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Verkauf von teuren Haushaltswaren

Schwindel oder Missverständnis? Fragwürdiger Anruf bei Rosenheimerin (69) – Fieser Betrug vermutet

Übers Telefon sollte eine Rosenheimerin (69) Haushaltswaren für hohe Preise von einer Blindenwerkstatt kaufen - sie vermutet einen Betrug dahinter.
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Übers Telefon sollte eine Rosenheimerin (69) Haushaltswaren für hohe Preise von einer Blindenwerkstatt kaufen - sie vermutet einen Betrug dahinter.

Fiese Masche oder doch nur ein Missverständnis? In Rosenheim soll es eine neue Betrugsmasche geben. Dabei werden Menschen über das Telefon aufgefordert, blinde und sehbehinderte Menschen zu unterstützen. Doch ganz so klar scheint die Sache nicht zu sein. Was dahinter steckt.

Rosenheim – An dieses Telefonat wird sich die Rosenheimerin (69) wohl noch länger erinnern. Als am 26. Februar in der Früh das Telefon klingelte, habe sich Frau, die lieber anonym bleiben möchte, noch nicht viel dabei gedacht. Auch in den ersten Minuten des Gesprächs habe sie keinen Verdacht geschöpft. „Ich habe das am Anfang schon geglaubt“, sagt die Rosenheimerin. Am anderen Ende der Leitung sei ein Mann gewesen, der angab, ein Mitarbeiter der Blindenwerkstätte Rosenheim zu sein. Was dann folgte, kam der Frau allerdings seltsam vor.

Teure Haushaltswaren am Telefon angeboten

Freundlich habe der Mann ihr erzählt, dass die Auftragslage der Blindenwerkstatt gerade sehr schlecht ist und das Geschäft so schlecht laufe. Die 69-Jährige könne nun dabei helfen, dass sich das wieder ändert. Sie müsse ihnen nur einen selbstgemachten Besen abkaufen. „Allerdings für 79 Euro“, sagt die Rosenheimerin. Auf ihre Nachfrage, dass das für einen Besen aber sehr teuer sei, habe der Mann geantwortet: „Wenn sie den kaufen, dann haben der Josef und der Hansi aber wieder für eine Woche Arbeit.“

Die Rosenheimerin habe daraufhin um Bedenkzeit gebeten und aufgelegt. „Ich hätte zwar sowieso nichts gekauft, aber mein Mann und ich wollten uns das nochmal genauer anschauen“, sagt die Frau. Schließlich klang der Anrufer überzeugend, auch im Hintergrund seien Geräusche gewesen, die aus einer Werkstatt stammen könnten. Obwohl sich der Mann in den folgenden Tagen nochmal gemeldet habe, informierte sie die Polizei nicht. Dennoch vermuten sie und ihr Mann dahinter eine Betrugsmasche, die es gezielt auf ältere Menschen absieht.

Masche mit Blindenwerkstatt noch nicht polizeibekannt

Bei der Polizei ist diese „Masche“ bislang nicht bekannt, sagt Michael Spessa, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, auf OVB-Anfrage. Anrufe von Blindenwerkstätten seien nicht polizeibekannt. Er sagt aber: Bei Betrugsmaschen übers Telefon gibt es „fast nichts, was es nicht gibt“. Daher könne er es auch nicht ausschließen, dass hinter dem Anruf eine betrügerische Absicht gesteckt hat.

Beim Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund (BBSB) sind solche Anrufe hingegen durchaus bekannt. Und das bereits seit mehreren Jahren. „Wir erhalten von unseren Mitgliedern immer wieder Meldungen, dass sich jemand als Mitarbeiter einer Blindenwerkstatt ausgibt“, sagt Brigitte Lindmeier, Bezirksgruppenleiterin des BBSB Oberbayern-Rosenheim. Sie habe selbst erst vor wenigen Wochen einen ähnlichen Anruf bekommen. Ihre Anruferin habe aber schnell wieder aufgelegt, als sich Lindmeier als Angestellte des BBSB zu erkennen gab, sagt die Bezirksgruppenleiterin und lacht.

Anrufe seit Jahren keine Seltenheit

Teilweise gingen die Anrufer aber auch sehr aggressiv vor, sagt sie. Dabei versuchen sie, den Menschen am Telefon Haushaltsgegenstände wie Geschirrtücher, Putzlappen oder auch Besen zu verkaufen. Teilweise sogar mit Abo-Modellen. „Da heißt es, dass es sich um hochwertige Ware handelt, weil es in Handarbeit von Blinden gefertigt wurde“, erklärt Lindmeier. In Wahrheit seien die Waren jedoch billig eingekauft. „Und dann versuchen sie das teuer zu verschachern“. Dazu werde dann immer noch erzählt, dass der Kauf blinde Menschen unterstütze und die Werkstätten deshalb nicht aufgelöst werden müssen. „Die versuchen, dass über Mitgefühl die Sachen bestellt werden“, sagt Lindmeier.

Hinter den Anrufen stecken der Bezirksgruppenleiterin zudem auch keine anerkannten Werkstätten. Zwar gebe es auch von einem Bundesverband staatlich anerkannte Blindenwerkstätten, „die dürfen aber keine solchen Anrufe tätigen“, sagt die Bezirksgruppenleiterin. Geschweige denn Sachen übers Telefon verkaufen. „Das ist unseriös“, kritisiert Lindmeier. Sie ist sich sicher, dass keine der Werkstätten aktiv auf Leute über das Telefon zugeht.

Keine Blindenwerkstatt in Rosenheim

Ob auch der Anruf bei der Rosenheimerin und ihrem Mann ein Betrugsversuch oder doch nur ein Missverständnis war, ließ sich bis jetzt nicht klären. Denn obwohl der Anrufer auch eine Internetseite einer Blindenwerkstatt (Name liegt der Redaktion vor) angab, blieben dort telefonische sowie schriftliche Anfragen unbeantwortet. Lindmeier allerdings zweifelt daran, dass es sich bei dem Anrufer tatsächlich um ein Mitglied einer anerkannten Werkstatt gehandelt hat. Eher habe dieser die Internetseite einfach angegeben. Denn: „In Rosenheim oder der Region gibt es gar keine ‚Blindenwerkstätte Rosenheim‘“, betont Lindmeier.

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