In der Vorweihnachtszeit
Rosenheimer Adventsbus wird eingestampft: Die Gründe – Wer einen jetzt zum Glühwein bringt
Es ist schon zur Tradition geworden: An den vier Adventssamstagen hatten Rosenheimer die Möglichkeit, kostenlos mit dem Bus zu fahren, um ihren Weihnachtseinkauf zu erledigen. Dieses Angebot wird es heuer nicht mehr geben. Stattdessen gibt es zwei Shuttle-Busse. Warum das nicht jedem gefällt.
Rosenheim – Horst Locher hat in seinem Leben schon etliche Petitionen gestartet. Vor acht Monaten sammelte er Unterschriften, um die Planungen rund um die Surfwelle zu stoppen. Im Januar kritisierte er die zahlreichen Ausfälle im Rosenheimer Stadtverkehr und forderte eine Verbesserung. Vor einigen Tagen machte er auf ein neues Problem aufmerksam. So wird der Adventsbus in diesem Jahr durch zwei Shuttle-Busse ersetzt. Das hatte das Citymanagement in einer Pressemitteilung bekannt gegeben.
Start im Jahr 2016
Für Horst Locher ist diese Entscheidung ein Unding. „Ohne den Adventsbus verlieren viele Menschen, insbesondere ältere Bürger und jene ohne eigenes Auto, den einfachen Zugang zu den weihnachtlichen Feierlichkeiten“, schreibt er in seiner Petition. Der Rosenheimer Adventsbus startete erstmals im Jahr 2016 und erfreute sich großer Beliebtheit. Nach mehreren Unterbrechungen – unter anderem aufgrund der Corona-Pandemie und des Ein-Euro-Tickets – kam der Adventsbus im vergangenen Jahr zurück. Er fuhr von 10.05 bis 19.28 Uhr – durchgängig alle 30 Minuten.
Kostenlos mit dem Bus unterwegs
Alle Fahrgäste in Rosenheim und Kolbermoor hatten die Möglichkeit, an den vier Adventssamstagen kostenlos mit dem Bus zu fahren. Zudem wurde während dieser Zeit eine kostenlose Einkaufsshuttle-Ringlinie zwischen Weko, Stadtmitte, Bahnhof und dem Aicherpark eingerichtet.
Kosten von 25.000 Euro nicht stemmbar
Ein Angebot in dieser Form wird es in diesem Jahr nicht mehr geben. „Die Kosten in Höhe von 25.000 Euro für den kompletten Innenstadtverkehr sind einfach nicht mehr abbildbar gewesen“, sagt Kathrin Schrubar, Geschäftsführerin des Citymanagements. Der Verein hat gemeinsam mit anderen Betrieben und Verbänden das Angebot in den vergangenen Jahren finanziell unterstützt. Doch heuer fehlt das Geld.
„Uns war es trotzdem wichtig, etwas zu machen, das den Einzelhandel unterstützt“, sagt Schrubar. Ziel sei es, die Rosenheimer in die Stadt zu locken – sei es, um über den Christkindlmarkt zu schlendern oder Weihnachtsgeschenke einzukaufen. Gemeinsam mit der Rosenheimer Verkehrsgesellschaft ist so die Idee entstanden, zwei Shuttle-Busse anzubieten.
Die Busse fahren an den vier Adventssamstagen im 30-Minuten-Takt zwischen 10 und 18 Uhr. Von der Stadtmitte geht es über den Bahnhof, Weko, Aicherpark, den Parkplatz der Technischen Hochschule, die Loretowiese und das Parkhaus P9 am Romed-Klinikum – und wieder zurück. Außerdem werden alle auf der Linie liegenden innerstädtischen Haltestellen ebenfalls angefahren.
Park-and-Ride-Angebot geschaffen
„Damit haben wir ein echtes Park-and-Ride-Angebot geschaffen“, sagt die Citymanagerin. Interessierte hätten beispielsweise die Möglichkeit, ihr Auto auf dem Parkplatz an der Technischen Hochschule abzustellen und mit dem Bus in die Innenstadt zu fahren. „In den Bussen werden wir ein bisschen Musik spielen, zudem wird es eine Tombola geben“, sagt Kathrin Schrubar.
Alle Fahrgäste bekommen beim Einsteigen ein Los und haben damit die Gewinnchance auf über 2.400 Sachpreise, Rabatte, Einkaufsgutscheine oder Überraschungspakete, beigesteuert von den Rosenheimer Einzelhändlern und Verbänden. Jeden Samstag winkt außerdem ein Hauptgewinn im Wert von rund 100 Euro.
Schwacher Trost für die SPD
Für die Rosenheimer SPD ist das jedoch nur ein schwacher Trost. „Der Adventsbus hat Tradition, entlastet den Verkehr und stärkt den Handel. Wir wollen, dass das so bleibt“, sagt Fraktionsvorsitzender Abuzar Erdogan. Er erinnert daran, dass der Adventsbus in den vergangenen Jahren „zuverlässig tausende Menschen sicher und bequem in die Innenstadt gebracht hat“.
Kritik an Reduktion des Angebots
Die Innenstadt-Ringlinie würde für Fahrgäste aus den Stadtteilen bedeuten, dass sie zukünftig keinen direkten Adventsbus mehr erhalten, sondern zunächst den regulären Buspreis zahlen müssen. „Erst in der Innenstadt steigen sie in zwei Ringbuslinien um, die im 30-Minuten-Takt verkehren und kostenlos sind“, ergänzt Erdogan. Diese Reduktion des Angebots wollen weder er noch seine Fraktionskollegen so mittragen.
Stärkung der Innenstadt als Einkaufsstandort
Aus diesem Grund fordert die SPD die Verwaltung in einem Eilantrag auf, dass der Adventsbus die bisher gewohnten Routen fährt und nicht auf eine Ringlinie begrenzt ist. Außerdem soll das Angebot im gesamten Zeitraum kostenlos für alle nutzbar sein. „Das ist entscheidend, um möglichst viele Menschen zum Umstieg auf den Bus zu bewegen“, so Erdogan. Das würde nicht nur zu einer Entlastung der Straßen, sondern auch zu einer Stärkung der Rosenheimer Innenstadt als Einkaufsstandort führen.
Ein gut beworbenes, kostenfreies Busangebot bringt echte Entlastung
„Gerade an den Adventssamstagen ist unsere Stadt ohnehin stark ausgelastet. Ein gut beworbenes, kostenfreies Busangebot bringt echte Entlastung – für den Verkehr, für die Umwelt und für alle, die zum Advents-Shopping in die Stadt wollen“, ergänzt Erdogan. Möglicherweise könnte der Antrag bereits am Mittwoch, 19. November, in der Sitzung des Stadtrats besprochen werden. Beginn ist um 17 Uhr.
„Natürlich würden wir es toll finden, wenn wir es irgendwie hinbekommen, dass alle kostenlos Bus fahren können“, sagt Citymanagerin Kathrin Schrubar. Derzeit sei das aber aufgrund der Finanzierung einfach nicht möglich. Stattdessen liege der Fokus darauf, den Einzelhandel zu unterstützen und für weniger Verkehr in der Innenstadt zu sorgen.