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Tradition trifft Leidenschaft in Vogtareuth

Thomas knöpft sich jeden Härtefall vor: „Für‘s Lederhosenwaschen braucht‘s ein Gefühl“

Lederhosenwascher Thomas Greiner aus Vogtareuth
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Thomas Greiner hat eine uralte bayerische Tradition zum Leben erweckt: Mit viel Leidenschaft hat er das Lederhosenwaschen für sich entdeckt.

Je grindiger, desto besser? Wo viele die Nase rümpfen, fängt für Thomas Greiner der Spaß und die Herausforderung erst an. Alte, starre und fleckige Lederhosen sind genau sein Ding. Mit viel Herzblut, Geduld und Leidenschaft macht er aus alt wieder neu.

Vogtareuth/Hölking - Lederhosenwaschen ist kein Beruf, sondern eine Berufung, erfahren wir vom Meister selbst. Den Stein ins Rollen gebracht hat die alte Lederhosen seines Uropas aus dem Jahr 1890. Die war so hart und starr, dass man sie nicht mehr tragen konnte - und Thomas‘ Papa entwickelte den Ehrgeiz, sie wieder ausgehfähig zu machen.

Vom Papa gelernt

Thomas hat ihm beim Waschen oft über die Schulter geschaut und so mehr über die Reinigung der Lederhosen gelernt. „Für Papa war es mehr als nur Leidenschaft, er würde heute noch waschen“, erzählt Thomas und ein Lächeln huscht ihm über die Lippen. Als der Papa vor drei Jahren starb, schlief das Lederhosenwaschen ein.

„Mir war immer klar, dass ich eines Tages in seine Fußstapfen treten werde“, erzählt Thomas und sein Blick schweift über die verschieden farbigen Lederhosen, die über dem Kachelofen baumeln.

Auslöser für Thomas, das Geschäft wieder zum Leben zu erwecken, war schließlich das Herbstfest 2023, das zum Eröffnungstag sintflutartig von einem Wolkenbruch überrascht wurde. „Es häuften sich die Anfragen von Lederhosenträgern, die nicht wussten, wie sie mit ihrer durchnässten und dadurch hart gewordenen Lederhosen umgehen sollten - das war für mich der richtige Zeitpunkt, anzufangen.“

Chemische Reinigung: Der Tod für die Lederhosen

Gesagt, getan. Die Rezeptur? Altbekannt. Wasser und Schmiermittel lauten die Zutaten, um eine Lederhosen wieder zum Strahlen zu bringen. Das könnte man doch selber auch probieren? „Freilich kann man das“, gibt Thomas zu.

„Doch die meisten Hosen, die in Selbstversuchen gereinigt wurden, landen am Ende bei mir. Das schlimmste Bild geben die chemisch gereinigten ab. Allein mit den Hausmitteln ist es nämlich nicht getan. Für‘s Lederhosenwaschen braucht‘s ein Gefühl, Geduld und Wissen.“

Alte, hochwertige Lederhosen hat Thomas Greiner unter seine Fittiche genommen, um sie wieder zum Strahlen zu bringen.

Nicht umsonst befinden sich die Problemkinder eine Woche lang in der Obhut des Lederhosenwaschers. Der weiß: „Jede Hosen ist anders und eine jede ist aufs Neue eine Herausforderung. Begonnen mit der richtigen Waschung im Zuber heißt es, alle vier bis sechs Stunden kräftig und von allen Seiten dreidimensional woigeln.“

Schließlich kommt der wichtigste Teil, das Trocknen - im Idealfall im Freien. Dabei darf es nicht zu kalt und nicht zu heiß sein. Trocknet sie zu langsam, wird sie schimmelig, trocknet sie zu schnell, wird die Oberfläche rau wie Schleifpapier. Auch zu viel Wind mögen die Hosen nicht.

„Die beste Pflege einer Lederhosen ist Anziehen.“

Thomas Greiner aus Vogtareuth, Lederhosenwascher

Man merkt: Es gibt einiges zu beachten beim Lederhosenwaschen. Jedes Leder reagiert anders, je nachdem, wie die Hosen von Gerber und Säckler gearbeitet ist.

Da muss sich Thomas individuell herantasten - gerade an die Härtefälle: Wie die sehr helle Hosen, über die sich ihr Besitzer einen Cappuccino geschüttet und über und über mit Flecken übersät hat. Oder die dunkle Lederne, die plötzlich als helle wieder aus der chemischen Reinigung kam. Nicht zu vergessen jene, die schon von alleine stehen.

Zirbe als Wundermittel

Und doch hat er eine jede wieder hinbekommen - wenn auch mitunter mit viel Geduld und diversen Methoden. Dabei arbeitet er auch mit so manch selbsterfundenem Trick.

Eine recht „gstingerte“ Hosen landet beispielsweise gerne im Zirbenbad, so wie eine alte Stallhose, die über die Jahre einen dementsprechenden Geruch angenommen hatte: „Eine Woche eingelegt in Zirbenholzschnitzer - und der Gestank war weg. Diese Methode eignet sich auch bei Mottenbefall“, weiß der 33-Jährige.

Im Zirbenbad hat sich so manche Lederhosen wieder erholt.

Mit dem Lederhosenwaschen hält Thomas ein uraltes bayerisches Handwerk am Leben. „Es ist verreckt, dass es sogar Leute gibt, die mit Nachnamen Lederhosenwascher heißen, aber es gar kein richtiger Beruf ist. Früher wurden die Hosen eben einfach selbst gewaschen. Da waren sie allerdings Arbeitsgewand. Heute ist die Lederhosen groß in Mode - und kein Gebrauchsgegenstand mehr.“

So lagert ihr eure Lederhosen richtig

Eine Lederhosen muss aber doch speckig und grindig sein, oder etwa nicht? Thomas stimmt hier nur teilweise zu: „Die Hosen bekommen beim Tragen einen Fettfilm ab, durch Schweiß oder fettige Finger beim Hendl essen im Bierzelt. Salze und Dreck machen das Leder auf Dauer hart und brüchig, es können Risse entstehen. Und wer will schon einen Riss in der Lederhosen?“

Sämisch gegerbtes Hirschleder sei besonders empfindlich. Viele Hosen werden darüber hinaus falsch gelagert. „Niemals zusammenlegen, sondern immer hängend im Schrank aufbewahren“, rät Thomas. „Die beste Pflege einer Lederhosen ist Anziehen und in Bewegung halten - gerade auch, wenn sie nass geworden ist.“

Beim Lederhosenwaschen hat Thomas einen hohen Anspruch an sich selbst: „Ich möchte den Kunden ein sauberes Produkt liefern. Wenn ich sehe, wie groß die Freude am Ende ist, freue ich mich fast mehr als der Hosenbesitzer.“

Denn für Thomas gibt es kaum Schöneres, als eine Lederhosen in Ehren zu halten, die sich seit Jahrzehnten im Familienbesitz befindet und von Generation zu Generation weitervererbt wird.

mb

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