Nachgehakt bei den Bürgermeisterkandidaten
Kür oder Pflicht? Diese Priorität räumen Kolbermoors Bewerber dem Vereinsleben ein
Tausende Mitglieder sind in den Kolbermoorer Vereinen organisiert. Für die Bürgermeisterkandidaten, die sich am 8. März zum Nachfolger von Peter Kloo (SPD) wählen lassen wollen, ein großes Potenzial an Stimmen. Doch wie stehen die Kandidaten zum Vereinsleben? Das OVB hat nachgefragt.
Kolbermoor – Sie sind das Herzstück des gesellschaftlichen Lebens in vielen Kommunen: Vereine, in denen Menschen zusammenkommen, um gemeinsame Interessen zu verfolgen oder Gutes zu tun. Bayernweit waren nach Angaben des Bayerischen Justizministeriums Ende 2022 rund 92.000 eingetragene Vereine registriert. In Kolbermoor reicht das Angebot von der Aktionsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA) über den Sportverein SV-DJK bis hin zu Trachtenvereinen.
Deren Mitglieder könnten bei der kommenden Kommunalwahl am Sonntag, 8. März, als potenzielle Wähler durchaus eine entscheidende Rolle einnehmen. So sind alleine im mit rund 3200 Mitgliedern größten Sportverein im Landkreis Rosenheim, dem SV-DJK Kolbermoor, für die Kandidaten eine Vielzahl von Stimmen zu holen. Das OVB hat daher bei den fünf Bürgermeisterkandidaten nachgefragt, welche Rolle die Vereine aus ihrer Sicht im Leben der Stadt spielen und wie sie sich die zukünftige Unterstützung durch die Stadt vorstellen können.
SV-DJK wendet sich mit „Wunschliste“ an den Stadtrat
Ein Verein, der maßgeblich auf die Unterstützung der Stadt angewiesen ist, ist der SV-DJK Kolbermoor. Bereits im Frühjahr hatte sich die Vereinsspitze mit einer Wunschliste in Hinblick auf die Sportstätten an den Stadtrat gewandt. So hält der Verein einen Um- und Ausbau der Turneralm für dringend notwendig, hofft zudem auf den Neubau einer Turnhalle und der BMX-Bahn.
Wünsche, die nach Einschätzung von Leonhard Sedlbauer durchaus berechtigt sind. „Wenn wir als Sportstandort Kolbermoor weiterhin konkurrenzfähig bleiben, gleichzeitig aber auch Kapazitäten für den Breiten- und Jugendsport vorhalten wollen, müssen wir in unsere sportliche Infrastruktur investieren“, so der CSU-Bewerber, der sich „selbstverständlich dafür einsetzen“ will, seitens der Stadt unterstützend tätig zu werden – „etwa in Form von Zuschüssen oder durch Übernahme von Planungskosten.“
SPD-Kandidat Christian Morgenroth sieht die Wünsche des Sportvereins „aufgrund seiner Größe, Vielfältigkeit, der Leistungen und der dadurch entstehenden Strahlkraft für die Stadt“ ebenfalls als „mehr als gerechtfertigt“ an. „Deswegen sehe ich es auch als Aufgabe, diese Ideen voranzutreiben und zu unterstützen“ – und zwar durch städtische Finanzmittel, aber auch durch Hilfe beim Beantragen von Fördermitteln.
Thomas Rothmayer sieht die Unterstützung des Breitensports als „Daseinsvorsorge“. „Da die Stadt bereits Planungskosten übernommen hat, um eine realistische Kostenannahme für die ,Wunschliste‘ des Vereins zu erhalten, werde ich im Falle meiner Wahl die notwendigen Finanzkonzepte mit dem Verein besprechen und priorisieren.“ Wobei er einer weiteren Turnhalle höchste Priorität einräumt, da „diese zusätzlich für den Schulsport genutzt werden kann“.
Auf Unterstützung kann der SV-DJK auch seitens des AfD-Kandidaten Christian Demmel hoffen. Er wolle alle drei Projekte als Bürgermeister „tatkräftig unterstützen und vorantreiben“. Demmel: „Da der Stadtrat bereits Einigkeit signalisiert hat, werde ich mich für die notwendigen Finanzmittel einsetzen, um diese wichtigen Sportstätten zeitnah zu realisieren.“ Schließlich würden Vereine „verlässliche Rahmenbedingungen“ verdienen.
Für Linken-Kandidatin Johannas Bössl leisten Vereine wie der SV-DJK ebenfalls „einen enorm wichtigen Beitrag“, beispielsweise für Gesundheit, Integration und Zusammenhalt. Dafür seien „sichere Sportstätten“ eine „zentrale Voraussetzung“. „Als Bürgermeisterin würde ich mich dafür einsetzen, dass die Anliegen des Vereins ernsthaft geprüft, priorisiert und transparent diskutiert werden“, sagt Bössl, der es wichtig ist, „gemeinsame Lösungen zu entwickeln, die finanziell tragfähig sind und langfristig Nutzen für möglichst viele Bürgerinnen und Bürger bringen.“
Von der Feuerwehr bis zum Siedlerverein: In diesen Vereinen sind die Bürgermeisterkandidaten Mitglied
Fakt ist: Als „Vereinsmeier“ dürfen durchaus fast alle der Kandidaten bezeichnet werden. So ist CSU-Bewerber Leonhard Sedlbauer (28) neben seiner CSU-Mitgliedschaft unter anderem Mitglied im Trachtenverein Mangfalltaler, im Pizzicato-Kulturverein, im Gesangverein Lyra Lohholz, im Siedlerverein sowie bei der Feuerwehr Kolbermoor.
Ähnlich sieht es bei Thomas Rothmayer (41) aus, der für die Parteifreien ins Rennen geht. Er gehört unter anderem dem SV-DJK, dem Tennisclub, dem Siedlerverein, der Feuerwehr, dem Nachbarschaftsverein und dem Obst- und Gartenbauverein an. Im Siedlerverein zählt auch AfD-Bewerber Christian Demmel (59) zu den Mitgliedern, zudem ist er unter anderem Fördermitglied der Feuerwehr, im Verein „Kolbermoorer helfen“, beim Obst- und Gartenbauverein und im Pizzicato-Kulturverein.
Vor allem sportlich geht‘s bei SPD-Kandidat Christian Morgenroth (50) zu. Er ist Mitglied im SV-DJK Kolbermoor, war zudem Mitglied bei den Naturfreunden, die sich in Kolbermoor allerdings vor einigen Jahren aufgelöst haben. Keine Mitgliedschaft in einem Verein innerhalb der Stadt hat hingegen Linken-Kandidatin Johanna Bössl (34), die aber betont, „großen Respekt vor dem ehrenamtlichen Engagement vieler Menschen in Kolbermoor“ zu haben.
Unterschiedlicher Auffassung sind die Bürgermeisterkandidaten hingegen, wenn es darum geht, das Vereinsleben noch deutlicher als städtischen Bestandteil in den Vordergrund zu rücken, beispielsweise durch die Installation eines eigenen Sport- und Kulturreferenten, der als Bindeglied zwischen Stadtrat und Vereinen fungieren könnte, oder durch die Organisation einer städtischen Sportlerehrung. So empfindet Bössl das Fehlen derartiger Angebote als „Versäumnis“, denn: „Vereine brauchen klare Ansprechpartner in der Stadtverwaltung und in der Kommunalpolitik.“ Eine Sportlerehrung würde aus ihrer Sicht zudem Ehrenamtliche „motivieren“.
Braucht es einen Sport- und Kulturreferenten?
Demmel spricht ebenfalls von einem „klaren Versäumnis“, denn das Ehrenamt brauche „Sichtbarkeit und eine Verwaltung, die unterstützt statt blockiert“. Wobei eine regelmäßige Sportler- und Ehrenamtsehrung für ihn ein „Gebot des Respekts“ sei. Morgenroth sieht es hingegen als „eine Möglichkeit“ an, über „eine Struktur mit Referenten für Sport, Kultur und weitere Bereiche“ nachzudenken: „So könnten Strukturen und Ziele kontinuierlich umgesetzt werden.“
Anderer Meinung sind Rothmayer und Sedlbauer: Während aus Rothmayers Sicht „ein separater Sport- und Kulturreferent“ in der Vergangenheit nicht notwendig gewesen sei, da die SV-DJK-Vorsitzenden in jüngster Vergangenheit als gewählte Stadträte Zugang zu den politischen Entscheidern hatten, findet Sedlbauer, dass „die Anliegen der Vereine derzeit in der Verwaltung sehr gut bearbeitet werden“. Die Sportlerehrung gehört dagegen aus Sicht des CSU-Politikers „dringend wieder eingeführt“. Rothmayer will bei dieser Frage die Vereine mitentscheiden lassen: „Ob eine Sportlerehrung oder auch ein Neujahrsempfang für Vereine gewünscht ist, würde ich gerne mit den Verantwortlichen des Sportvereins und unserem Ortskartellvorsitzenden besprechen.“
Wo sich alle fünf Bewerber, die ab 1. Mai die Nachfolge von Peter Kloo (SPD) antreten wollen, einig sind: Auch wenn die Unterstützung von Vereinen aus kommunalrechtlicher Sicht keine Pflichtaufgabe ist, so ist es doch eine notwendige Aufgabe. So sind Vereine nach Einschätzung von Rothmayer „für ein gutes gesellschaftliches Zusammenleben unverzichtbar“, weshalb er auch in Zeiten „enger Kommunalfinanzen“ gemeinsam mit den Vereinen einen Weg finden will, „die finanzielle Unterstützung weiterhin sachgemäß zu schultern“.
Demmel bezeichnet die Förderung des Vereinslebens als „faktische Pflicht, da Vereine das Fundament unseres sozialen Zusammenhalts bilden“. So sei die Vereinswelt insbesondere für Kinder und Jugendliche „essenziell, um neben Teamgeist auch Struktur, Disziplin und Gemeinschaftssinn zu erlernen“. Weshalb auch Bössl die Unterstützung der Vereine für „sehr wichtig“ hält: Denn diese würden Aufgaben übernehmen, „die eine Stadt alleine kaum leisten kann“, beispielsweise den „sozialen Zusammenhalt“ fördern, weshalb die Unterstützung auch „kein freiwilliger Luxus“, sondern eine „kluge Zukunftsinvestition“ sei.
Kandidaten sind sich über die Notwendigkeit der Unterstützung einig
Sedlbauer sieht es gar als Kolbermoorer Philosophie an, „unsere Vereine bestmöglich zu unterstützen“, was auch gut so sei. „Insbesondere durch die Jugendfördermittel oder anlassbezogene Zuschüsse gelingt es vielen Vereinen, ihren Betrieb bei gleichzeitig überschaubaren Mitgliedsbeiträgen erfolgreich am Laufen zu halten.“ Morgenroth will der Unterstützung der Vereine ebenfalls eine „hohe Priorität“ einräumen. „Das Ehrenamt übernimmt viele Aufgaben, ohne die eine Stadt nicht mehr rund funktionieren würde“, findet der SPD-Vertreter. „Dadurch ergibt sich ein großer Vorteil und Mehrwert für die Attraktivität Kolbermoors im Ganzen.“





