Jahrhunderthochwasser vor 20 Jahren
„Ihr müsst helfen, sonst saufen wir ab“: Wasserburgs Feuerwehrler Göpfert erinnert sich an 2005
„Haarscharf an der Katastrophe vorbeigeschrammt“: So erinnert Wasserburgs Feuerwehrler Rudi Göpfert an das Jahrhunderthochwasser 2005. Er war mittendrin, als der Inn „wahnsinnig schnell anstieg“ und die Fluten drohten, die Innstadt zu überschwemmen.
Wasserburg – 20 Jahre ist es her, dass die Wasserburger zitternd auf die Pegelstände des Inn blickten: In der Nacht vom 23. August auf 24. August 2005 kam es in der Stadt zu einem Jahrhundert-Hochwasser. Innerhalb weniger Stunden schwoll der Fluss auf 719 Zentimeter an, bis heute ist es der höchste jemals gemessene Pegelstand. Vielen Betroffen, Helfern und Einsatzkräften von damals sind dieser Tag und auch die darauffolgenden noch in lebhafter Erinnerung. Unter ihnen: Rudi Göpfert von der Feuerwehr Wasserburg. Er war damals Abschnittsleiter in der Altstadt und hat diese Tage im August bis heute nicht vergessen.
„Ich bin damals mit den Kindern ins Deutsche Museum gefahren“, erzählt er. Zu diesem Zeitpunkt hätte er sich noch wenig Gedanken um den Inn gemacht, erst in München kam der erste Schock. Die damalige „Vb“-Wetterlage (gesprochen Fünf-B-Wetterlage) hatte bereits die Isar in einen reißenden Fluss verwandelt. Bei deren Anblick seien ihm die ersten mulmigen Gedanken gekommen, erinnert sich Göpfert.
20 Jahre Hochwasser in Wasserburg: Die beeindruckendsten Bilder aus dem Jahr 2005




Hektische Arbeiten am Bahnhofsplatz
Per Telefon habe er noch Georg Schmaderer, zu dieser Zeit Zweiter Kommandant in Wasserburg, kontaktiert und gefragt, wie der Inn aussehe. Der verhielt sich aber zu der Zeit noch ruhig. Wenige Stunden später sah die Situation aber ganz anders aus. „Es ging wahnsinnig schnell“, erzählt er. Innerhalb kürzester Zeit sei der Inn rasant gestiegen. „Bis wir daheim waren, waren wir die Letzten, die die Rote Brücke noch passieren durften“, sagt er.
Es sind viele unterschiedliche Details, an die sich Rudi Göpfert erinnert. Zum Beispiel an die hektischen Arbeiten rund um den Bahnhofsplatz, nachdem am Knoppermühlweg ein Kanal geborsten war. Kreuz und quer wurden die Säcke über die Straße aufgestapelt. Ohne wirkliches System, aber mit einem Ziel: die Wassermassen irgendwie vom Großteil der Altstadt wegzuhalten. Auch die Wasserburger wurden damals in die Pflicht genommen. „Wir haben alle Leute, die vorbeikamen, aufgehalten und gesagt: Ihr müsst uns helfen, sonst saufen wir ab“, erzählt er.
Auch der Anblick der Anwohner jener Straßen, die bis zur Brust mit Schlamm bedeckt waren und anschließend erzählten, dass sie Fotobücher und anderes Hab und Gut verloren hätten, ist ihm noch gut im Gedächtnis geblieben.
Aber da sind auch Erinnerungen, die ihn heute noch zum Schmunzeln bringen. Zum Beispiel von den Bierfässern, die über den Inn geschwemmt wurden, sich bei der Roten Brücke verkeilten und anschließend durch den Wasserdruck meterweit in die Höhe schossen. „Wir haben später erfahren, dass irgendwo in Österreich ein Bierkeller überflutet wurde“, sagt er. Ein Zufall, der den Einsatzkräften trotz der kritischen Situation einige lustige Momente bescherte.
Räumen oder Inndamm sprengen?
Bis heute kann sich Göpfert auch an einige Lagebesprechungen erinnern, in denen überlegt wurde, die Stadt zu räumen. „Um zu evakuieren war es zu spät, nur räumen – also das Wichtigste packen und raus – hätte noch was gebracht“, erzählt er. Der Plan sei dann aber verworfen worden, zum einen, weil auch dafür keine Zeit mehr blieb, zum anderen, weil die Rampe – aufgrund der gesperrten Innbrücke der einzige Zufahrtsweg zur Altstadt – zugeparkt war mit Autos, die die Wasserburger vor den Innfluten retten wollten. Ein Durchkommen für die Busse sei kaum möglich gewesen.
Ein anderer Plan habe die Sprengung des Inndamms beinhaltet, einmal auf Höhe der Paulaner-Stuben und einmal auf der anderen Seite. Angedacht für den Moment, an dem der Inn über sieben Meter steigt, um zu verhindern, dass sich der Schlamm des Flusses in der ganzen Altstadt verteilt. „Der Plan war, einen Durchlauf zu schaffen, damit der Dreck durchgespült wird“, sagt Göpfert. Zum Tragen sei der Plan nur deshalb nicht gekommen, weil das Pegelstand-Messgerät des Inns zwischenzeitlich kaputtgegangen sei und deshalb niemand mehr so genau gewusst habe, wie hoch der Fluss denn tatsächlich gestanden war.
Langwierige Aufräumarbeiten
Lange Aufräumarbeiten gab es für die Einsatzkräfte dennoch, vor allem rund um den Bahnhofsplatz. „Das hat gestunken, das kann man sich nicht vorstellen“, erzählt er. Überall sei der Schlamm gewesen und auch die Einsatzkräfte selbst seien dermaßen verschlammt gewesen. „Das Schönste am Tag war, sich eine trockene Hose anzuziehen.“ Knapp eine Woche, schätzt Göpfert, sei die Wasserburger Feuerwehr, gemeinsam mit den umliegenden Feuerwehren und der Bundeswehr, mehr oder weniger im Dauereinsatz gewesen. „Wir haben abwechselnd drei, vier Stunden geschlafen, dann ging es wieder weiter“, erzählt Göpfert.
Heute sagt er, es sei glimpflich ausgegangen. Eine Tiefgarage musste überflutet werden, einige Häuser wurden in Mitleidenschaft gezogen. Doch es gab keinen Personenschaden und die Altstadt konnte gerettet werden „Wir hatten großes Glück. Wir sind wirklich haarscharf an der Katastrophe vorbeigeschrammt“, sagt Göpfert. Sich an das Hochwasser vor 20 Jahren zu erinnern, sei aber dennoch wichtig. „Hochwasser ist bis heute das größte Gefahrenpotenzial, das wir in dieser Stadt haben. Das sollte uns allen bewusst sein“, mahnt Göpfert.






