Ehrenamt beim Kinderhospizdienst
Nach dem Tod von Papa Hamdi: Wie Anja Bichlmaier aus Rosenheim Iba (8) zur Seite stand
Für Familien da sein, in denen ein Kind oder Elternteil schwer erkrankt ist. Eine enorm schwere Aufgabe, und dennoch sagt Anja Bichlmaier: „Die Freude überwiegt“. Wie sie für eine Familie aus Bruckmühl nach dem Krebs-Tod des Vaters zur helfenden Hand wurde.
Rosenheim – „Dieses Ehrenamt macht unglaublich viel Freude“, sagt Anja Bichlmaier mit einem Strahlen im Gesicht. Dass sie diesen Satz von Herzen so meint, sieht man ihr sofort an. Und dennoch überrascht die Aussage zunächst. Denn Bichlmaier ist als Familienbegleiterin für den ambulanten Kinderhospizdienst in Rosenheim im Einsatz. Heißt konkret: Sie unterstützt Familien mit einem schwerst- oder lebensbedrohlich erkranktem Kind oder Elternteil. Und trotz dieser belastenden Situation, in der sich die Familien befinden, sagt Bichlmaier über ihre Arbeit: „Es ist nicht belastend. Die Freude überwiegt.“
Arbeit im Kinderhospizdienst: „Momente, die vieles aufwiegen“
Und je mehr Bichlmaier von ihren „Einsätzen“ erzählt, desto deutlicher wird, wieso sie so empfindet. „Bei Kindern bedeutet Hospiz immer Herberge. Ab der Diagnosestellung sind wir für die Kinder da. Hospiz wird viel zu oft nur mit dem Tod in Verbindung gebracht, dabei ist es viel mehr“, erklärt sie. Sie verbringt Zeit mit den Kindern, spielt, macht Ausflüge – aber sie spricht auch über Themen wie den Tod. Und ist oftmals auch von der Sichtweise der Kinder überrascht. Davon, wie sie mit dem Tod umgehen.
„Wenn man merkt, dass sich das Kind öffnet, dass es auf einen zugelaufen kommt, oder sagt ‚Mensch, endlich ist heute wieder Mittwoch. Endlich bist du da.‘ Das sind Momente, die wirklich vieles aufwiegen“, erzählt Bichlmaier. Aber auch wenn es zu Momenten kommt, die auch für sie schwer sind, ist sie in ihrem Ehrenamt nicht alleine. Bevor man als Familienbegleitung eingesetzt wird, absolviert man eine Art „Ausbildung“ in der den Ehrenamtlern die wichtigsten Dinge mitgegeben werden. Seien es juristische oder psychologische. „Man wird sehr gut vorbereitet“, bestätigt Bichlmaier. Und im Notfall habe man immer entsprechende Telefonnummern zur Hand.
Erster Einsatz bei Familie in Bruckmühl: „Sie haben es mir sehr leicht gemacht“
Insgesamt vier Jahre lang hat Anja Bichlmaier ihre erste Familie betreut. „Sie haben es mir wirklich sehr leicht gemacht. Da waren nie Berührungsängste“, sagt sie über ihren ersten Einsatz bei der Familie um Papa Hamdi, der an Krebs erkrankt war. Im Fokus der Treffen stand für Bichlmaier die jüngste Tochter der Familie aus Bruckmühl, die damals achtjährige Iba. „Ibas Papa war wirklich sehr tapfer. Zwei Jahre lang war es immer ein Auf und Ab“, erzählt sie. Jeden Mittwochnachmittag war dann Iba-Zeit. 2023 verstarb Hamdi nach schwerem Kampf gegen seine Krankheit. Zu diesem Zeitpunkt bestand bereits eine enge Verbindung zwischen Bichlmaier und der ganzen Familie.
Auch nach dem Tod des Vaters besuchte Bichlmaier Iba, ihre Mama und Namensvetterin Iba, sowie die anderen Töchter jeden Mittwoch. „Man betreut die Familien weiter, bis man wirklich das Gefühl hat, ‚Jetzt passt es. Die machen jetzt ihr Ding‘“, erklärt sie. „Und das kann direkt nach der Beerdigung sein, oder Jahre später. Bei Iba habe ich selbst irgendwann gemerkt, dass hier meine Arbeit getan ist.“ Das Ehrenamt als Familienbegleitung ist aber auch eine Gratwanderung: Einerseits muss man Distanz wahren, andererseits trotzdem herzlich sein. „Man ist quasi die helfende Hand von außen für eine Familie, die immer noch in sich geschlossen ist“, sagt Bichlmaier.
Familienbegleiter dringend gesucht
Die Familienbegleitung ist sicher nicht das leichteste Ehrenamt. Doch so wie Anja Bichlmaier berichtet, wiegt jeder schöne Moment mit den Kindern die herausfordernden Situationen auf. „Ich denke wirklich oft daran, wie viel Freude die Kinder einem geben“, sagt Bichlmaier. Sie würde sich wünschen, dass sich mehr Menschen für dieses Ehrenamt begeistern könnten. Denn Familienbegleiter werden händeringend gesucht.
„Es wäre toll, wenn sich mehr jüngere Menschen für dieses Ehrenamt interessieren würden. Wenn zum Beispiel ein junger Mann mal mit den Kindern Fußball spielen kann“, sagt Bichlmaier. Sie lenkt aber auch ein und sagt: „Grundsätzlich kommt es nicht aufs Alter an. Ich denke, jeder, der sich schonmal grundsätzlich dafür interessiert, ist auch geeignet.“
Infoabend für Interessierte am 20. Mai 2025
Wer sich wie Anja in einer betroffenen Familie engagieren möchte, ist herzlich eingeladen zum Informationsabend am Dienstag, 20. Mai 2025 um 18 Uhr, im Zentrum Südostoberbayern, Landwehrstraße 3 in Rosenheim. Hier geben Mitarbeitende des Kinderhospizes Einblick in ihre Arbeit, den Ablauf der Ehrenamtsschulung und die Möglichkeiten eines Familieneinsatzes. Für Rückfragen rund um das Ehrenamt und zur Schulung oder zum Infoabend steht Christina Schultz als Ansprechpartnerin zur Verfügung: christina.schultz@kinderhospiz-muenchen.de, Tel.: +49 176 1234 6699. Weitere Infos finden Sie auch unter www.kinderhospiz-muenchen.de/ehrenamt/.