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Prien ist Pionier bei Sicherheitssystem

Kamera, KI, Smartwatch: Die neuen „Wundermittel“ im Kampf gegen den stillen Tod im Prienavera

Das Freizeitbad Prienavera in Prien am Chiemsee
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Mehr Sicherheit trotz weniger Bademeister: Prien rüstet Freizeitbad auf

Die Bademeister – Pardon: Fachangestellten für Bäderbetriebe – werden nicht arbeitslos. Sie bekommen Hilfe. Von Kameras und Algorithmen. So sollen Krisen erkannt werden, bevor sie Tragödien werden.

Prien am ChiemseeIm Prienavera Erlebnisbad erhöht künftig ein computergestütztes Kamerasystem die Sicherheit der Badegäste. Dirk Schröder, Geschäftsführer der Chiemsee Marina GmbH hat das für sein weitläufiges Bad schon eine Weile im Auge. „Aber jetzt ist das System nicht nur gut, sondern auch zugelassen“, informierte Schröder die Marktgemeinderäte über eine Änderung der Richtlinie der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB), wonach die Schwimmaufsicht nun auch durch technische Hilfsmittel wie Videoerkennung unterstützt werden darf.

Dirk Schröder, Geschäftsführer der Chiemsee Marina GmbH

Den Aufsichtsrat der Chiemsee Marina hatte Schröder schon vor einiger Zeit darüber informiert und prompt den Auftrag bekommen, sich das Sicherheitssystem der Firma Lynxight im Einsatz anzusehen. Also machte sich Schröder auf den Weg ins Münchner Südbad – das näheste Bad, das damit arbeitet. In der Region ist Prien Pionier. Schröder kam zu der Erkenntnis: „Das kann was, das kann Leben schützen.“

Durch den Einsatz eines intelligenten Kamerasystems werden Sicherheitsrisiken reduziert. Florian Grojer, der mit seiner Firma LDV Pool Technologies Lynxight vertritt, erklärt auf Nachfrage der Redaktion, dass die Kameras im Prienavera mit der großen Fensterfront im Rücken und erhöht montiert werden sollen. Dadurch reduziere sich die Spiegelung auf der Wasseroberfläche wegen der Lichtbrechung schon deutlich. Da die Kameras aus verschiedenen Richtungen auf die Becken gerichtet sind, gibt es auch keine toten Winkel. „Sieht‘s die eine Kamera nicht, sieht‘s die andere.“

Wobei: „Sehen“ ist übertrieben, denn die Kameras stellen nicht fest „Oh, schicke Blondine“ sondern nur, dass ein Mensch ins Wasser geht. Und sie erfassen die Bewegungsmuster dieses Körperumrisses. Die gehen sofort weiter an einen Hochleistungsrechner und der erkennt sofort, wenn die Bewegungsmuster untypisch werden – und schlägt Alarm. Er schickt die Badeaufsichten über ihre Smartwatch direkt dort hin, wo den Algorithmen eine Unregelmäßigkeit aufgefallen ist. Und das funktioniert nicht nur mit einer Person, sondern mit hunderten. Die Videoanalyse habe ein sehr hohes Niveau, versichert Grojer.

Im Prienavera Erlebnisbad könnten mit insgesamt 14 Kameras das Außenbecken, das Erlebnisbecken und das Schwimmerbecken überwacht werden. Das System erkennt Schwimmer in Not, Ertrinkungsfälle, sowie überfüllte Bereiche. Und schickt die Schwimmaufsicht los zur hinteren linken Ecke im Außenbecken.

Denn die Frauen und Männer, die für die Sicherheit der Badegäste sorgen sollen, werden immer weniger. Mehrere Bäder der Region suchen schon länger Personal. Und sie werden noch dazu abgelenkt – weil sie eine Frage eines Badegastes beantworten, weil mal wieder ein Jugendlicher mit Schwung und Arschbombe mitten unter den Schwimmern landet, weil ein ganzer Kindergeburtstag für Wirbel sorgt. Da gerät der alte Herr mit massiven Kreislaufproblemen schnell aus dem Blickfeld. Des Menschen, nicht der Maschine. Die schlägt am Handgelenk Alarm.

Zu zweit unterwegs, das schaffen Badeaufsichten fast nur noch fürs Foto. Technik soll ihnen jetzt helfen, ihren verantwortungsvollen Job im weitläufigen Prienavera zu machen

Wild strampeln und winken sind Ausnahmen

Ertrinken ist meist ein stiller Tod. Zappeln, strampeln und wild winken ist in Filmen deutlich weiter verbreitet, als in der Realität. Kleine Kinder zum Beispiel erstarren regelrecht. Ob die Kameras und die KI das auch erkennen können, war eine Nachfrage im Marktgemeinderat. „Können sie“, versicherte Schröder. Weil die Algorithmen auf die vielen verschiedenen Muster getrimmt sind, die auf Ertrinken hindeuten, ergänzt Grojer im Gespräch mit der Redaktion. Das System erkennt die Körperlage im Wasser anhand von Körperumrissen und nutzt biomechanisches Wissen – etwa, dass sich ein Ellenbogen nur in eine Richtung bewegen kann. So kann es ableiten, wie der Körper im Wasser liegt und welche Körperteile sich über oder unter Wasser befinden, erklärt Grojer.

14 Kameras, Smartwatches für die Schwimmaufsichten, Rechnerkapazitäten – könnte ein teures Sicherheitsnetz werden, oder? Ein Angebot der Firma Lynxight, vertreten durch die LDV Pool Technologies GmbH aus Wang, gibt es. Die Kosten für das System belaufen demnach auf 75.200 Euro netto, also etwa 90.000 Euro mit Mehrwertsteuer. „Eine gute Investition, wenn man damit auch nur ein Leben rettet“, so Karina Dingler (ÜWG). Damit war alles gesagt, die Ratskollegen aller Fraktionen schlossen sich Dingler an und die Anschaffung des Sicherheitssystems von Lynxight wurde einmütig beschlossen.

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