Freunde von der Ostseeküste gratulierten persönlich
„Hoits weida so zsamm“: So lief das 130. Jubiläum des Trachtenvereins „Immergrün“ Kolbermoor
Es war ein gelungenes Jubiläum: Der Kolbermoorer Trachtenverein „Immergrün“ feierte sein 130-jähriges Bestehen und alle Geladenen kamen. Sogar die guten Freunde aus Neustadt in Holstein.
Kolbermoor – Schon als Kind weiß man: Ob einen die anderen mögen, merkt man spätestens bei seiner Geburtstagsfeier. Daran nämlich, wie viele der Einladung folgen und kommen. Dies als Maßstab genommen kann sich der Trachtenverein Immergrün mehr als glücklich schätzen. Gekommen waren zum 130. Geburtstag nämlich buchstäblich alle: alle Patenvereine, alle anderen Vereine der Stadt, die drei Bürgermeister, Stadträte, auch Vertreter des Gautrachtenverbandes.
Und Entfernung war dabei offenbar kein Hindernis: Die Gäste mit der weitesten Anreise kamen aus Neustadt in Schleswig-Holstein, es war der Neustädter Volkstanzkreis, der sich mit der Bahn von der Ostsee aus auf den Weg gemacht hatte. Dessen Vorsitzender Lars De Waal meinte dazu: „Wenn die Immergrünen aus Kolbermoor uns einladen, dann ist es überhaupt keine Frage: Wir kommen – und wir kommen gern.“
Auch daran war zu erkennen, dass stimmt, was Jürgen Halder sagte, der durch den Festabend beim Redl in der Schwaig führte: Trachtenvereine sind treu. Treue und Zusammenstehen war dabei schon das, was die Gründerväter des Vereins auszeichnete, als sie 1893 den Dramatischen Verein Immergrün ins Leben riefen.
Fixpunkt in einer turbulenten Zeit
Das betonte auch Bürgermeister Peter Kloo in seiner kurzen Festrede. Die Gründer hätten damals versucht sich einen Fixpunkt zu schaffen in einer mehr als turbulenten Zeit, in der sich zumindest in Kolbermoor schon der Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft abzeichnete: Wenn alles um einen herum im Wandel ist, alles bisher Gewohnte sich rasch und radikal verändert, dann braucht man wenigstens einen festen, verlässlichen Punkt. Und das ist der Zusammenhalt.
Ein Wert, so meinte Peter Kloo weiter, der heute genau so wichtig ist wie zur Gründerzeit, denn in Sachen Turbulenz und Veränderungsgeschwindigkeit sei das Heute dem Damals sehr ähnlich. Von daher nicht ganz ohne Bedeutung, dass Christian Staudinger von den Immergrünen und Michael Beutl von den Mangfalltalern an dem Abend ihre Verbundenheit bekräftigten: Es handele sich hier mittlerweile nicht nur um zwei Brudervereine, sondern um einen echten und lebendigen Freundschaftsverbund.
Wie lebendig, das war an den Aufführungen des Festabends zu sehen, die von Tänzen über Gesangseinlagen bis zum Goaßlschnoizn reichten. Die Bewahrung von Tracht und Tradition, das merkten alle Gäste im vollbesetzten Feststadl, ist keine Sache von gestern und schon gar nicht überholt.
Es gilt vielmehr auch heute noch, was schon für die Gründerväter des Vereins galt, heute vielleicht sogar noch etwas mehr als damals: Es ist nicht zuletzt die Bewahrung der Herkunft, die Daseins- und damit Zukunftsbewältigung ermöglicht. Für Peter Kloo wie für die anderen Gäste war es deshalb klar: „Hoits weida so zsamm“ sagte der Bürgermeister, „denn dann hat Kolbermoor auch in Zukunft eine entscheidende Antriebskraft für die ‚Stadt voller Leben‘.“
