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Weltdiabetestag am 14. November

„Auf den Mars fliegen“? Diese (Sport)-Tipps gibt Tennis-Weltstar Alexander Zverev Diabetikern

Alexander Zverev ist selbst Diabetiker und unterstützt Kinder und Jugendliche mit seiner Stiftung.
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Alexander Zverev ist selbst Diabetiker und unterstützt Kinder und Jugendliche mit seiner Stiftung.

Alexander Zverev wurde Tennis-Olympiasieger und -Weltmeister – obwohl beim ihn schon im Alter von vier Jahren Diabetes Typ 1 diagnostiziert wurde. Mit seiner Alexander-Zverev-Foundation unterstützt er Kinder und Jugendliche. Im OVB-Exklusivgespräch anlässlich des Weltdiabetestags am Freitag (14. November) gibt er den Lesern Tipps, wie man ein normales Leben führen und (Leistungs-)Sport betreiben kann.

Rosenheim/Traunstein – Alexander Zverev schlägt gerade bei den ATP-Finals der besten acht Tennisprofis der Welt in Turin auf. Der Olympiasieger von Tokio träumt von seinem dritten inoffiziellen Weltmeistertitel nach 2018 und 2021. Egal wie die Jagd des Weltranglistendritten ausgeht – am Montag (17. November) steht als Zwischenziel auf dem Weg zu den Daviscup-Finals mit dem deutschen Team ein Termin ganz dick im Kalender. Es ist die Gala seiner Alexander-Zverev-Foundation, bei der Geld für Kinder und Jugendliche mit Diabetes gesammelt werden soll. Genau drei Tage nach dem offiziellen Weltdiabetestag am Freitag (14. November).

Zverev: Leben mit Diabetes seit der Kindheit

Warum das Thema dem 28-Jährigen so wichtig ist? Bei Zverev wurde bereits als kleiner Junge im Alter von vier Jahren Diabetes Typ 1 diagnostiziert. Öffentlich gemacht hat er die Erkrankung erst vor gut drei Jahren – auch weil er anderen zeigen wollte, was man trotz der Einschränkungen erreichen kann. „Der Umgang mit meiner Krankheit gelingt mir sehr gut, was man daran sieht, dass ich auch damit einer der besten Tennisspieler der Welt sein kann. Das Leben mit Diabetes sorgt dafür, dass man früh erwachsen wird und Verantwortung für sein Leben übernehmen muss. Man muss auch darauf achten, wie und wann man sich ernährt. Disziplin ist ein entscheidender Faktor“, sagt Zverev im OVB-Interview.

Die größte Herausforderung sei die ständige Aufmerksamkeit, die Diabetes verlangte – egal ob beim Sport, auf Reisen oder im Alltag: „Der Blutzucker spielt immer mit, und man muss permanent im Hinterkopf haben, wie sich Essen, Schlaf, Stress oder mein Trainingspensum auswirken.“ Der Tennis-Weltstar hat auch einen speziellen Tipp für Hobbysportler parat: „Alles ist möglich, und den individuellen sportlichen Zielen sollten keine Grenzen gesetzt sein. Speziell bei der Diagnose Diabetes Typ 1 ist eine Planung der sportlichen Aktivitäten in puncto Dauer und Intensität jedoch essenziell.“

Tennis-Weltstar Zverev hilft mit seiner Stiftung Kinder und Jugendlichen mit Diabetes.

Zverev macht Eltern und Kindern Mut

Den Eltern von betroffenen Kinder und den Kindern selbst möchte Zverev Mut machen, „dass sie trotz Diabetes alles im Leben erreichen können und sie sich durch nichts und niemanden davon abhalten lassen sollten – egal, ob im Sport, im späteren Berufsleben oder im Alltag.“ Man spürt an diesen Worten, wie wichtig dem baumlangen 1,98-Meter-Mann genau dieser Aspekt ist. Nicht umsonst stehen Kinder und Jugendliche im Mittelpunkt der Unterstützung seiner Stiftung. Vor allem für sie wünscht sich Zverev, der mit Schauspielerin Sophia Thomalla liiert ist, bessere Chancen: „Mittlerweile können wir auf den Mars fliegen – da denke ich, sollten wir auch irgendwann in der Lage sein, Diabetes zu heilen.“

Diabetes Typ 1 und Typ 2 - die Unterschiede

Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) ist ein Überbegriff für verschiedene Erkrankungen des Stoffwechsels. Allen gemeinsam ist, dass sie zu erhöhten Blutzuckerwerten führen, weil die Patientinnen und Patienten einen Mangel am Hormon Insulin haben und/oder die Insulinwirkung vermindert ist.

Typ-1-Diabetes
- wird durch einen absoluten Mangel des Hormons Insulin verursacht, dieser Diabetestyp heißt deshalb auch insulinabhängiger Diabetes mellitus

- wird durch ein absolutes Versagen der Zellen in der Bauchspeicheldrüse, die das Hormon Insulin produzieren, verursacht, beginnt meist im Kindes- und Jugendalter

- ist bisher nicht heilbar, so dass die Patientinnen und Patienten ihr ganzes Leben lang Insulin spritzen müssen.

Typ-2-Diabetes
- entsteht zum einen durch eine verminderte Empfindlichkeit der Körperzellen für Insulin (Insulinresistenz), zum anderen führt eine jahrelange Überproduktion von Insulin zu einer „Erschöpfung“ der insulinproduzierenden Zellen (die Bauchspeicheldrüse kann nicht genügend Insulin für den erhöhten Bedarf liefern)

- beginnt meist schleichend, wurde früher auch als „Altersdiabetes“ bezeichnet, jedoch erkranken in den letzten Jahren auch zunehmend junge Erwachsene, sogar Jugendliche daran. Neben einer erblichen Veranlagung gelten Übergewicht und Bewegungsmangel als die wichtigsten Verursacher eines Typ-2-Diabetes. Aber auch eine unausgewogene (ballaststoffarme, fett- und zuckerreiche) Ernährung und Rauchen begünstigen die Entstehung von Typ-2-Diabetes.

- es stehen verschiedene Therapiebausteine zur Verfügung. Am wichtigsten sind zunächst regelmäßige Bewegung, angepasste Ernährung und ein normales Körpergewicht. Dies verbessert die Empfindlichkeit der Körperzellen für Insulin und kann so den Insulinbedarf senken. Zu Beginn der Therapie wird deshalb immer versucht, mit Allgemeinmaßnahmen, wie konsequente Lebensstiländerungen, auszukommen.
Sind Allgemeinmaßnahmen nicht erfolgreich, stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die zum Beispiel als Tabletten eingenommen werden können. Erst wenn es auch mit diesen Medikamenten nicht gelingt, die Erkrankung in den Griff zu bekommen, muss auch bei Typ-2-Diabetes Insulin gespritzt werden. (Quelle: Bundesgesundheitsministerium)

Diabetes ist in Deutschland eine echte Volkskrankheit: Etwa elf Millionen Menschen leiden unter Diabetes. Der Großteil davon an Typ 2, bis zu 380.000 aber auch unter Typ 1. Davon sind mindestens 35.000 Kinder, jährlich kommen bis zu 4.000 Kinder mit dem gleichen Typ dazu. Diese Zahlen hat Prof. Dr. Jörg Breitenbach, Berater der Alexander-Zverev-Foundation, aus Gesundheitsberichten des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung entnommen. Laut einer neuen Studie des Robert-Koch-Instituts wird die Gesamtzahl der Diabetes-Erkrankungen zudem weiter steigen. Um den rasanten Anstieg zu stoppen, seien laut Breitenbach vor allem präventive Maßnahmen wichtig.

Auch die KI hilft beim Kampf gegen Diabetes

Digitalen Innovationen haben inzwischen auch in der Diabetes Technologie-Einzug gehalten haben. Die meisten Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2 Diabetes benutzen zur Insulingabe einen Insulin-Pen. „Auch bei der automatisierten Insulindosierung (AID) also Systemen, die aus einem Kontrolleur-System und einer Insulinpumpe und einem Algorithmus zur Steuerung bestehen, gibt es große Fortschritte. Auch die KI hat Einzug gefunden: Apps und Plattformen die auf KI basieren analysieren Glukosemuster, Ernährung, Aktivität und Schlaf können inzwischen personalisierte Empfehlungen liefern“, sagt Breitenbach dem OVB.
Bei Insulin gäbe es ebenfalls Fortschritte durch neu entwickelte ultraschnelle Insuline. Zudem werde auch an „intelligentem Insulin“ geforscht, das seine Wirkung abhängig vom aktuellen Blutzuckerspiegel entfaltet.

Prof. Dr. Jörg Breitenbach, Berater der Alexander-Zverev-Foundation.

Bis zur Heilung von Erkrankten mit der Diagnose Diabetes Typ 1 ist es jedoch noch ein weiter Weg – aber den Kopf in den Sand stecken sollte deshalvb kein Betroffener. „Ich glaube nicht, dass Typ 1-Diabetes ein Hindernis für eine Karriere im Sport oder Leistungssport ist. Im Gegenteil sowohl Menschen mit Typ 1 als auch solche mit Type 2 profitieren von Sport. Durch regelmäßigen Sport verbessert sich der Stoffwechsel und das Risiko von Folgeerkrankungen von Diabetes sinkt“, sagt Breitenbach. Prominente Beispiele für eine Karriere im Sport trotz Diabetes seien Gewichtheber-Olympiasieger Matthias Steiner, die Fußballerin Sandra Starke, Hockey-Nationalspieler Timor Oruz oder eben Alexander Zverev: „Man sollte sie nicht als Ausnahmen sehen, sondern vielmehr als Beispiele dafür, was im Leben möglich ist.“

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