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Spektakuläres Projekt in Hager-Grundschule

Was für ein Zirkus in Prien: Keine Hausaufgaben und Selbstvertrauen fürs ganze Leben

Ein Zirkuszelt steht auf dem Schulhof der Franziska-Hager-Grundschule in Prien, geübt wird auch in der Aula der Schule.
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Auf dem Schulhof steht ein Zirkuszelt und in der Aula wird für die Aufführung geübt: Eine besondere Schulwoche erleben die 285 Grundschulkinder der Franziska-Hager-Schule in Prien. Die Idee kam von Leonie von Bomhard, 2. Vorsitzende des Elternbeirats.

Es ist eine besondere Woche an der Franziska-Hager-Grundschule in Prien. Das liegt auch am echten Zirkuszelt mit Platz für 350 Menschen, das mitten auf dem Schulhof steht. Für das Programm sind die Kinder selbst zuständig, angeleitet von Eltern und Lehrkräften, die auch für die Finanzierung gesorgt haben. Ein Besuch bei einem besonderen Gemeinschaftsprojekt.

Prien – Kinder im Publikum eines Zirkus sind in der Regel begeistert. Diese Begeisterung lässt sich noch steigern, wenn sie selbst in der runden Manege stehen und ihre Augen mit den Scheinwerfern um die Wette strahlen. Das ist in der letzten Maiwoche diesen Jahres auch an der Franziska-Hager-Grundschule in Prien zu beobachten. Denn die ganze Woche steht ein Zirkuszelt auf dem Schulhof. Als Highlight treten die Kinder am Freitag und Samstag in internen Vorführungen vor 350 Menschen auf.

Auf dem Schulhof der Franziska-Hager-Grundschule in Prien steht ein echtes Zirkuszelt. Der Zirkus Soluna bietet Zirkusprojekte an Schulen an.

Die Idee dazu hatte Leonie von Bomhard. Als der Elternbeirat sich zum Beginn des Schuljahrs neu zusammensetzte, brachte sie ihre Idee ein: „Die Kinder haben dadurch eine schöne Grundschulerinnerung. Dieses Gefühl der Kinder, ‚wir können zusammen was richtig Cooles auf die Beine stellen, alle klatschen für uns‘, das gibt Selbstvertrauen für das ganze Leben. Das ist das, was ich mir für die Kinder wünsche und warum ich die Idee hatte.“ Eine Idee, die auf fruchtbaren Boden stieß. Nicht nur der gesamte Elternbeirat war begeistert, auch Schulleiterin Claudia Decker und die Lehrkräfte waren direkt mit im Boot.

Schulleiterin erhofft sich Aufbruchstimmung durch Zirkus

„Ich habe mich sehr über die Idee gefreut. An meiner alten Schule habe ich auch schon ein Zirkusprojekt gemacht“, erinnert sich Decker an den Moment, als sie zum ersten Mal von der Initiative des Elternbeirats hörte. Seit fünf Jahren ist Decker Schulleiterin in Prien und erhofft sich durch den Zirkus auch eine Aufbruchsstimmung, „ein Geist von ‚ich kann das schaffen, auch wenn ich es vorher noch nicht konnte‘ oder ‚ich schaue, wo du vielleicht Hilfe brauchst.‘“ Dazu Freude, Spaß am Miteinander und gemeinsamen Entdecken. „Keine Maßnahme ist so wirksam, wie so ein großes gemeinsames Erlebnis, das uns alle auch zusammenschweißt“, so Decker.

Über 26 Spenden

Billig ist die Zirkuswoche nicht. Und der Bayerische Staat finanziert solche Projekte nicht mit. „Wir haben alles quer finanziert“, sagt Elternbeirätin Leonie von Bomhard. 26 Spenden, darunter die Schön Klinik Roseneck, der Lions Club Chiemsee-Westufer und der Rotary-Club Chiemsee, der das Projekt als Hauptsponsor unterstützt. „Wir haben viel telefoniert, sind von Tür zu Tür gegangen und ganz viel über Netzwerke gemacht“, beschreibt von Bomhard die Spendenakquise. Auch die Gemeinde Prien beteiligte sich mit einer großen Spende, die Bäckerei Müller versorgte die fleißigen Zirkuskinder und helfenden Hände mit Brezeln.

Hoher Orga-Aufwand und viel ausprobieren

Und mit alle meint sie auch alle. Kinder, Eltern und Lehrkräfte. Denn es brauchte einen hohen organisatorischen Aufwand, diese Woche zu planen: Im April trafen sich Lehrkräfte und interessierte Eltern, um die verschiedenen Workshops für die Kinder vorzubereiten. Auswählen konnten die Kinder dann am Montag aus elf Gruppen: Leiterartistik, Trapez, Feuerkünste oder Jonglage, um nur vier zu nennen. Um den Kindern einen Eindruck zu vermitteln, führten die Eltern und Lehrkräfte ihre Workshops mit einem Auftritt im Zirkuszelt vor. Danach konnten sich die Kinder in den einzelnen Gruppen selbst einen Eindruck verschaffen, bevor sie sich schließlich entschieden.

Training in der Aula der Schule. Elternbeirätin Leonie von Bomhard initiierte das Schulprojekt und hilft bei den Workshops.

Um die Gruppen bei 285 Kindern übersichtlich zu halten, gibt es jeden Workshop doppelt. Während ein Teil probt, kann sich der andere künstlerisch austoben und in Bastelworkshops zum Zirkusauftritt beitragen. Matthias Michael ist Lehrer und ebenfalls begeistert vom Projekt: „Ich finde es besonders schön, dass die Kinder das Ganze schnell machen dürfen, da einfach rangelassen werden und mit Stolz und Glück dabei sind.“ Dabei fallen ihm auch Kinder auf, die wie ausgewechselt zum Schulalltag sind: „Manche, die sonst etwas Schwierigkeiten haben, kommen hier ganz anders zurecht und fühlen sich hier richtig wohl.“

Eltern bauen Zirkuszelt im strömenden Regen auf oder nehmen extra Urlaub

Trotz des Mehraufwandes sei Michael für mehr solcher Projekte: „Ich finde es gut, wenn Bewegung und Sport, aber auch das soziale Miteinander mehr im Vordergrund steht als das Lernen vom Stoff.“ Damit das Zirkus-Projekt gelingt, ist auch die Unterstützung von vielen Eltern nötig. So bauten 30 Elternteile am Samstag im strömenden Regen das Zirkuszelt auf. Einige Mütter und Väter haben sich extra Urlaub genommen, um die Kinder in den Workshops auf ihre großen Auftritte vorzubereiten.

Zirkus Soluna

Birger Koch ist der Direktor des Zirkus Soluna. Seit 15 Jahren gibt es diesen schon. „Wir erweitern die soziale Kompetenz. Hier funktioniert alles nur in Zusammenarbeit, sowohl Erwachsene mit Kindern, Eltern untereinander und Lehrkräfte mit Eltern“, erzählt er im OVB-Gespräch. Außerdem können die Kinder im Zirkus Soluna viele ungewöhnliche Bewegungserfahrungen machen. Die Dinge werden im Zirkus auf eine „spielerische Art und Weise geübt. Das ermöglicht Kindern, die normalerweise in der Schule Schwierigkeiten haben, auch Erfolgserlebnisse zu haben.“ Das soll sie nachhaltig bewegen und ihnen Mut machen. „Wir fahren jede Woche woanders hin und sind an sehr vielen Schulen. Fast 14.000 Kinder nehmen im Jahr an unserem Projekt teil“, sagt Koch und ergänzt: „Das zeigt einem, wie unterschiedlich und gleichzeitig wie gleich und ähnlich Kinder und Menschen sind. Es macht immer wieder Spaß, jede Woche neue Leute kennenzulernen und wieder durch dieses Abenteuer zu gehen.“ In Prien spürt Koch eine starke Elternbeteiligung und eine super Stimmung, sowohl Kinder, Lehrkräfte und Eltern seien sehr engagiert und bewegungsfreudig.

Nach der Generalprobe am Freitag steht im Anschluss der erste Auftritt an, ein zweiter ist am Samstag, vier Eintrittskarten für ein Kind gab es. „Bei den Auftritten sind wirklich nur noch die Kinder auf der Bühne, wir Erwachsenen sind nur die Statisten im Hintergrund. Selbst die Zirkusdirektion übernimmt ein Kind. Das gibt den Kindern wahnsinnig viel“, erklärt von Bomhard. Die große Motivation der Eltern und im Beirat freut sie: „Ich glaube, es sind einfach ein Haufen Leute dabei, die wirklich Bock haben, richtige Projekte zu machen. Nicht nur Brezen stiften oder Flohmärkte anzubieten, sondern Sachen, bei denen die Kinder wirklich was erleben.“

Den Kindern gefällt es: „Ich kann mir Sachen ausdenken und ausprobieren und bekomme immer Hilfe, freut sich die 10-jährige Lisa. Katharina, sechs Jahre, gefällt der Clown am besten, übt wie Lisa auf einem Ball zu balancieren. Der Zirkus mache ich Spaß, „ich mag nämlich keine Hausaufgaben“. Auch das gehört zu einem Schulprojekt, ein Ausflug aus dem Schulalltag.

In dieser Manege werden die Grundschulkinder ihr Zirkuskünste aufführen.

Es gehe um Dinge, bei denen die Schulfamilie etwas erlebt, „im besten Fall vielleicht was fürs Leben mitnimmt“. Auch die Kinder würden registrieren, wie viel Aufwand die Schule und die Eltern betreiben, von Bomhard: „Hier steht dann einfach ein Zirkuszelt im Schulhof. Alle sind Teil des Ganzen und es ist etwas Besonderes. Das ist eigentlich das, was uns weiterbringt als Gemeinschaft“.

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