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Jahrhundertealtes Handwerk in Breitbrunn

Messerschmied Benjamin Asbeck ist Feuer und Flamme für das „älteste Werkzeug der Welt“

Messerschmied Benjamin Asbeck aus Breitbrunn
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Messerschmied Benjamin Asbeck aus Breitbrunn fertig seine Unikate wie im Mittelalter.

Schmieden wie einst im Mittelalter - darauf legt Benjamin Asbeck Wert. Er ist Messerschmied mit Leib und Seele. Ein Besuch in seiner Werkstatt in Breitbrunn gibt Einblicke in ein jahrhundertealtes Handwerk, das Faszination auslöst.

Breitbrunn am Chiemsee - Aus etwas Schönem etwas Nützliches machen: Diese Intention bewegte Benjamin dazu, Messerschmied zu werden. Gelernt hat er Schlosser und Schweißer - die ideale Grundlage und der Einstieg zum Schmieden.

Der Vater Schlossermeister, Opa und Uropa Schmiedemeister. Dass sich Benjamin schon früh für das Schmiedehandwerk interessierte, wurde ihm quasi in die Wiege gelegt. „Zum Geburtstag schenkte mir der Opa selbst geschmiedete Messer - von da an hat es mich nicht mehr losgelassen. Ich wusste, das möchte ich auch lernen“, resümiert Benjamin.

Neue Messer aus alten Feilen oder Autofedern

Erfahrungen im Schmieden sammelte der Breitbrunner über die Jahre hinweg unter anderem in Portugal oder Frankreich, wo es den leidenschaftlichen Surfer auch zum Wellenreiten verschlug. Die Nähe zum Wasser ist ihm wichtig, weshalb er auch am Chiemsee wohnt und arbeitet.

2014 wählte er den Weg in die Selbstständigkeit, inzwischen hat er allerlei Aufträge für Sonderanfertigungen. In seiner kleinen Werkstatt in Breitbrunn entstehen Unikate der besonderen Art. Stahl zukaufen ist häufig gar nicht nötig, aus alten Feilen oder Autofedern entstehen im Handumdrehen neue Messer.

Benjamin Asbeck bei der Arbeit am Amboss.

Kunden zum größten Teil männlich

Aufträge hat er inzwischen aus ganz Deutschland. Jäger- oder Fischermesser und Küchenmesser sind gefragt. Gerade Köche schätzen besondere Gemüse- oder Fleischmesser. Der Großteil seines Kundenstamms ist männlich: „Sie sind fasziniert von Messern aller Art, interessieren sich für die Herstellung und fachsimpeln gerne. Typische Aufträge von Frauen sind dagegen Brotzeit- oder Wander- und Klettermesser.“

Am Amboss lässt sich jede Form schmieden. Gerade hat er einen außergewöhnlichen Auftrag: Bei Ausgrabungen in der Nähe von München wurde ein germanisches Sax aus der Keltenzeit gefunden. „In dem circa 2.000 Jahre alten Messer steckt unglaublich viel Historie. Ich bin stolz, das Messer für ein Museum nach schmieden zu dürfen - mit dem Augenmerk auf originale Nachstellung“, sagt Benjamin fasziniert.

Schmieden wie im Mittelalter

Viel Platz braucht er für sein Handwerk nicht. Der 36-Jährige bevorzugt es, seine Messer wie im 14. Jahrhundert herzustellen - ohne Hilfsmittel wie Maschinen oder Gasofen, dafür mit viel Herzblut.

„Freilich wäre es mit modernen Hilfsmitteln wirtschaftlicher“, räumt Benjamin ein. Doch die Zeit nehme er sich gerne. Vom Rohling bis zur fertigen Klinge können dreieinhalb bis zwölf Stunden vergehen - je nach Anfertigung und Verzierung.

Eine Auswahl seiner Unikate, die Messerschmied Benjamin Asbeck fertigt.

Steinkohle, Luft, Wasser und natürlich Feuer - mehr braucht er nicht für die Messerherstellung. So habe er, wie er betont, „mehr Bezug zum alten Handwerk“. Die Kunden schätzen das - und zahlen für die Unikate gerne mehrere hundert Euro.

„Es ist das älteste Werkzeug der Welt, hält für die Ewigkeit und begleitet seinen Besitzer ein Leben lang. Von einem guten Messer profitieren Generationen“, sagt Benjamin. „Ich fertige meine Messer so, dass sie ein Archäologe in 200 Jahren finden kann.“

Des Messers Feind: Fruchtsäure

Gefährlich wird es bei Tomaten oder Zitronen: Die Fruchtsäure sei der „reinste Killer“ für die Schneide. Daher ist es besonders wichtig, sie nach dem Schneiden sofort zu reinigen. Zur Pflege empfiehlt der Schmied klares Wasser, einen Lappen und ein paar Tropfen Olivenöl. „Und in der Spülmaschine hat ein gutes Messer übrigens nichts verloren“, warnt Benjamin augenzwinkernd.

Sein Blick in die Zukunft? „Ich kann nicht sagen, wo ich mich in fünf Jahren sehe. So weit denke ich nicht. Ich lebe für jeden neuen Tag und bin froh, nach meiner Heimatstadt Neumarkt-Sankt Veit über die Chiemgaugemeinden Grassau oder Siegsdorf jetzt in Breitbrunn angekommen zu sein. Es ist für mich ein bisserl wie in Peter Pans Niemandsland - hier leben so viele Freigeister und Künstler, ich fühle mich sehr wohl.“

mb

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