Das Ende einer Ära
Nach 68 Jahren: Edlinger Kindergarten-Schwestern ziehen sich zurück – mangelnder Ordensnachwuchs
Die letzten Schwestern der Edlinger Kongregation verlassen nach 68 Jahren ihren Kindergarten in Edling. Mangelnder Ordensnachwuchs zwingt zum Rückzug aus der Heimat – ein emotionaler Abschied, der mit einem großen Dankesfest begangen wurde.
Edling – Am 16. Juli 1956 waren mit einem „feierlichen Einzug“ die ersten vier Schwestern der Kongregation der Töchter der göttlichen Liebe im neuen Kloster Sankt Franziska an der Hauptstraße als Betreiber des dörflichen Kindergartens eingezogen. Im Ort ihrer Ordensgründerin, Franziska Lechner, die hier am 1. Januar 1833 geboren wurde. „Aber alles hat seine Zeit!“ schreibt die derzeitige Hausoberin, Schwester Paula Borscak, in einem Brief an die Edlinger Bevölkerung.
Nach 68 Jahren verlassen die letzten Schwestern, Schwester Paula und Schwester Agnes, nun zum 31. August Edling. Leicht ist dem Orden der Rückzug aus der Gemeinde jedoch nicht gefallen.
Großes Abschiedsfest
Mit „Dankbarkeit und unzähligen wunderschönen Begegnungen mit den kleinen und großen Landsleuten unserer Ordensgründerin“ verabschiedete sich der Orden nun, wie es sich gehört, mit einem Abschiedsfest. Irgendwie hatte man sowieso den Eindruck, dass mindestens die meisten Edlinger irgendwann einmal ihre Zeit im Kindergarten verbracht haben.
Gleich mehrere Generationen der Edlinger Bürgerschaft wollten deshalb am Abschiedsgottesdienst sowie beim anschließenden Fest im Klostergarten mit dabei sein. Unter ihnen auch der Erste Bürgermeister der Gemeinde, Matthias Schnetzer, und Pfarrer Hippolyte Ibalayam von der Pfarrei Sankt Cyriakus. Der begrüßte am Anfang besonders die ehemalige Leiterin Sr. Marianne und die neu gewählte Generaloberin der Kongregation aus Wien, Sr. Ivana.
Um den Altar versammelte sich fast die gesamte örtliche Geistlichkeit der letzten Jahrzehnte. Mit einer beschwingt-jazzigen Messe aus den siebziger Jahren erfreute Chorleiter Charly Miller die vielen Gekommenen. An der Stelle einer Lesung trug Dr. Stefan Schweitzer angenehm ausdrucksvoll ein Gedicht des libanesischen Philosophen und Dichters Kahlil Gibran vor, in dem die Sehnsucht der Kinder nach dem Leben und sich selber im Mittelpunkt stand.
Namen des ersten Jahrgangs
Die Predigt eröffnen durfte Schwester Paula mit einem Text, der für viel Heiterkeit sorgte. Er bestand nur aus den Namen der Kinder, die 1957 der erste Kindergartenjahrgang waren. Einige waren sogar in der Pfarrkirche anwesend.
Pfarrer Hippolyte Ibalayam brachte dann die Schwestern wieder in die Mitte der Gedanken. „Wir sollen jetzt nicht schauen, was uns verlässt, sondern was uns Gott lange Jahre als Tagesheimat für die Kinder geschenkt hat“, sagte er und fügte noch an, wie dankbar die Pfarrei auch für den jahrzehntelangen Mesnerdienst ist. Zugleich dankte er der politischen Gemeinde, die den Kindergarten von den Schwestern erworben hat und diesen als Träger weiterführen wird. Auch in den Fürbitten und im Friedensgruß wurde auf die Verantwortung für die Kinder durch die Politik und die Kirche hingewiesen. „In vielen Teilen der Welt sehen wir da grausame Gewalt“, sagte der Edlinger Pfarrer.
Bürgermeister erinnert sich an eigene Kindergartenzeit
Nach der Messe gab es, wetterbedingt weiterhin in der Pfarrkirche, den weltlichen Teil der Verabschiedung und des Dankes. Edlings Bürgermeister erinnerte sich mit launigen Worten selbst an seine drei Kindergartenjahre. Besonders an Schwester Marianne, die viele Jahre den Kindergarten leitete, hatte er dabei dankbare Erinnerungen. Und er lobte den örtlichen Gemeinderat für die schnelle Entscheidung, die Immobilie zu erwerben, damit der Kindergarten bestehen bleiben kann. „Denn diese Einrichtung ist eine gewaltige Unterstützung für die Familien im Ort“, sagte er.
Der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Anton Merkl dankte den Schwestern für ihre langjährige und immer auch fachlich zuverlässige Begleitung der Edlinger Kinder, bevor sich auch die Provinzoberin anerkennend für den schönen Abschiedsgottesdienst bedankte. „Edling, die Heimat unserer Ordensgründerin Franziska Lechner, ist für uns auch in der Zukunft ein vertrauter und hoffnungsvoller Ort. Weiterhin soll Gottes Segen darüber wachen“, sagte sie. Die mittags hervorkommende Sonne machte es dann doch noch möglich, im wunderschönen Garten des Edlinger Klosters Sankt Franziska gemeinsam zu essen und danach bei Kaffee und Kuchen mit einem Dank an den organisierenden Elternbeirat des Kindergartens das schöne und eindrucksvolle Fest zu beenden.

