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Tag des Lokaljournalismus am 15. Mai

„Das Besondere einfangen“: Karlheinz Riegers Leben hinter der Kamera als Mitarbeiter beim OVB

Seit 30 Jahren arbeitet Karlheinz Rieger als freier Mitarbeiter im Lokaljournalismus.
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Seit 30 Jahren arbeitet Karlheinz Rieger als freier Mitarbeiter im Lokaljournalismus.

Edmund Stoiber, Kardinal Ratzinger, Charlotte Knobloch: Karlheinz Rieger hat sie alle vor der Kamera gehabt. Seit über 30 Jahren ist er Mitarbeiter der Wasserburger Zeitung. Über spannende Begegnungen, technische Herausforderungen in der Zeit der analogen Fotografie und der Kunst, den entscheidenden Augenblick einzufangen.

Wasserburg Franz Josef Strauß, Kardinal Josef Ratzinger, Markus Söder, Charlotte Knobloch: Karlheinz Rieger kennt sie alle. Seit Jahrzehnten ist er als freier Mitarbeiter der Wasserburger Zeitung unterwegs. An sein erstes Bild, das 1991 für die Zeitung aufgenommen hat, erinnert er sich bis heute. „Es war ein Mehrlings-Treffen in Edling“, berichtet der 73-jährige Wasserburger. Zwillinge, Drillinge, Vierlinge: auf dem lange verschollenen Bild, das Karlheinz Rieger erst vor kurzem von einer damaligen Mutter wieder ausgehändigt bekam, tummeln sich die Kinder mit ihren Eltern.

Das erste Bild, das Karlheinz Rieger 1991 für die Wasserburger Zeitung aufgenommen hat, zeigt ein Mehrlingstreffen in Edling.

Der eigentliche Start als freier Mitarbeiter war aber schon früher. „Es war die Beerdigung des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß im Jahr 1988“, weiß er noch gut. Der Tod des Politikers kam völlig unerwartet und als feststand, dass er in der Gruft in Rott bestattet wird, war der Medienauflauf natürlich riesig, erinnert sich Karlheinz Rieger.

Karlheinz Rieger ist seit über 30 Jahren freier Mitarbeiter bei der Wasserburger Zeitung.

Unter den Presseleuten eingeschlichen

Seine Eltern waren einst große Strauß-Fans gewesen, sein Vater hatte die Strauß-Hochzeit in Rott 1957 schon fotografisch begleitet. Grund genug, sich – bewaffnet mit seiner Kamera und Ersatzfilmen – aufzumachen, um der Beerdigung beizuwohnen. Als Ortskundiger schlich er sich „von hinten“ an den Friedhof an und fand tatsächlich einen Weg, der, von den zahlreichen Sicherheitsleuten unbemerkt, nicht abgesperrt war. So mischte er sich einfach frech und ohne Akkreditierung in die Schar von Presseleuten und Fotografen und schoss Fotos von der Beerdigung des umstrittenen Ministerpräsidenten, von denen viel, viel später eines, das den damaligen Kardinal Ratzinger zeigt, sogar veröffentlicht wurde.

Auch das „schwierigste Foto“, das Karlheinz Rieger je gemacht hat, steht mit Franz Josef Strauß in Verbindung. „Es war die Kranzniederlegung zu seinem Totengedenken im Jahr 1993“, berichtet er. Ministerpräsident Edmund Stoiber ging hinter dem Sarg her. „Gegenlicht und der Aufnahmewinkel, ständig war Stoiber genau vor der Sonne, von Leuten oder dem Kranz verdeckt“, erzählt der 73-Jährige. Im vermeintlich richtigen Moment drückte er ab und konnte nur hoffen, „dass die Bilder etwas geworden sind“, sagt er heute lachend. „Doch das wusste ich in diesem Moment noch nicht. Ich musste die Fotos ja erst entwickeln, um das Ergebnis zu sehen.“

Das „schwierigste Foto“, das Karlheinz Rieger je gemacht hat: die Kranzniederlegung zum Totengedenken von Franz Josef Strauß, dahinter Ministerpräsident Edmund Stoiber.

Der Wasserburger verbrachte viel Zeit in der Dunkelkammer, um die Fotos zu entwickeln. Sein großes Glück: Die Mittelschule in Wasserburg hatte damals ein Fotolabor, zu dem er als dortiger Lehrer Zutritt hatte. Der zeitliche Aufwand fürs Entwickeln war „enorm“: die Filme im Dunkeln aus der Kamera entnehmen, ins Entwicklerbad geben, hinterher aufhängen, schauen, ob die Fotos brauchbar sind. Und dann alles nochmal nach Belichten des Fotopapiers. „Da war eine Stunde gar nichts“, erinnert er sich.

Anschließend warf er die entwickelten Bilder in einen Briefkasten, der vor den Räumen der Wasserburger Zeitung angebracht war. „Die damaligen Redakteure mussten teilweise bis zu einer Woche auf die Bilder warten, wenn ein Labor für Farbaufnahmen bemüht wurde. Aber manchmal eilte es eben“, weiß er aus Erfahrung. Heutzutage sei das kein Problem mehr. Alles ist in Echtzeit vorhanden und kann einfach an die Redaktion übermittelt werden. Für Karlheinz Rieger eine große Erleichterung.

„Den Moment erwischen“

Seine Bilder sprechen für sich: Karlheinz Rieger beweist stets ein gutes Auge. Ihm sei es wichtig, „den Moment zu erwischen“. „Nicht einfach draufdrücken und dann passt das schon. Das ist nicht mein Anspruch. Ich versuche stets, das Besondere im Augenblick einzufangen“, erklärt er seine Vorgehensweise. So habe er auch ein Foto des schmunzelnden Ministerpräsidenten Markus Söder einfangen können. Er war zur Einweihung der neuen Romed-Klinik in Wasserburg. „Bei den Reden war der Herr Ministerpräsident nicht ganz aufmerksam. Als ich dies bemerkte, wollte ich das festhalten und hob die Kamera. Diese Bewegung bemerkte Söder allerdings und schaute entsprechend verschmitzt in die Linse.“

Ein schmunzelnder Markus Söder: Dieses Bild hat Karlheinz Rieger bei der Einweihung der Romed-Klinik in Wasserburg fotografiert.

Bei einem anderen Termin lichtete er den damaligen Gesundheitsminister und jetzigen CSU-Fraktionsvorsitzenden im Bayerischen Landtag, Klaus Holetschek, ab. Hinterher zeigte er ihm das Bild und Holetschek habe „halb entsetzt, halb lachend“ gemeint: „Was? So dick bin ich?“ So habe der Wasserburger über die vielen Jahre hinweg gelernt, dass Politiker „eben auch nur Menschen sind“.

„Was? So dick bin ich?“: Diese Antwort bekam Karlheinz Rieger von Klaus Holetschek (Dritter von links), nachdem er ihm dieses Bild gezeigt hatte.

Auf die Frage, was ihm aus seiner Zeit bei der Wasserburger Zeitung besonders in Erinnerung geblieben ist, muss Karlheinz Rieger einen Moment innehalten. „Ein tödlicher Unfall im Jahr 1992 auf der Umgehungsbrücke auf der B304 in Wasserburg“, sagt er schließlich. „Ein Auto war unter einen Lkw geraten, der Fahrer war sofort tot“, erinnert er sich. „Das war sehr schwierig für mich und auch nichts Alltägliches. Unfallfotografen, wie Georg Barth oder Winfried Eß, gab es damals ja noch nicht.“

Ein weiterer Termin, den er als Fotograf begleitet hat und der ihm nachdrücklich im Gedächtnis geblieben ist, war das OVB-Exklusiv-Interview mit Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. „Eine faszinierende Persönlichkeit“, betont er. Er wollte unbedingt das Charisma und die Ehrwürdigkeit von Charlotte Knobloch auf dem Foto „herüberbringen“.

Charlotte Knobloch, Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, im OVB-Exklusivinterview.

Auch über die langen Sitzungen, die er im oft unterhaltsamen Gemeinderat in Rott (1993/1999) und in Griesstätt – dort ist seit 2016 tätig – verbracht hat, könne er ganze Bücher schreiben.

Doch genau das treibt den 73-Jährigen an: „Die Möglichkeit, Menschen kennenzulernen, denen man sonst nie begegnen würde“, betont er. Zudem sei er „schon immer“ neugierig gewesen, eine wichtige Eigenschaft für einen Zeitungsberichterstatter.

10.000 Beiträge für die Wasserburger Zeitung

2021 hatte Karlheinz Rieger die Möglichkeit, seine Bilder zu archivieren. „Ich saß mehrere Wochen im Rollstuhl, weil ich mir in beiden Beinen fast zeitgleich die Achillessehnen angerissen hatte“, erzählt er. So habe er die Zeit „sinnvoll genutzt“ und eine digitale Sammlung früherer Negative erstellt. Fast 40.000 Fotos in über 1.100 Ordnern befinden sich darin. Rund 5000 Text- und Bild-Beiträge hat er während seiner rund 34 Jahre bei der Wasserburger Zeitung schon veröffentlicht – und ein Ende ist nicht in Sicht, denn ans Aufhören denkt er noch lange nicht: „Das wäre ja ansonsten langweilig“, sagt der Wasserburger lachend.

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