Bernauer als Skipper im Atlantik unterwegs
Karibik statt Chiemsee: Die Geschichte von Severin Ohlert – und wie Sie Ihren Segeltraum erfüllen
Severin Ohlert hat zwar einen Master für Erziehungswissenschaften, segelt aber derzeit auf einem Katamaran von Mallorca nach Kuba über den Atlantik. Der Bernauer erzählt, über welche verschlungenen Wege er zum Skipper wurde – und wie sich Segel-Enthusiasten noch im Dezember mit ihm ihren Karibik-Traum erfüllen können.
Bernau/Kap Verde – Irgendwo im tiefblauen Atlantik zwischen Kap Verde und Martinique ist Skipper Severin Ohlert gerade mit seiner Segel-Crew unterwegs. Statt den dramatischen Ereignisse am Anfang des Trips – wir berichteten über den Piraten-Alarm, Mayday und einen Kriegsschiff-Besuch – sorgen jetzt im schier unendlichen Ozean kleine Zwischenfälle für Aufregung.
„Wir konnten einen circa 70 Zentimeter langen Thunfisch angeln und frisches Carpaccio essen. Außerdem ist ein Vogel bei uns zwischengelandet und war in einer unserer Toiletten“, berichtet Severin Ohlert und schickt einen Smiley mit Schweißtropfen hinterher.
„Ich habe Segeln wirklich gehasst“
Klingt nach einem entspannten Törn auf dem Katamaran, den Ohlert als verantwortlicher Kapitän die gesamte Strecke von Mallorca nach Kuba überführt. Aber wie ist der Bernauer eigentlich zu diesem Traumjob für viele gekommen? Natürlich fällt einem da sofort der nahe Chiemsee als Impulsgeber für den Einstieg ins Segeln ein, aber so einfach war das alles nicht. „Ich habe Segeln gehasst, wirklich gehasst. Meine Eltern wollten mich natürlich mit dem Chiemsee packen – aber wie heißt es so schön: ‚Am Chiemsee gibt es entweder zu viel oder zu wenig Wind.‘“ Als ihn ein Kumpel aber fragte, ob sie gemeinsam einen Motorboot-Schein machen wollen, war Severin Ohlert sofort dabei.
Problem: Einen Tag vor der Prüfung stellten die beiden fest, dass man auf dem Chiemsee gar kein Motorboot fahren darf. Dort sind nur Elektroboote erlaubt, für deren Benutzung es überhaupt keinen Schein braucht. „Dann haben wir zwei Dickschädel aber gesagt: Wir werden schon einen Weg finden. Also sind wir in der Wassersportschule Rosenheim gelandet“, erzählt Ohlert. Dort fiel der junge Mann später als Ausbilder so positiv auf, dass ihn sein Chef fragte, ob er nicht auch Segeln und den Sportküstenschifferschein (SKL) machen wolle. Das ist ein amtlicher Führerschein, mit dem man Yachten mit Motor und unter Segel in Küstengewässern bis zwölf Seemeilen von der Küste führen darf.
Segeln ist ganz anders als im Kino
„Dann bin ich das erste Mal 2014 im Mittelmeer auf so ein Dickschiff gekommen und habe mir gedacht: Aha, Segeln ist ja doch ganz was anderes, als wie man es auf des Kino kennt. Das kann ja richtig Spaß machen“, so Ohlert. Als der Chiemgauer später seinen Master für Erziehungswissenschaften erfolgreich in der Tasche hatte, entschied er sich gegen die logische Karriere im Bildungsbereich: „Ich hatte keine Lust auf Bürojob, habe alles an den Nagel gehängt und habe gesagt, ich gehe jetzt Segeln.“ So wurde der einst verhasste Tanz im Wind zum Vollzeitjob. Seit vier Jahren bildet Ohlert inzwischen als Skipper für eine Segelschule andere Menschen aus. Wenn er nicht gerade als bisheriger Höhepunkt seiner Karriere für eine Privatperson einen Katamaran über den Atlantik in die Karibik überführt.
Wer will in der Karibik mitsegeln?
Damit erfüllt sich für den Bernauer ein Traum, den sicher viele Segel-Fans haben. Wer jetzt ins Träumen kommt, hat sogar die Chance, als Crewmitglied von Ohlert die letzte Etappe von Puerto Rico nach Kuba auf dem Katamran mitzusegeln. „10. Dezember ist Abfahrt, die Ankunft in Cienfuegos auf Kuba ist am 20. Dezember geplant. Vier Plätze sind aktuell noch frei“, erzählt der Bernauer dem OVB. Er beschreibt den Segeltörn in der Karibik als „Mischung zwischen einer Langfahrt, bei der man auch mal die Nacht durchfährt, und Urlaub.“ Entspannen in traumhaften Buchten und Besuche von spannenden Meeresbewohnern (siehe Video) inklusive. Kostenpunkt für den Segeltörn sind 700 Euro.
Und was macht Severin Ohlert, wenn er den Katamaran samt Crew sicher nach Kuba gebracht hat? Er fliegt am 23. Dezember für Weihnachten nach Hause, wo er neben Bernau auch in Traunstein ein Nest hat: „Es ist natürlich immer eine sehr große Hin- und Hergerissenheit zwischen Familie und Freunden zu Hause und der schönen, großen, weiten Welt.“ Klingt danach, als wenn der Segel-Kapitän mitten im Atlantik ein bisschen Heimweh nach dem Chiemgau hat.


