Kritik aus der Heimat
„Träume leben“ oder Gemeinderat Bernau? Vorwürfe gegen Severin Ohlert - So reagiert der Skipper
Der Bernauer Sverin Ohlert überführt gerade als Skipper einen Katamaran über den Atlantik nach Kuba. Sein Ehrenamt als Gemeinderat im heimischen Bernau kann er wegen seines Jobs nicht vor Ort ausführen. Das kritisiert ein Leser mit deutlichen Worten.
Bernau - Am 27. November ging die jüngste Gemeinderatssitzung in Bernau über die Bühne. Am 11. Dezember folgt die letzte in diesem Jahr, bei der wieder über wichtige Projekte des Tourismus-Magnets mit etwa 7000 Einwohnern entschieden wird. Severin Ohlert, 2020 gewählter Gemeinderat der Grünen, kann bei beiden Terminen nicht vor Ort sein. Kein Wunder, schließlich überführt er gerade als verantwortlicher Segel-Skipper einen Katamaran über den Atlantik nach Kuba.
Drama im Atlantik, Schüsse aus der Heimat
Ohlert hat mit seiner Crew auf dieser Reise schon Abenterliches erlebt. Der OVB berichtete über eine mutmaßliche Piraten-Attacke, einen Mayday-Funkspruch sowie die nachfolgende Untersuchung eines mit Flak-Geschützen ausgestatteten marokkanischen Militärschiffs. Scharfe (verbale) Schüsse kommen nun auch vom heimatlichen Chiemsee. „Ein dreifaches Hoch auf Severin Ohlert, der das verwirklicht, wovon viele nicht einmal zu träumen wagen. Er ist auf hoher See, in der Karibik, auf den sieben Weltmeeren unterwegs. Da kann ich gut nachvollziehen, dass er sich dann doch manchmal nach seiner Heimat, dem Chiemsee, sehnt. Ob er sich auch danach sehnt, wieder einmal im Gemeinderat seine Aufgaben wahrzunehmen?“, schreibt der Bernauer Jörg Nagel in einem Leserbrief.
Ohlert sei ein seit 2020 gewähltes Gemeinderats-Mitglied der Grünen und seitdem fast nie anwesend. „Ich bin ja gespannt, ob er bei der Kommunalwahl im kommenden Jahr erneut kandidieren wird und damit anderen Kandidaten, die sich wirklich in der Gemeindepolitik engagieren würden, den Platz versperrt“, attackiert Nagel den Schiffs-Kapitän. Severin Ohlert ist über den überraschenden Angriff mitten auf dem Atlantik wenig amüsiert, reagiert aber auf OVB-Nachfrage sofort auf die Vorwürfe.
Die Antwort von Gemeinderat Ohlert
„Gern kann in den Protokollen nachgelesen werden, dass ich in den ersten zwei Jahren ich fast durchgehend im Gemeinderat anwesend war“, schreibt Ohlert: „Aufgrund meiner beruflichen Umorientierung ab 2023 vermindert. Jedoch nahm ich so weit möglich online teil.“ Seit diesem Zeitpunkt arbeitet der Mann, der in ebenjener Zeit auch einen privaten Bruch erlebte, hauptberuflich als Ausbilder und Kapitän im Segelbereich. Derzeit für eine österreichische Firma, die viele Kurse in der Adria um Kroatien abwickelt. Also weit weg vom Chiemsee.
Deswegen wird Severin Ohlert - um die Frage von Herrn Nagel zu beantworten - bei der am 8. März 2026 anstehenden Kommunalwahl nicht noch einmal antreten: „Ich habe mich aktiv gegen eine erneute Kandidatur entschlossen. Eben aus dem Grund, dass ich zeitlich nicht mehr so verfügbar bin.“ Bleibt die Frage offen, warum Ohlert in seiner weitgehenden Gemeinderats-Abwesenheit seit 2023 nicht durch einen Nachfolge-Kandidaten seiner Partei ersetzt wurde.
Ehrenamt als Problem - Knackpunkt ist die Fraktion
„Ich hätte meinen Platz gern abgegeben. Aber es rufen nicht unbedingt zehn Leute an der Seite: Hier! Hier! Lebensveränderungen können immer eintreten. Das macht auch kein Halt vor diesem Ehrenamt“, argumentiert Ohlert: „Laut Wahlsystem gäbe es Leute auf der Liste, die als Nachrücker da wären. Jedoch änderte sich bei diesen teilweise auch die Lage. Zwei sind umgezogen, einer hat ein Kind bekommen etc. Deshalb entschieden wir in der Fraktion, dass ich weiterhin verbleibe.“
Etwa 15 Nachrücker standen neben den drei gewählten Gemeinderatsmitgliedern bei der Wahl 2020 auf der Liste der Grünen. Also jede Menge Spielraum für die Fraktion, den Platz von Ohlert neu zu besetzen - das ist der wohl entscheidende Knackpunkt in dieser Auseinandersetzung. So fehlt den Grünen bei den meisten Abstimmungen eine Stimme. Und was sagt Bernaus Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber zum Fall? „Ich finde es absolut verständlich, dass man solch einen tollen Job annimmt. Auf der anderen Seite ist Herr Ohlert gewählter Gemeinderat - da kann ich auch nachvollziehen, dass es für Wähler enttäuschend ist, wenn ein Gemeimderat nur selten da ist“, sagt die Ortschefin auf OVB-Anfrage.
Wie ist Ihre Meinung zum Fall?
Wie ist Ihre Meinung zum Fall Ohlert? Schreiben Sie Ihre Meinung an lars.becker@ovbmedia.de oder postalisch an die Cheimgau-Zeitung, Geigelsteinstraße 7, 83209 Prien am Chiemsee.
„Träume direkt leben“
Genau das treibt wohl Jörg Nagel um, einen an der Gemeindepolitik sehr interessierten älteren Herrn. Menschlich verständlich findet er die Entscheidung durchaus: „Wäre ich 20 oder 30 Jahre jünger, würde ich gerne Ohlert die letzte Etappe von Puerto Rico nach Kuba begleiten und mir damit einen Traum verwirklichen.“ Die Vorlage für das Schlusswort von Skipper Severin Ohlert direkt vom Boot auf dem Atlantik: „Man sollte eben seine Träume direkt leben, anstatt in 20-30 Jahren davon zu reden, dass es ein Traum war.“
