hinzu kommen diverse Therapieangebote wie Ergo-, Logo- und Physiotherapie sowie eine Kurzzeit- und Tagespflege. Er sieht die Einrichtung als wichtige Schnittstelle in der Gesundheitsversorgung.
Diese bewege sich „immer mehr Richtung Ambulanz“. Das liege unter anderem auch daran, dass Krankenhäuser mit steigenden Kosten zu kämpfen haben, so Schilling. „Die Patienten werden früher entlassen und müssen sich in Eigenverantwortung um ihre Pflege kümmern. Da sind auch zunehmend die Angehörigen in der Pflicht. Wo das nicht möglich ist, hilft eben unsere Kurzzeitpflege, die wir ärztlich begleiten und betreuen“, erklärt er.
Zunehmend zähle auch die Gesundheitsvorsorge. Bei dieser gehe es darum, Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und chronische Leiden optimal zu betreuen. „Da schauen wir schon sehr genau hin. Das hilft uns, die Zahl der Untersuchungen im Blick zu behalten. Wenn jemand vor drei Monaten eine Magenspiegelung bekommen hat, dann braucht er das jetzt nicht schon wieder. Insbesondere in Zeiten, in denen Patienten früher aus Krankenhäusern entlassen werden, spielt die Kurzzeitpflege eine entscheidende Rolle“, so Schilling.
Elektronische Patientenakte nur bedingt hilfreich
Dabei sei auch die neu eingeführte, elektronische Patientenakte nur bedingt hilfreich, „denn sie muss gepflegt werden. Dazu müssen Ärzte und Patienten Befunde aktualisieren und übersichtlich halten. Das ist zeitaufwändig und personalintensiv. Viele Patienten befassen sich aber nicht gerne mit den elektronischen Medien“, meint der Chefarzt. Der Vorteil: „Ist ein Patient bei uns im Haager MVZ, sehe ich alle relevanten Informationen auf einen Blick“, sagt Dr. Schilling.
Seine Aufgabe als Ärztlicher Leiter des MVZ sieht er unter anderem auch in der Weiterentwicklung der Häuser in Haag und Schwindegg. Dabei setzt er auf Hausbesuche und einen proaktiven Ansatz. Er möchte die Zusammenarbeit mit Apotheken und Pflegediensten verstärken. Die Befürchtung, das MVZ könnte Hausarztstellen gefährden, sieht er nicht, im Gegenteil: „Obwohl wir im Speckgürtel von München leben, gibt es zu wenige davon.“
Startschwierigkeiten und große Pläne
Das erste Jahr im neuen Gesundheitszentrum Haag lief laut Schilling gut an, das zeige die hohe Patientenzahl von 160 bis 200 Personen täglich. Besonders gefragt seien Behandlungen im Bereich Herz- und Kreislauf sowie Magen- und Darmspiegelungen. Es gab aber auch Hürden: Personelle Engpässe hätten anfangs Probleme bereitet. „Wir arbeiten sehr daran, dass so etwas nicht mehr passiert“, versichert Schilling.

