Baustellenlärm in Prien nicht angekündigt
„Höllenlärm“ der Chiemseebahn um 6 Uhr frustet Anwohnerin – Feßler verteidigt sein „Museum“
Baustellenlärm morgens um sechs Uhr, am heißesten Tag des Jahres. Und dann auch noch vom Frust-Objekt Chiemseebahn. Eine Anwohnerin lässt ihren Ärger über die Priener Touristen-Attraktion am OVB-Hörer raus.
Prien am Chiemsee – Der bisher heißeste Tag des Jahres war für Mittwoch (02. Juli) angekündigt. Wie sicherlich viele andere auch, schlief Beate Grünwald (Name von der Redaktion geändert) mit offenem Fenster. Die kühle Erholung im Schlaf hielt nicht lange, denn gegen sechs Uhr wurde Grünwald aus dem Schlaf gerissen. Von presslufthammerartigen Geräuschen – Baustellenlärm von den Gleisen der Chiemseebahn. Die Baustelle war neben der Jahnstraße, zwischen der Gerhart-Hauptmann-Straße und der Abzweigung zum Fußweg Richtung See. „Das war ein Höllenlärm. Bei der Hitze schläft man eh kaum“, so Grünwald. Dass die Bauarbeiter bei den klimatischen Bedingungen früh Anfangen wollen, sei für sie nachvollziehbar.
Die Anwohnerin stört besonders, dass die Bauarbeiten nicht angekündigt wurden. Im Gespräch am Telefon wird schnell klar, dass dieser aktuelle Vorfall auf weiteren Unmut auf die Chiemseebahn stößt: „Es ist ein Skandal, eine Bahn in Deutschland auf diese Weise zu betreiben“, kritisiert Grünwald, und meint damit den Diesel- und am Wochenende den Kohleentrieb der Bahn. Grünwald: „Ich kann gerade am Wochenende kaum lüften und meine Wäsche nicht draußen trocknen“.
Ihr ehemals weißer Lampenschirm, der dauerhaft draußen steht, sei nicht mehr weiß. „Da wird so viel CO² in die Luft gepustet, nur damit eine Familie sich einen Sack voll Geld machen kann“, findet Grünwald klare Worte. Sie wohne noch nicht lange in Prien, versteht mittlerweile aber gut, warum ihr Vermieter den Mietvertrag sehr schnell unterschrieben haben wollte. Auf Wohnungssuche sei sie schon wieder, möchte in Prien bleiben. „Nicht nur ich habe ein Problem mit der Bahn, viele Anwohnende haben auch ein Problem damit“, sagt sie.
Am Ort des Lärmgeschehens werkeln gegen 11 Uhr drei Männer der Betreiberfirma an den Gleisen. Ihnen tropft am ganzen Körper der Schweiß runter. Sich zu unterhalten, ist durch den Lärm unmöglich. Auskunft, was sie genau machen, wollen sie nicht geben. Eine zufällig vorbeilaufende Passantin bestätigt den Lärm am Morgen, auch am Dienstagnachmittag hätten schon Bauarbeiten stattgefunden. Auch sie ist äußerst genervt von der Bahn, meint, es müsse dringend was dagegen unternommen werden.
Feßler: Notreperatur – Sicherheit gehe vor
Michael Feßler leitet die Geschicke der Chiemseebahn. Er bestätigt am Telefon die Bauarbeiten. Am Wochenende habe sich eine Notreperatur aufgetan, die notwendig war. „Sicherheit geht hier vor“, so Feßler. Die Gleise hätten sich etwas verschoben, da dort der Untergrund relativ weich sei. „Da haben wir leider ab und zu mal Senkungen und da muss man dann nachstopfen“, erklärt Feßler und fügt hinzu, dass es eine bekannte Stelle sei: „Normalerweise schauen wir, das immer im Winter hinzukriegen, die Absenkung kam aber erst jetzt“.
Auf die Frage, warum es keine Ankündigung der Betroffenen gab, Antwort Feßler mit der Gegenfrage: „Wie hätten wir die Leute warnen sollen?“ Für Zettel im Briefkasten sei das Personal nicht da, „es war eine Notreperatur. Ich denke, dass kann jeder mal aushalten, zwei Tage lang“. Die Notreparaturen seien nicht planbar, auch ein Bautrupp im Sommer schwer zu organisieren. „Ich weiß, wir haben Nachbarn, die mögen uns nicht. Die sind alle hergezogen, nachdem die Chiemseebahn schon 100 Jahre lang gefahren ist“, argumentiert Feßler, der im Priener Gemeinderat sitzt.
Eine Änderung am Antrieb strebt Feßler nicht an: „Die Chiemseebahn ist ja ein Museum.“ Aktuell sei es fürs Geschäft etwas zu heiß, aber es würde ja auch wieder kälter werden. Die Frage nach einem möglichen Elektroantrieb für die Chiemseebahn beantwortete Feßler nicht.
