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Wie es jetzt weitergeht

Versorgungslücke im Rosenheimer Norden: Rewe-Schließung sorgt für Unsicherheit – Lösung in Sicht?

Der Rewe-Markt an der Ebersberger Straße 107 schließt am Samstag, 27. September, für immer seine Türen.
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Der Rewe-Markt an der Ebersberger Straße 107 hat seit einigen Tagen geschlossen.

Nach der Schließung des Rewe-Marktes an der Ebersberger Straße gibt es im Rosenheimer Norden eine Versorgungslücke. Für viele Senioren ist der Weg zum nächsten Nahversorger zu weit. Ein neues Nahversorgungszentrum könnte Abhilfe schaffen. Doch die Planungen stocken – und das schon seit Jahren.

Rosenheim – Die Sorge im Rosenheimer Norden ist groß. Zumindest bei denjenigen, die kein Auto haben und nicht mehr gut zu Fuß unterwegs sind. Denn seit der Schließung des Rewe-Marktes an der Ebersberger Straße fehlt vielen eine wohnortnahe Einkaufsmöglichkeit.

„Die Schließung des Rewe-Marktes ist ein echtes Problem für viele Menschen im Rosenheimer Norden“, bestätigt Abuzar Erdogan, Fraktionsvorsitzender der SPD. Besonders für die Stadtteile Langenpfunzen, Am Mitterfeld und Westerndorf St. Peter war der Markt ihm zufolge eine wichtige Anlaufstelle für den täglichen Einkauf.

Spürbare Lücke in der Nahversorgung

Größere Einkäufe würden die meisten zwar ohnehin im Aicherpark erledigen, der Rewe-Markt sei aber gerade für ältere Menschen und diejenigen, die nicht so mobil sind, eine gute Alternative gewesen. „Jetzt fehlt dort ein Laden, den man zu Fuß oder mit dem Rad schnell erreichen konnte. Das ist eine spürbare Lücke in der Nahversorgung“, fügt Erdogan hinzu.

Relativ überraschend wurde Ende September bekannt gegeben, dass der Rewe-Markt an der Ebersberger Straße 107 schließt. Zu den Gründen wollte sich eine Sprecherin des Unternehmens nicht äußern. Gerüchten zufolge soll der Markt jedoch nicht besonders umsatzstark gewesen sein. Eben, weil dort eher in kleinen Mengen eingekauft wurde.

Noch in diesem Jahr soll an gleicher Stelle der Getränkefachmarkt Anderl eröffnen. Die Versorgungslücke wird dadurch jedoch nicht gestopft. „Es fehlt ein konkretes Ersatzangebot in einem ähnlichen Radius und mit vergleichbarem Sortiment. Der Ersatz durch einen Getränkemarkt deckt nicht alle Bedürfnisse ab“, sagt Grünen-Stadträtin Anna Rutz.

Fahrt durch komplette Stadt notwendig

Das unterstreicht auch Dr. Wolfgang Bergmüller, Fraktionsvorsitzender der CSU. „Schon vor der Schließung des Rewe-Marktes war der Rosenheimer Norden nicht ausreichend mit Einkaufsmöglichkeiten, wie einem modernen Discounter, einem Drogeriemarkt und einem großflächigen Vollsortimenter ausgestattet“, sagt er auf OVB-Anfrage. Die Menschen mussten ihm zufolge oftmals durch die ganze Stadt fahren, um ihren Wocheneinkauf erledigen zu können.

Zwar gebe es auch nach der Schließung die Möglichkeiten, den Nahkauf in der Austraße oder den Rewe-Markt in der Hofmillerstraße aufzusuchen, trotzdem braucht es auf lange Sicht eine andere Lösung. Und genau die gibt es. Zumindest in der Theorie. Denn bereits vor 15 Jahren entstand die Idee, im Rosenheimer Norden ein Nahversorgungszentrum zu errichten.

Die Grafik zeigt, eine erste Vorstellung wie der Westerndorf Park im Rosenheimer Norden aussehen könnte. Geplant sind neben einem großflächigen Einzelhandel auch Gewerbe, Wohneinheiten und ein Altenheim.

„Der Rosenheimer Norden ist der bevölkerungsstärkste Stadtteil, wird aber am schwächsten versorgt“, sagt der Entwickler. Der Rosenheimer - der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte - tüftelt deshalb seit über 25 Jahren an den Plänen. Statt sich auf ein reines Nahversorgungszentrum zu fokussieren, hat er die Pläne mittlerweile angepasst. Entstanden ist die Idee eines sogenannten „Westerndorf-Parks“.

Kita, Pflegeschule oder Parkanlage?

Neben einem Vollsortimenter könnte – so jedenfalls die Idee des Entwicklers – im Rosenheimer Norden auch ein Kindergarten, eine Parkanlage, kleinere Wohneinheiten für Romed-Mitarbeiter sowie eine Pflegeschule entstehen. „Das geplante Angebot im Westerndorf-Park würde die Situation im Norden natürlich verbessern. Das dort geplante, über den reinen Lebensmittelhandel hinausgehende Angebot wird dringend benötigt“, sagt Robert Multrus, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler/UP.

Zustimmung erhält er von Wolfgang Bergmüller. „Es braucht ein solches Projekt“, sagt er auf OVB-Anfrage. Schon seit Jahren würde seine Fraktion die Pläne für ein Nahversorgungszentrum im Rosenheimer Norden unterstützen. Bleibt die Frage, was aus den Plänen geworden ist.

Demokratische Beschlüsse nicht umgesetzt

„Der Stadtrat hat hierzu bereits vor über 15 Jahren eine Entwicklung beschlossen, diese wurde auch in der aktuellen Legislaturperiode mehrfach bestätigt. Warum diese demokratischen Beschlüsse nicht umgesetzt werden, kann nur die Verwaltung beantworten“, kritisiert SPD-Chef Erdogan.

Und genau das tut sie auch. So wurden Gutachten in Auftrag gegeben, die erstellt und ausgewertet werden mussten. „Nach einer ersten frühzeitigen Beteiligung der Behörden und sonstiger Träger öffentlicher Belange sowie der Öffentlichkeit vom 29. August bis zum 2. Oktober 2024 werden aktuell ihre Ergebnisse geprüft“, erklärt Christian Baab, Pressesprecher der Stadt Rosenheim. Diese sollten bis Ende 2025 vorliegen.

Beschlüsse schon vor Jahren gefasst

Im Anschluss werden diese Ergebnisse und auch die in Auftrag gegebenen Gutachten in das Verfahren eingearbeitet. Dann erfolgt eine neuerliche Beteiligung der Öffentlichkeit. „Es wird Zeit, dass es endlich losgeht“, sagt der Rosenheimer Entwickler. Dieser Meinung ist auch Robert Multrus, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler/UP. „Entsprechende Beschlüsse des Stadtrats gibt es bereits seit Jahren. Sie wurden von der Verwaltung nur nicht umgesetzt“, kritisiert er.

Zwar gibt es ihm zufolge im Rosenheimer Norden keine Versorgungslücke, trotzdem würde sich die Situation durch den Westerndorf-Park verbessern. „Wir hoffen auf eine möglichst rasche Realisierung des Nahversorgungszentrums an der Marienberger Straße, damit die Bürger im Rosenheimer Norden eine zeitgemäße und ausreichende Einkaufsmöglichkeit bekommen“, fügt CSU-Fraktionsvorsitzender Bergmüller hinzu.

Interessen der Bürger berücksichtigen

Etwas zurückhaltender bei dem Thema sind die Rosenheimer Grünen. „Wir können uns grundsätzlich eine Entwicklung im Rosenheimer Norden vorstellen, allerdings muss es so geplant und gestaltet sein, dass auch die Interessen der Bürger und nicht nur die der Investoren berücksichtigt werden“, sagt Anna Rutz. Laut der Stadträtin braucht es ein „intelligentes Zusammenspiel verschiedener kleiner und großer Lösungen“. Von der AfD lag bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme vor.

Das sagt Oberbürgermeister Andreas März:

„Im Rosenheimer Norden besteht eine Lücke in der Nahversorgung, die geschlossen werden muss. Aber wir wollen das ganzheitlich angehen. Darum sieht die Planung neben einer Nahversorgung auch neues Wohnen bei der Hochschule und eine verbesserte Verkehrsinfrastruktur rund um die Marienberger Straße vor. Die bisherigen Planungen waren teils überholt, sodass wir jetzt mit der Aufstellung des neuen Bebauungsplans auf einem guten Weg sind, auch wenn dafür mehr Zeit nötig war. Ein Schnellschuss wäre zudem der falsche Weg: Der Norden muss zielgerichtet, bedarfsorientiert und sozialverträglich entwickelt werden. Eine Nahversorgung im Norden bedeutet außerdem nicht nur kürzere Wege für die Bewohner, sondern auch eine Reduzierung der Verkehre durch die Stadt, was wiederum zu weniger Emissionsbelastung und zu mehr Verkehrssicherheit in Rosenheim führt.“

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