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Einsatz für die Wasserschutzpolizei Prien

Verbotene Zonen und Vermisste im Wasser - Auf Streife mit den „Hütern des Chiemsees“

Wasserschutzpolizei Prien am Chiemsee
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Sie sorgen für die Sicherheit auf dem See: Sandra Rieger und ihre Kollegen von der Wasserschutzpolizei in Prien am Chiemsee. rosenheim24.de durfte die Beamten auf ihren Einsätzen einen Tag lang begleiten.

Strahlend blauer Himmel, die Sonne lacht durch vereinzelte Wolken, die Temperaturen klettern auf über 20 Grad. Ein perfekter Tag für einen Ausflug an den Chiemsee - ob als Schwimmer, Segler oder Urlauber mit Leihboot. Ruhig gelegen und von sanften Wellen umgeben erstreckt sich das „Bayerische Meer“ vor unseren Augen, während für Sandra Rieger und ihre Kollegen ein neuer Arbeitstag beginnt.

Prien am Chiemsee - Markus Zimmerer zückt das Fernglas, Kollegin Sandra Rieger klemmt ihren Schreibblock unter den Arm. Bootsführer Holger Steiner drosselt das Tempo des Einsatzboots „WSP4“. Alle sind sich einig: „Die sind drin.“

Mit „drin“ meinen die Polizisten die Ruhezonen rund um Seebruck und mit „die“ Kajakfahrer, die sich mitsamt Schäferhund in Seelenruhe den Weg entlang des Ufers bahnen. Mit einem ohrenbetäubenden Hupen macht das Polizeiboot auf sich aufmerksam und lässt die Paddler zusammenzucken. Gemächlich nähert sich der 400-PS-Koloss, sodass das Kajak bedrohlich beginnt, sich in den Wellen im Kreis zu drehen.

Ganzjährige Ruhezone strengstens tabu

„Sie wissen schon, dass Sie sich hier in einer ganzjährigen Ruhezone befinden, die nicht befahren werden darf. Sie schrecken Wasservögel und Fische auf“, weist Rieger auf die geschützten Regionen hin.

Die zwei Ertappten blicken sie mit großen Augen an und versichern, das sei ihnen beim besten Willen nicht bewusst gewesen. Tatsächlich wagten sie sich wohl mit ihrem Kajak an einem schmalen Streifen auf Höhe Esbaum aufs Wasser und waren beinahe schon mittendrin im Naturschutzstreifen. Die Bojenkette samt Warnhinweisschild sei ihnen dabei nicht aufgefallen, genauso wenig wie die Tatsache, dass dort außer ihnen keiner sonst paddelt.

Sandra Rieger zitiert die Kajakfahrer zur „WSP4“ - und hinaus aus dem Wasserschutzgebiet.

Erklärungen, die Rieger protokolliert und mitsamt den Personalien als Ordnungswidrigkeit aufnimmt. „Das Landratsamt Traunstein wird sich bei Ihnen melden“, nimmt sie vorweg. Ein Bußgeld ist die Folge. Es wird ein „Entschuldigung“ gemurmelt. Mit betretenen Gesichtern lassen sie die Paddel wieder ins Wasser gleiten und eilen davon - hinaus aus dem Schutzgebiet.

Den Chiemsee zu unterschätzen kann ein böses Ende nehmen

Wasserschutzpolizisten unterscheiden sich nicht nur in der Uniform von den Landkollegen. Die Kleidung mit Sternchen und Streifen erinnert ein bisserl an eine Kapitänskluft. Die Dienstmütze lässt Rieger meist in der Kajüte liegen. Sie würde bei Geschwindigkeiten um die 40 km/h, mit denen die „WSP4“ über den Chiemsee jagt, davon geweht werden.

So wie beim nächsten Einsatz: Über die integrierte Leitstelle Rosenheim geht eine Vermisstenmeldung ein. Die Beamten in der Priener Dienststelle kontaktieren ihre Kollegen auf See. Sogleich werden die Landbereiche auf Höhe Gstadt verstärkt abgesucht. Anhand der entsprechenden Beschreibung und der ungefähren Position kann das Mädchen rasch ausfindig gemacht werden.

Die 14-Jährige schwimmt gerade neben ihrem SUP auf Höhe Gstadt, um sich abzukühlen, als sich das Polizeiboot langsam nähert. Eigentlich wollte sie sich mit ihren Eltern auf der Fraueninsel treffen, doch sie verpassten sich, weswegen sie eigenständig den Weg zurück in Richtung Campingplatz Lambach unternahm - dabei aber die Entfernung auf dem Wasser deutlich unterschätzte.

Erschöpft, aber wohlauf im Wasser neben dem SUP: Auch für die Beamten ist es schön, wenn eine Vermisstensuche glimpflich ausgeht, unterstreicht Dientstellenleiter Jürgen Thalmeier (links).

Um auf Nummer sicher zu gehen, entscheiden die Polizisten kurzerhand, das Mädchen an Bord zu holen und persönlich den Eltern zu übergeben. Die bedanken sich erleichtert, als sie ihre Tochter gesund und munter zu Gesicht bekommen. „Auch für uns ist es schön, wenn eine Personensuche ein gutes Ende findet“, unterstreicht Rieger. Sie weiß, wie schnell ein solcher Einsatz eine ernste Wendung nehmen kann. Zieht ein Sturm auf, kann der Chiemsee schnell gefährlich werden.

Naturgewalt-Einsätze stuft Rieger als besonders herausfordernd ein: „Die Leute sind unbedarft, übersehen Warnungen und finden sich plötzlich im Auge des Sturms wieder. Wir begleiten die Wasserwacht bei Wasserrettungen - häufig handelt es sich um Urlauber mit Leihbooten - und unterstützen, wenn nötig, mit Sonargeräten zum Beispiel bei Vermisstensuche oder untergegangenen Objekten.“

Rettungskräfte bei der Bergung von toten Personen zu begleiten, sei zwar nicht an der Tagesordnung, gehöre aber zum Job. „Den Anblick einer Wasserleiche vergisst man so schnell nicht“, spricht Rieger aus Erfahrung.

Sandra Rieger und Jürgen Thalmeier wissen um die schützenswerten Bereiche auf dem Chiemsee - vor allem im Achen-Delta.

Von Prien nach Übersee über Seebruck in Richtung Gstadt und über die Fraueninsel wieder zurück - die Polizisten haben jeden Meter genau im Blick. Dabei wird die Wasserschutzpolizei ihrem Namen mehr als gerecht: Zu den Hauptaufgaben gehört in erster Linie die Überwachung der Naturschutzgebiete und der Ruhezonen.

„Die meisten Delikte betreffen Verstöße gegen den Naturschutz“, betont Rieger. Die Kernzonen besitzen ein absolutes Betretungsverbot und sind mit Bojen und Schildern eindeutig gekennzeichnet, nicht nur im wichtigen Achen-Delta, sondern auf dem gesamten Chiemsee in Ufernähe.

Naturschutzgebiet Chiemsee

Auf der Website der Chiemseeagenda gibt es nützliche Informationen und allerlei Wissenswertes rund um den Chiemsee und seine Naturschutzgebiete.

„Naturschutz ist ein hohes Gut, die Schönheit des Chiemsees erhaltenswert. Oft wissen die Leute gar nicht, dass sie sich in einer verbotenen Zone aufhalten. Schwarze Schafe, die das Ganze eiskalt ignorieren, gibt es leider auch. Unsere Patrouillen sind daher oft präventiv“, ergänzt Dienstellenleiter Jürgen Thalmeier und lässt den Blick über die sanften Wellen in Richtung Chiemgauer Berge schweifen.

Die Karte zeigt die Ruhezonen und Schutzgebiete auf dem Chiemsee deutlich in Rot gekennzeichnet.

Wie auf Knopfdruck sticht hinter der Krautinsel ein Elektroboot ins Auge - im Flachwasser am Rande der Herreninsel in einer ganzjährigen Ruhezone. „Das ist dreist“, entfährt es Rieger, als sie erkennt, wie nah das Leihboot am Schilf schaukelt und in direkter Nachbarschaft zu gründelnden Wasservögeln sogar ankert.

Für die Münchner kommt die Verwarnung samt Bußgeld überraschend. „Es war für uns nicht offensichtlich, dass wir bestimmte Bereiche nicht befahren dürfen“, erklärt der junge Mann, der sich in Ufernähe gerade eben mit seiner Freundin verlobt hat. Rieger beglückwünscht das Pärchen, kommt aber nicht umhin, auch hier eine Anzeige in die Wege zu leiten. Darüber hinaus wird sie mit dem Bootsbesitzer aus Gstadt Kontakt aufnehmen, damit er seine Gäste künftig auf die Schutzzonen aufmerksam macht.

Mittendrin in einer ganzjährigen Ruhezone: Das Elektro-Leihboot „Meerstern“ samt Insassen muss das Schutzgebiet an der Herreninsel sofort verlassen. Markus Zimmerer und Sandra Rieger nehmen die entsprechende Anzeige wegen eines Naturschutzverstoßes auf.

Einsätze der Wasserschutzpolizei leben mitunter von Hinweisen aus der Bevölkerung. Prompt kommt einer rein: Ein Anwohner will eine Umweltverschmutzung beobachtet haben. Konkret habe wohl jemand von seinem Segelboot aus ein „großes Geschäft“ in den Chiemsee verrichtet. Bei der Überprüfung wenige Minuten nach Erreichen der Meldung kann jedoch niemand angetroffen werden, das Boot schaukelt verwaist in den Wellen, der Besitzer wohl mit dem Schlauchboot auf und davon.

Für die Polizisten kein Problem: Anhand der Zeugenaussage und des Kennzeichens könne der Besitzer flott ausfindig und zu den Vorwürfen befragt werden.

Holger Steiner ist hauptamtlich in der Dienststelle Bad Aibling und nebenamtlich am Chiemsee als Bootsführer tätig. In der Kajüte hat er alles im Blick - und oft auch die Kollegen an Deck.

In solchen Fälle ist Staatsanwalt Thomas Putschbach involviert. Er ist für Naturschutzdelikte zuständig, wie Schwarzfischerei. Er wird auch tätig, wenn am Bernauer Berg ein Lkw umkippt und ausgelaufenes Benzin droht, in den Chiemsee zu gelangen.

Darüber hinaus macht die moderne Technik auch vor dem See nicht Halt: Die Beamten müssen sich immer mehr mit Trend-Sportgeräten auseinandersetzen. „Hydrofoil Boards“ beispielsweise „schweben“ praktisch dank Front- und Heckflügel über der Wasseroberfläche - sind allerdings auf dem Chiemsee aufgrund des eingebauten Motors und der Geschwindigkeit verboten. Stichwort Eigen- und Fremdsicherheit.

Hochsaison im Sommer, „Saure-Gurken-Zeit“ im Winter

Rieger ist bewusst, dass sie hier auf dem Chiemsee eine Art „Sonderstellung“ genießt - muss sich aber eingestehen: Wenn sie arbeitet, haben andere frei und kosten den Sommer aus. Ob abends oder an den Wochenenden - eine erhöhte Einsatzbereitschaft gerade in der Urlaubszeit ist unabdingbar.

Bei schlechten Wetterperioden und in den Wintermonaten steht dafür Büroarbeit, organisatorisches wie Treibstoffbestellungen sowie Instandhaltung des Bootshauses samt Booten an.

Zurück auf die Straße aber möchte die Bootsführerin nicht mehr. Heuer ist ihr 20. Dienstjubiläum auf dem „Bayerischen Meer“. Einen schöneren Arbeitsplatz kann sie sich nicht vorstellen. (mb)

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