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Blicks ins OVB-Zeitungsarchiv

Ein „frommer Kobold“: Rabe „Jackl“ sorgte einst in Eiselfing und Wasserburg für Freude

Links: Der Beitrag über „Jackl“ in Eiselfing in der Ausgabe des Oberbayerischen Volksblatts (OVB) vom 8. November 1985. Rechts: Das Foto von Jackl, das Karlheinz Rieger uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.
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Links: Der Beitrag über „Jackl“ in Eiselfing in der Ausgabe des Oberbayerischen Volksblatts (OVB) vom 8. November 1985. Rechts: Das Foto von Jackl, das Karlheinz Rieger uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Vor 40 Jahren, im Sommer 1985 sorgte der zahme Rabe „Jackl“ in Eiselfing und Wasserburg für viel Freude. Wir blicken darauf zurück.

Eiselfing/Wasserburg - „Ein schwarzer ‚Kobold‘ treibt gegenwärtig in Eiselfing sein Wesen“, berichteten das Oberbayerische Volksblatt (OVB) in der Ausgabe vom 15. Mai 1985, „Es ist der zahme Rabe ‚Jackl‘, der seinem Herrn in Englstetten davonflog. (...) Ob bei den Kleinen im Eiselfinger Kindergarten oder bei den Sportlern auf dem Fußballplatz, „Jackl“ ist überall mit dabei und spielt mit. Selbst im Wasserburger ‚Badria‘ wurde er schon gesichtet“. „Futterquellen“ habe er sich rund um die Eiselfinger Kirche bereits gesichert. „Und wenn’s erforderlich scheint, dann klopft er auch energisch an die Fenster, um sein ‚Soll‘ einzufordern. (...) Oft tratzt er natürlich auch die Leute. Er ‚landet‘ auf ihren Köpfen, rupft Blumen ab oder verzieht die Weihwassersprenger auf dem örtlichen Friedhof.

„Ein Bild, das 1985 von mir vom damalig sehr zutraulichen Jackl während einer Sportstunde aufgenommen wurde. Im Hintergrund das damalige Eiselfinger Schulgebäude“, schreibt uns Karlheinz Rieger zu dieser Aufnahme.

„Da er aber bisweilen auch seinen Durst am Weihwasser löscht, ist er, so Eiselfings Pfarrer Obermaier, ‚eine fromme Kräh‘. Ihm ist Jackl übrigens auch besonders zugetan.“ Der Gottesdiener habe „Jackl“ bereits einmal eingefangen und seinem Herrn zurückgebracht. „Als er jedoch am nächsten Tag wieder im Pfarrhaus auftauchte, war klar, was dies und sein Protestgeschrei beim Einfangen bedeutete: ‚I mog net hoam, i mog dableib’n!‘ Der Pfarrer verkündete dann auch von der Kanzel der Eiselfinger Kirche: ‚Also lassen wir ihn halt mit uns leben‘. Dies ist auch ganz im Sinn der großen und kleinen Freunde des lustigen und bisweilen auch frechen ‚Jackl‘.“

Vom Badria zurück nach Eiselfing

Zum Jahresende gab es dann noch einmal Neuigkeiten von dem gefiederten Frechdachs. „Von seiner ‚Sommerresidenz‘ im Badria ist zur Freude der Eiselfinger der Jackl, die sprechende und lachende Rabenkrähe, wieder heimgekehrt“, konnte die Zeitung am 8. November 1985 mitteilen. „Der Vogel, der sich selbst, wie früher bereits berichtet, in der Gemeinde Eiselfing ‚ansässig‘ gemacht hat, ist trotz oder gerade wegen seiner Streiche allgemein beliebt. Während der warmen Jahreszeit hatte er den Badria-Besuchern viel Spaß bereitet. Einmal wurde der Jackl sogar beobachtet, wie er sich eine neben dem Schulranzen eines Kindes liegende Plastikhülle mit einer Punktekarte schnappte und dann auf diesem „Gleituntersatz“ immer wieder eine Erhöhung hinunterrutschte.

„Der offenbar sportlich interessierte Rabenvögel fühlt sich auch auf dem Eiseilfinger Fußballplatz wohl — nur auswärtige Spieler wundern sich noch über ihn. Kürzlich bekam der Jackl von einem Gast-Schiedsrichter zum allgemeinen Gaudium die ‚rote Karte‘ gezeigt. Längst ist im Übrigen der Jackl zum Sprachrohr von Eiselfings Pfarrer Alois Obermaier geworden, der sozusagen durch den Schnabel des Tieres seinen Pfarrkindem auf humorvolle Art in den Pfarrbriefen manche Anliegen nahebringen lässt“, so der Bericht weiter und schließt: „Jetzt, in den Tagen um Allerheiligen, gab sich der Jackl recht ‚fromm‘. Da er gerne unter vielen Menschen ist, leistete er den Friedhofsbesuchem Gesellschaft und stillte seinen Durst an den Weihwasserbehältern.“

Alle Blicke ins Zeitungsarchiv auf der Themenseite:

Alle bisher erschienen Artikel aus der jeden Samstag um 15 Uhr erscheinenden Reihe „Aus dem OVB-Zeitungsarchiv“ findet Ihr ab sofort auf dieser Themenseite. Aber auch diverse zusätzliche Artikel über spektakuläre Kriminalfälle, bekannte Persönlichkeiten der jüngeren Zeitgeschichte sowie andere bedeutende Ereignisse, nacherzählt an Hand von alten Zeitungsartikeln.

Leider verliert sich danach die Spur des Raben. „Zu dem Jackl weiß ich nur noch, dass er ziemlich frech war und auch nicht vor den Papierkörben am Schulhof Halt machte. Er war jedenfalls allseits auch bei den auswärtigen Schülern ob seines zutraulichen Verhaltens bekannt“, berichtet uns Karlheinz Rieger, der pensionierte Leiter der Schule in Eiselfing. In der Zeitung von vor 40 Jahren findet sich übrigens noch eine andere kuriose Tier-Geschichte: In Wasserburg diente im August 1985 ein Skorpion als Schmuckwächter in einem Juwelierladen.

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