Medical Park Bernau
Segeln auf dem Chiemsee als Therapie gegen Depression? Das steckt hinter spektakulärem Pilotprojekt
In 2020 war das therapeutische Segeln als Pilotprojekt in Bernau gestartet. Jetzt wird es ernst: Zwei Segelboote liegen gut vertäut am Steg der Medical Park Klinik Chiemseeblick und warten auf Patienten, die sich ihren Ängsten auf einem Segelboot stellen wollen.
Bernau – Segeln, das klingt eher nach Vergnügen als nach medizinischer Therapie. Aber für Prof. Dr. med. Andreas Menke, Ärztlicher Direktor und Chefarzt Medical Park Chiemseeblick, soll die Therapie im Mittelpunkt stehen. Auch die Gäste, zahlreich erschienene Mitarbeiterinnen sowie Fachkollegen von außerhalb, sind vom Erfolg dieser Therapie überzeugt. Obgleich es bislang noch wenig Datenmaterial dazu gibt. Das will die Fachklinik jetzt ändern.
Ergebnisse aus bisherigen Studien – eine aus Sardinien, eine mit US-Veteranen sowie die Ergebnisse des Pilotprojekts und weitere allgemeine Fachliteratur – hatte der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie bei einem Vortrag im Haus vor der eigentlichen Bootstaufe vorgestellt. Sport sei gut für Körper und Psyche, betonte Prof. Dr. Menke. Laut zweier Studien aus 2005 und 2016 hätten körperlich aktive Personen ein um etwa 45 Prozent niedrigeres Risiko für Depression.
Sport habe zudem bei Depression günstige Effekte auf den Krankheitsverlauf. Da die Klinik direkt am Chiemsee liegt, biete sich das Segeln hier geradezu an, so der Mediziner weiter. Der Patient sei nicht allein auf dem Boot. Segeln verbessere die Kommunikations-Fähigkeiten, die Selbstwirksamkeit, das Selbstvertrauen, den Selbstwert und das Körpergefühl und stärke die Achtsamkeit. Überhaupt werden, so Dr. Menke in seinem Vortrag weiter, sport- und naturbasierte Therapien wie beispielsweise das Waldbaden immer häufiger in klinische Behandlungsalgorithmen integriert.
Pilotprojekt zeigte Verbesserungen
„Segeln beinhaltet Elemente eines klassischen Expositionsverfahrens im Rahmen einer kognitiven Verhaltenstherapie“, erklärt der Fachmann. Beim Pilotprojekt 2020 habe sich gezeigt, dass bereits zwei Stunden psychotherapeutisch begleitetes Segeln zu einer signifikanten Abnahme depressiver Symptome und Anspannung sowie zu einer signifikanten Besserung der Stimmung führte. Was sich auch bei späterem Segeln zeigte. Es gab also „eine signifikante Verbesserung von prä zu post,“ konstatierte der Mediziner.
Nun wolle man die Studien fortführen. Darin sollen unter anderem diesen Fragen nachgegangen werden: Was verändert Segeln bei Patienten mit Depression und Angst? Welche Patienten profitieren, welche nicht? Haben Trauma und Stress einen Einfluss auf die Wirkung des Segelns? Es sei ein teures Unterfangen, aber auch ein Aushängeschild, erklärte Natalie Mahl, stellvertretende Leiterin Psychologie, nach dem Vortrag auf dem Weg zum Steg.
Segelboote von Fachpersonal getauft
Die Unternehmensphilosophie von Medical Park – Gesund werden in traumhafter Lage – werde hier direkt gelebt. Die beiden vertäuten Segelboote unter weiß-blauem Himmel sprechen für sich. Simone Koller, Leiterin Patientenservice, übernahm die Patenschaft für Valentina. Valentina, der Name stehe für Mut, und Tapferkeit, sich seinen Ängsten zu stellen, sagte Koller. Sie hoffe, dass das Boot seinem Namen alle Ehre mache.
Dr. Bernd Regler, Internist, taufte das zweite Boot auf den Namen Esperantia. Man rede bei einer Bootstaufe mit dem Schiff, das bringe Glück, betonte der Mediziner. „Ab heute bist du nicht nur eine Seriennummer, sondern trägst den Namen Hoffnung.“ Er animierte alle Gäste zu einem dreifachen „Hip Hip Hurra.“ Begleitet von einem Skipper und einem Psychotherapeuten sollen künftig auf einem Boot bis zu vier Patienten mit Depressionen segeln gehen. Wissenschaftlich begleitet, und selbstverständlich nur bei guten Wetterbedingungen
