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Annett Rech als Initiatorin

„Komische Situation“: Priener Gemeinderat erhält Kita-Überblick – mit überraschender Prognose

collage aus Kinderbetreuung, Gemeinderätin Annett Resch und Bürgermeister Andreas Friedrich
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Für die Kinderbetreuung in Prien trug die Marktgemeinde Daten zusammen. Die Initiative ergriff Gemeinderätin Annett Resch, Bürgermeister Andreas Friedrich traut der Prognose nicht so recht.

Zehn Einrichtungen zur Kinderbetreuung gibt es in Prien. Im Gemeinderat wird immer wieder über deren Gelder entschieden. Annett Resch beantragte eine umfassende Datenzusammenstellung. Die erhielt sie in der vergangenen Sitzung – mit einer überraschenden Prognose.

Prien am Chiemsee – Viele Zahlen stellte Donat Steindlmüller bei der jüngsten Gemeinderatssitzung den Ratsmitgliedern und allen anderen Anwesenden vor. Das Interesse der Männer und Frauen an den zu einem Oval aufgestellten Tischen im zweiten Stock des Priener Rathauses war groß, wie viele Nachfragen und reichlich Lob zeigten. In einer Excel-Tabelle mit mehreren Seiten präsentierte Steindmüller als Geschäftsleiter der Marktgemeinde viele Zahlen rund um die Kinderbetreuung in Prien. Vor allem Anzahl, Plätze und Kosten für die zehn verschiedenen Einrichtungen waren den Tabellen zu entnehmen.

Angeregt hatte die Erstellung der Datenlage Annett Resch, Fraktionsvorsitzende der CSU im Gemeinderat. „Kinderbetreuung ist im Rat quasi ein Dauerthema. In den vergangenen zwei Jahren hatten wir zu wenige Plätze, es ist immer wieder Thema, wenn es um Zuschüsse und Defizitausgleich geht“, erklärt Resch im OVB-Gespräch ihr Anliegen. Sie werde oft auf das Thema angesprochen, dazu sei es ihr persönlich extrem wichtig. Sie hatte in den vergangenen Jahren oft das Gefühl, „dass wir so ein bisschen im Nebel stochern: Wie viele Plätze brauchen wir? Wie viel Geld fließt wohin?“

Darum ist Resch die Kinderbetreuung wichtig

Die Zahlen zeigen, dass Prien aktuell mehr Plätze zur Verfügung hat, als es Betreuungsbedarf gibt. Insgesamt können mit Krippen, Kindergärten und Horten aktuell 662 Kinder in Prien betreut werden. Der Kindergarten St. Irmengard ist mit 125 Plätzen der größte, im Hort „Haus für Kinder Franziska-Hager“ ist Platz für 116 Plätze. Das Haus für Kinder Marquette bietet 77 Kinder im Alter zwischen drei und vor der Grundschule Betreuung, dazu hat es mit 36 Plätzen die größten Kapazitäten für Krippenkinder. Von den 662 Plätzen sind insgesamt 73 Plätze frei.

„Mir ist es ein persönliches Anliegen, dass wirklich jedes Kind, egal in welchem Alter, einen Betreuungsplatz bekommt. Egal ob es jetzt einen Rechtsanspruch gibt oder nicht“, sagt Resch. Ihre Motivation: „Ich finde es wichtig, dass beide Elternteile arbeiten können. Auch wenn es der Gemeinde viel Geld kostet.“ Nicht alle, aber „die meisten sind einfach auch schlichtweg dazu gezwungen, dass beide Elternteile arbeiten“, so die Fraktionsvorsitzende, selbst Mutter von zwei Kindern: „Aus persönlicher Erfahrung weiß ich, wie stressig das ist, wenn die Betreuung nicht gesichert ist.“

Eine qualitativ hochwertige Betreuung sei gerade im Krippenbereich wichtig: „Hier geben Eltern ihre Kinder ja auch nur mit einem guten Gewissen ab, wenn eben auch alles gut ist.“ Mit der Datenlage ist sie, nach einigen Anregungen vor der Sitzung, sehr zufrieden: „Ich hatte auch darum gebeten, dass das so fortgeschrieben wird und wir im Gemeinderat jährlich ein Update bekommen.“ In diesem Jahr sei es plötzlich die „komische Situation“, dass Prien zu viele Plätze hat, auch was die Prognose angeht.

Bürgermeister traut dem Braten nicht so recht

Bürgermeister Andreas Friedrich warnt, die Bedarfsprognose sei mit Vorsicht zu genießen: „Das ist eine Momentaufnahme, die sich daraus ergibt, wie viele Kinder bei uns gemeldet sind und wie viele einen Betreuungsplatz in Anspruch nehmen. Diese Inanspruchnahme-Quote ist heuer gefühlt sehr niedrig.“ Auch die allgemeine wirtschaftliche Lage könne dabei eine Rolle spielen, dass viele Elternteile ihre Elternzeit gerade verlängern. Von 299 Kindern im Alter zwischen drei bis unter acht Jahren in Prien, nehmen 271 Kinder einen Betreuungsplatz in Prien war. Bei den Kinder bis unter vier Jahren sind es 79 von 166 Kindern in der Marktgemeinde.

Die Kosten der verschiedenen Einrichtungen liegen teilweise weit auseinander. In der Kinderkrippe der Diakonie kosten bis zu fünf Stunden Betreuung am Tag monatlich 266 Euro, bei den Johannitern 336 Euro und in der Waldorfkrippe 448 Euro. Enger beieinander liegen die Preise in den Kindergärten. Der Waldkindergarten kostet für fünf Stunden Betreuung am Tag 185 Euro (im Monat), der Waldorfkindergarten 180 Euro, Johanniter 166,6 Euro, Diakonie und katholischer Kindergarten jeweils 145 Euro. Dazu kommen teilweise noch extra Spiel- und Essenskosten.

Kinderbetreuungsangebote schwer miteinander zu vergleichen

„Es kann sich vieles schnell ändern, deshalb ist die Betreuungssituation schwer planbar. Dennoch ist es mir wichtig, dass wir immer frühzeitig informiert sind, um auch handeln zu können“, sagt Resch, die auch sieht, dass die Zahlen insgesamt schwer miteinander zu vergleichen sind: „Manche sind unsere eigenen Gebäude, andere Träger haben ihre eigenen Gebäude. Dazu gibt es alte und neue Einrichtungen und verschiedene Konzepte. Dennoch: So haben wir einen Gesamtüberblick.“

Die Kosten pro Kind, die für die jeweiligen Betreuungsangebote auch vorliegen, lassen sich schwer miteinander vergleichen, wie Steindlmüller und Resch sagen. Wenn das Gebäude der Gemeinde gehört, fallen die Kosten höher aus, und auch je weniger Plätze in einer Einrichtung sind, zahlt die Gemeinde mehr.

Mit der aktuellen Betreuungssituation in Prien ist Resch sehr zufrieden: „Lieber ein paar Plätze zu viel als zu wenige.“ Auch die neue Einrichtung in Wildenwart lobt die Gemeinderätin: „Es ist ein sehr gutes Projekt, auch weil wir jetzt da oben was haben und nicht alle runter nach Prien fahren müssen.“

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