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„Es war gespenstisch“: Zeitzeuge erinnert sich

„Blut und Wasser geschwitzt“: Wie Wasserburg 2005 knapp dem Hochwasser entging

Beim Jahrhunderthochwasser 2005 entging Wasserburg nur knapp einer Katastrophe. Damals als Feuerwehrmann in Einsatz war Thomas Rothmaier.
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Beim Jahrhunderthochwasser 2005 entging Wasserburg nur knapp einer Katastrophe. Damals als Feuerwehrmann im Einsatz war Thomas Rothmaier.

Auf über sieben Meter schwoll der Inn am 23. August 2005 an. Wasserburg entging damals nur knapp einer Vollkatastrophe, erinnert sich Thomas Rothmaier, der damals als Feuerwehrmann im Einsatz war. Wie die 14 Stunden abliefen und warum eine Evakuierung nicht infrage kam.

Wasserburg am Inn – An dieses Ereignis von vor 20 Jahren können sich noch viele Wasserburger erinnern. 2005 entging die Stadt am Inn nur knapp einer Vollkatastrophe. Der Fluss schwoll so hoch an, wie noch nie. Es kam zu einem Jahrhunderthochwasser. Die bangen Stunden am 23. August 2005 hat auch Thomas Rothmaier aus Wasserburg erlebt. Damals war er als Feuerwehrmann mit an vorderster Front. Wenn er sich daran zurückerinnert, schüttelt es ihn immer noch.

An das Jahrhunderthochwasser 2005 erinnern sich viele Wasserburger noch mit Schrecken.

„Es war grausig“, sagt er. „Absolut grausig.“ Auf 7,19 Meter stieg der Inn damals, so hoch wie nie zuvor. Der Deich hielt damals das Wasser bis zu einer Höhe von 7,24 Meter zurück. Das heißt: Sechs Zentimeter haben die Stadt damals vor Wasser, Schlick und Sand gerettet. „Wir haben Blut und Wasser geschwitzt“, erinnert sich Rothmaier.

Viel Sand geriet in die Altstadt an diesem Tag. Nur der Deich verhinderte Schlimmeres.

Es war eine sogenannte „Vb“-Wetterlage (gesprochen Fünf-B-Wetterlage), die Wasserburg damals so zu schaffen machte. Dabei handelt es sich um ein Tiefdruckgebiet über dem Mittelmeerraum, das in der Vb-Zugbahn in nordöstliche Richtung über Europa zieht. Beim Zusammenstoß mit der kalten Polarluft kann es dann zu extremen Niederschlägen kommen. Kann, denn meistens gehen Vb-Wetterlagen glimpflich aus. Nicht so aber 2005.

Sogar die Bundeswehr kam nach Wasserburg.

„Es hat sich schon am Vormittag abgezeichnet, dass was kommt“, erinnert sich Rothmaier. Die ganze Stadt sei schon in Alarmbereitschaft gewesen. Um 13.10 Uhr, daran erinnert er sich noch genau, ging dann der Piepser der Feuerwehrleute. „Hochwasser am Inn“, so die Meldung.

Die Zentrale der Feuerwehr Wasserburg beim Hochwasser 2005: Unter den Helfern: Thomas Rothmaier – hier am Fenster.
Thomas Rothmaier ist weiterhin aktiv bei der Wasserburger Feuerwehr.

Rothmaier war damals in der Zentrale eingesetzt, dort, wo alle Informationen zusammenlaufen. Sechs Meter, das war der Pegelstand, der ihnen gemeldet wurde. Leicht zu schaffen für den Deich, der in den 80er Jahren errichtet wurde. „Die ganze Stadt hat sich sicher gefühlt“, erzählt Rothmaier. Ein Trugschluss, wie sich mitten in der Nacht herausstellen würde. „So gegen ein Uhr nachts hat die Freihamer Feuerwehr gemeldet: Der Inn kommt über die Mauer“, erzählt Rothmaier. „Diesen Funkspruch werde ich nie vergessen.“ Es stellte sich heraus: Die elektronische Messung konnte den Pegelstand nicht mehr erfassen. Der Inn war schon längst bei sieben Metern. Eine Katastrophe bahnte sich an.

Sandsack-Barrikaden zogen sich durch die Stadt.

Der Versuch, die Innbrücke mit einem Bagger vor Treibgut zu schützen, wurde aufgegeben. Zu gefährlich war die Situation für die Einsatzkräfte. „Wir hatten große Angst, dass es uns die Brücke einfach wegreißt“, erinnert sich Rothmaier. Stattdessen wurde das Brucktor mit Sandsäcken verbarrikadiert. Dann platzte auch noch ein 100 Jahre alter Kanal an der Knoppermühle. Die Stadt begann vollzulaufen. Die Altstadt zu evakuieren, war zwar im Gespräch, wurde aber wieder verworfen. „So etwas lässt sich nicht so schnell organisieren.“

An der Knoppermühle barst ein 100 Jahre alter Kanal. Ein Schreckmoment für alle Helfer.

Stattdessen blieb nur: Warten und auf die Wende hoffen. „Es war gespenstisch“, erzählt Rothmaier. „Niemand war auf der Straße, überall lagen die Sandsäcke.“ Eine Tiefgarage in der Neustraße bot schließlich die Rettung. Sie wurde geflutet. So konnten die Wassermassen aufgehalten werden.

Durch den geborstenen Kanal an der Knoppermühle begann die Stadt voll zu laufen. Eine Tiefgarage wurde geflutet, um Schlimmeres zu verhindern.

Schließlich um drei Uhr nachts kam die komplette Entwarnung: Der Inn stieg nicht mehr, der Scheitelpunkt war bei 7,19 Metern geblieben. Sechs Zentimeter unter dem Deich. Um 13.30 Uhr, auch daran kann sich Rothmaier noch genau erinnern, ging es für ihn nach Hause. 24 Stunden nach dem ersten Alarm.

Die Feuerwehren aus der Umgebung halfen bei den gröbsten Aufräumarbeiten.

Noch im folgenden Jahr wurden der Hochwasserschutz der Stadt ausgebaut und der Deich erhöht. Ab einem Pegelstand von 7,50 Metern wird nun von einer massiven Überflutung der Altstadt ausgegangen. Es wären also noch einige Zentimeter Luft für ein weiteres Rekordhochwasser. Rothmaier hat aber genug Rekorde erlebt, für ihn kann 2005 noch gerne lange ein Superlativ bleiben. „Es gibt nichts Überflüssigeres als Hochwasser“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Dieses Interview mit Thomas Rothmaier erschien bereits im August 2023 im Rahmen des Wasserburger Ferienrätsels.

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