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Zeichen der Solidarität mit der Ukraine

„Hoffen auf ein Ende dieses Albtraums“: Friedens-Gebet auf dem Priener Marktplatz

Mächtiges Glockengeläut vom Kirchenturm, Fürbitten und Lieder als Zeichen der Solidarität mit der Ukraine: Über 100 Menschen kamen auf dem Priener Marktplatz zum Friedensgebet zusammen. Berger
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Mächtiges Glockengeläut vom Kirchenturm, Fürbitten und Lieder als Zeichen der Solidarität mit der Ukraine: Über 100 Menschen kamen auf dem Priener Marktplatz zum Friedensgebet zusammen.

Ein Jahr Ukrainehilfe in der Marktgemeinde Prien: Die große Unterstützung aus der Bevölkerung hält nach wie vor an.

Prien – 24. Februar 2023: Es ist ein friedliches Bild in der Abenddämmerung auf dem Priener Marktplatz. Über 100 Menschen stehen im großen Rund zwischen Taufkapelle und den Geschäften beisammen, zum Teil wie in sich selbst versunken, mit geschlossenen Augen, zum Teil erkennbar betend, alle halten kleine Kerzenleuchter in den Händen, einige haben eine blau-gelbe Flagge um ihre Schultern geschlungen.

Dies sind Frauen und wenige Männer, die hier am Chiemsee Zuflucht gefunden haben. Es lässt Passanten erahnen, worum es hier geht: um den Krieg in der Ukraine, um Anteilnahme, um „Hoffen auf ein Ende dieses Albtraums“, wie zu hören ist, um ein Bitten um Frieden in der Welt.

Ein deutliches Zeichen der Solidarität

Eingeladen dazu hat der Arbeitskreis Christlicher Kirchen Chiemsee (ACK), dessen Vorsitzender Klaus Lerch die Teilnehmer begrüßt und „als ein deutliches Zeichen der Solidarität mit den Menschen in der Ukraine und Geflüchteten in unserer Land“ ein landesweites zehnminütiges Glockenläuten ankündigt. „Es wird überall dort zu hören sein, wo Menschen zusammengekommen sind und für Frieden beten.“

Es ist ein emotionaler Jahrestag

Gespräche sind jetzt nicht mehr auszumachen, das festliche Geläut vom Turm der katholischen Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt übertönt sogar den Verkehrslärm von der nahen Kreuzung der Bernauer Straße mit der See- und Rathausstraße.

Dieser Freitag, 24. Februar 2023, ist ein emotionaler Jahrestag – für Flüchtlinge in der Marktgemeinde wie auch für viele Priener: In der Ukraine tobt seit einem Jahr ein brutaler Angriffskrieg, mit dem Russland sein Nachbarland als eigenes Staatsgebiet unterwerfen will. Dieser Krieg brachte Tod, Verwüstung und unsägliches Leid über das Land – und löste eine Fluchtwelle in Richtung Westen und Sicherheit aus. Sie erreichte Anfang März 2022, wenige Tage nach Kriegsbeginn, auch die Marktgemeinde Prien.

Ukrainische Flüchtlinge – in der Mehrzahl Frauen und Kinder – wurden auf Weisung des Landratsamtes Rosenheim in der Turnhalle des Ludwig-Thoma-Gymnasiums (LTG) untergebracht. Sie waren aber nicht auf sich alleine gestellt: Die Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung war vom ersten Tag an groß. Und hält bis heute an.

Die Freitags-Bilder auf dem Marktplatz rufen einen Tag später bei einem Treffen von Vertretern der örtlichen Ukraine-Hilfe mit den OVB-Heimatzeitungen den Abend des 2. März 2022 in Erinnerung. Denn: „Ausgangspunkt der organisierten Hilfe in Prien war eine Friedensaktion im Ortszentrum“, erinnert Mirko Hoppe, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Prien. Gemeinsam mit der Priener Ärztin Dr. Katharina Dziura und Carla Fischer von der Priener Flüchtlingshilfe hatte Hoppe damals diese Friedensaktion organisiert, unterstützt von vielen engagierten Helferinnen und Helfern.

Aufgereiht zur langen Lichterkette an der Bernauer Straße: Über 300 Menschen beteiligten sich am 2. März 2022 an der abendlichen Friedens-Mahnwache.

Als Aktionsgruppe aktiv geworden

Knapp 300 Teilnehmer aus der Bevölkerung wurden gezählt, die sich abschließend auf dem Bürgersteig entlang der Bernauer Straße in einer langen Lichterkette aufreihten (wir berichteten).

„Zu dem Zeitpunkt hatten wir bereits Kontakte zu den Flüchtlingen in der LTG-Turnhalle aufgenommen“, so der Pfarrer. „Wir fungierten als eine Art Aktionsgruppe, die unkonventionell angefragt werden konnte zum Beispiel für Hilfestellungen, Beschaffung von Dingen fürs tägliche Leben bis hin zu Möbeln.“ Dann kam die Marktgemeinde ins Spiel: Die „unkonventionellen“ Aktionen wurden mit dem „Runden Tisch Ukrainehilfe“ in organisierte Bahnen gelenkt. Ressorts entstanden, wurden mit Ansprechpartnern besetzt für Bereiche wie zum Beispiel Sachspenden, Verpflegung, Schule, Kinderbetreuung oder Jobvermittlung.

Seitdem gibt es wöchentlich ein Treffen im Rathaus unter Leitung des Dritten Bürgermeisters und Sozialreferenten des Marktgemeinderates, Martin Aufenanger (FWB), um die Hilfsangebote aus diesen Ressorts zu koordinieren. Ansprechpartner dafür ist das Rentner-Ehepaar Seipel.

„Meine Frau Regina und ich wurden anfangs über die katholische Pfarrei wie auch über die Bürgerhilfe einbezogen“, blickt deren Vorsitzender Fritz Seipel zurück. „Erstaunt war ich darüber, wie viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer zu dem Zeitpunkt schon zusammen agiert haben, es waren über 70.“

Aktuell gibt es für ihn viel zu tun, unter anderem Möbel besorgen und transportieren, ukrainische Flüchtlinge zum Arzt begleiten oder bei Bedarf ins Krankenhaus fahren. „Die Menschen, die ich betreue, sind sehr aufgeschlossen, sie freuen sich über jede Hilfe, helfen allerdings auch aktiv ihren Landsleuten.“ Persönlich fühlt sich Fritz Seipel schon sehr betroffen von dem schweren Schicksal dieser Menschen, wie er zugibt. Was ihn aber motiviert, ist „die ständige Hilfsbereitschaft aus unserer Bevölkerung, den Flüchtlingen in ihrer schweren Lebenssituation beizustehen“.

Begeistert von dem unermüdlichen Einsatz vieler Prienerinnen und Priener sind auch die Diplom-Volkswirtin Carla Fischer und Nadine Feraco-Gaertner (Heilpädagogin), beide sozusagen „aktive Frauen der ersten Stunde“ in der örtlichen Ukrainehilfe. Prägend in Erinnerung geblieben seien ihr die ersten Begegnungen mit Flüchtlingen in der Turnhalle, erklärt Carla Fischer.

Beständiger Antrieb fürs Helfen

„Es waren sehr viele Frauen mit Kleinkindern, und wir haben versucht, so schnell wie möglich Härtefälle aus der Halle heraus zu holen und in Wohnungen unterzubringen.“ Ihr beständiger Antrieb fürs Helfen sei das Gedankenbild, „was würde ich erwarten, wenn ich mich mit meinen Kindern in einer ähnlichen Situation befinden würde“.

Von Anfang an hat Nadine Feraco-Gaertner gespürt, dass es eine große Bereitschaft nicht nur seitens der offiziellen Stellen gibt, sondern auch im Hintergrund. „Es gab gleich Unterstützung für uns, als Mirko Hoppe und ich eine Kinderbetreuung für die Flüchtlinge aufgezogen haben.“ So habe sie ukrainische Frauen mit pädagogischem Hintergrund kennengelernt, die bis heute aktiv mitwirken. Was sie aber umtreibt: „Die Tatsache, dass es tatsächlich noch Krieg in Europa geben kann, hat bei mir eine große Unsicherheit ausgelöst.“

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Wie wohl auch bei den Menschen, die am 24. Februar 2023 auf dem Priener Marktplatz gemeinsam für ein Ende des Krieges und für Frieden gebetet haben.

Ukrainiehilfe im Markt Prien

Weitere Informationen zur Ukrainehilfe Prien und Übersicht der Ansprechpartner unter: https://www.prien.de/de/rathaus/ukrainehilfe.htm

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