Gasthaus steht seit mehr als zwei Jahren leer
Kein Wirt in Sicht? Was Gastro-Coach Andreas Bartelt dem Inhaber des Schäfflerwirts in Vagen rät
Seit über zwei Jahren müssen die Vagener auf ihr zweites Wohnzimmer – den Gasthof Schäffler – verzichten, nachdem der letzte Pächter Ende 2021 das Handtuch geschmissen hatte. Wie der Stand bei der Suche nach einem neuen Wirt ist – und was ein Gastro-Coach dem Inhaber rät.
Feldkirchen-Westerham – Unzählige Liter Wasser sind Gold- und Kotbach hinabgeflossen, seit im Gasthof Schäffler in Vagen letztmals Bier für die Gäste gezapft worden ist: Seit 31. Dezember 2021 – also bald seit 2,5 Jahren – steht das Wirtshaus, das bei vielen Einheimischen einfach unter dem Namen „Schäfflerwirt“ bekannt ist, leer. „Es tut sich mittlerweile wenigstens ein bisserl was“, sagt Georg Schäffler, dem das Gebäude an der Hofmarkstraße im Feldkirchen-Westerhamer Ortsteil Vagen gehört. Von einem „Hoffnungsschimmer“ will er dennoch „noch nicht“ sprechen.
Nicht nur bei Vereinen oder Stammtischlern war er fast schon so etwas wie ein zweites Wohnzimmer, auch Ausflüglern, die das Mangfalltal erkundeten, wurde der Schäfflerwirt oftmals als Einkehrmöglichkeit angepriesen, beispielsweise bei Apps oder Webseiten für Ausflügler. Doch seit mehr als zwei Jahren müssen Einheimische und Ausflügler auf die dortige Gastlichkeit verzichten, nachdem der bisherige Pächter den Pachtvertrag mit Georg Schäffler nicht verlängert hatte.
Auch ein witziges Video brachte keinen Erfolg
Seitdem versucht nicht nur der Inhaber des Gebäudes, einen neuen Wirt für das Gasthaus, das auch noch Gästezimmer beinhaltet, zu finden. Auch Vereine aus dem Dorf hatten sich bereits zusammengeschlossen, um mit einem witzigen Video einen neuen Gastronomen ins Mangfalltal zu locken. Genützt hat‘s bislang allerdings nichts. „Nein, einen neuen Wirt haben wir noch nicht“, bestätigt Georg Schäffler auf OVB-Anfrage.
Allerdings sei etwas Bewegung in die Suche gekommen, nachdem er vor einiger Zeit ein Maklerbüro eingeschaltet habe. „Es hat mit einigen möglichen Interessenten bereits Kontakt gegeben“, sagt Schäffler. Die Gespräche seien derzeit aber „noch in einer Entwicklungsphase“, weshalb er auch noch nicht „von einem Hoffnungsschimmer“ sprechen will. Auch weiterhin habe er die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass ins Gasthaus wieder gastronomisches Leben einziehen könnte – zumal ein neuer Wirt laut Schäffler „eigentlich recht schnell durchstarten könnte“.
Eine Einschätzung, die Andreas Bartelt aus München, der sich als Coach und Unternehmensberater für Gastronomiebetriebe in den vergangenen Jahren einen Namen in der Szene gemacht hat, nicht unbedingt teilt. „Wenn ein Gebäude so lange leer steht, wird es ja nicht unbedingt besser“, sagt der Gastronomie-Berater, der unter anderem Ausbildungen als Koch und Restaurantfachmann vorweisen kann. Seit Jahren steht er mit seinem Unternehmen „Der GastroCoacher“ nun Betrieben aus dem Hotel- und Gastronomiebereich mit seinem Erfahrungsschatz beratend zur Seite.
„Gewinnoption“ als wichtiges Stichwort
Das größte Problem seiner Einschätzung nach: „Ein Wirt, der eine derartige Wirtschaft übernimmt, muss einfach eine Gewinnoption sehen“, sagt der Experte. „Wenn sich dort nur ein paar Dorfbewohner an zwei oder drei Tagen treffen, dann wird es schwierig.“ Dass der Inhaber des Gebäudes mittlerweile einen Makler eingeschaltet hat, findet Bartelt richtig. Er bringt allerdings auch eine Option ins Spiel, die der Inhaber sowie die Vereine, deren Treffpunkt der Schäfflerwirt jahrzehntelang war, eigentlich schon ausgeschlossen haben: die Übernahme der Wirtschaft durch die Dorfgemeinschaft.
„Dass Gemeindebürger einen Verein gründen, um ein Gasthaus weiterzuführen, habe ich auch schon in anderen Kommunen empfohlen“, verrät der Gastronomie-Experte, der derartige Projekte auch als Berater begleitet. Wichtig sei in solchen Fällen vor allem, dass der komplette Geschäftsablauf detailliert ausgearbeitet werde, denn: „Es geht ja nicht nur darum, dass beispielsweise regelmäßig jemand hinter dem Tresen steht und ausschenkt, sondern auch darum, dass jemand da ist, wenn zum Beispiel das Bier angeliefert wird.“ Um die Küche bei größeren Festen oder Feiern zu entlasten, könnte das Wirtshaus dann von einem Caterer oder einem anderen Gastronomiebetrieb aus der Nachbarschaft beliefert werden.
Andreas Bartelt: „Es müssen wirklich alle wollen.“
Ein derartiges Projekt setzt laut Bartelt allerdings voraus, dass sich die Vereinsmitglieder, die die Wirtschaft betreiben würden, dafür auch ausreichend Zeit nehmen. „Möglichkeiten in diesem Bereich, die Mitstreiter zu motivieren, beispielsweise durch ein Belohnungssystem, von dem die besonders engagierten Mitglieder profitieren, gibt es viele“, sagt Bartelt, der aber auch klarstellt: „Es müssen wirklich alle wollen – vom Inhaber der Immobilie über die Vereine bis zu den Dorfbewohnern. Und alle müssen etwas dafür tun.“ Denn nur so könne eine derartige Örtlichkeit unter der Führung eines eigenen Vereins „erhalten bleiben“.


