Erster Song geht an seine verstorbene Mutter
Vom DSDS-Kandidaten zur eigenen Single: Dennis Mai (45) aus Bad Aibling startet durch
Einst versuchte Dennis Mai (45) Dieter Bohlen in der Casting-Show DSDS von sich zu überzeugen. 21 Jahre später bringt der Bad Aiblinger nun seinen ersten eigenen Song raus. Der Grund dafür ist der Tod seiner Mutter. Wie es jetzt für ihn weitergeht.
Bad Aibling – Dennis Mai sitzt draußen an einem Tisch des Cafés Melina in Bad Aibling. Die Sonne strahlt ununterbrochen. Vor dem 45-Jährigen steht ein kühles Glas Maracujaschorle. Neben ihm lehnt seine Gitarre. Mai startet derzeit mit seiner eigenen Musik durch. Seine erste Single ist erst kürzlich erschienen. „Schau, Mama“ heißt sein erster eigener Song. Er ist an seine Mutter gerichtet. Die Zeilen hat er nach ihrem Tod geschrieben. „Ihr verdanke ich das alles“, sagt er nachdenklich.
Schon mit zwölf Jahren stand Dennis Mai auf der Bühne. Damals war er in einer Schülerband als Keyboarder unterwegs. Vor dem ersten Auftritt erkrankte allerdings der Sänger. „Dann habe ich das Singen übernommen und fand das so toll, dass ich das weiter machen wollte“, erinnert sich Mai. Mit 15 Jahren traf der gebürtige Regensburger dann einen seiner Idole. „Ich habe Werner Schmidbauer in Bad Aibling das erste Mal live gehört und ihm eine Musikkassette mit meinem Gesang übergeben“, sagt Mai und lacht. Heute lebt er selbst in der Kurstadt, was er ziemlich „cool“ findet.
Von der DSDS-Bühne zum Solo-Musiker
Für den jungen Dennis Mai stand nach der Begegnung mit Schmidbauer fest, dass er ebenfalls Musik machen möchte. Er entschied sich, Jazzgesang an einer privaten Berufsfachschule für Musik zu studieren. Mit 24 Jahren ging er dann noch einen Schritt weiter. 2004 bewarb er sich bei der deutschen Castingshow DSDS. Er erlebte die Live-Shows, das Zuschauervoting und kam bis kurz vor die beliebten Motto-Shows. „Ich konnte Dieter Bohlen kennenlernen und durfte ihm privat was vorsingen“, verrät Dennis Mai. „Es war eine Ehre und hat mich persönlich weitergebracht, vor allem was mein Selbstbewusstsein angeht.“
Nach dem Aus in der RTL-Liveshow stieg Mai bei einer Rockband ein, mit der er mehrere Jahre „exzessive“ Auftritte feierte. Doch mit den Jahren sei es immer weniger geworden und die Band habe sich aufgelöst. Danach trat er hier und dort solo auf oder spielte bei anderen Bands mit. „Aber ich habe nie meine eigene Musik gemacht, sondern immer nur Lieder gespielt, die für mich geschrieben wurden“, sagt Mai. Die Musik wurde für einige Jahre leiser in seinem Leben. Er setzte sich kaum noch an das Klavier oder spielte Gitarre. Bis plötzlich eine unerwartete Wendung kam. Vor einigen Wochen brachte Mai seinen ersten eigenen Song heraus. „Ich würde sagen, es war Eingebung“, beschreibt es der Musiker.
Ein Schicksalsschlag sorgte dafür, dass Mai Stift und Papier in die Hände nahm und ein Lied schrieb. Seine Mutter verstarb vor kurzer Zeit. Unerwartet. Für den 45-Jährigen ein harter Schlag. Das merkt man, wenn er über sie spricht. „Immer wenn ich gesungen oder Gitarre gespielt habe, hat sie gelacht, mitgeklatscht und mitgesungen. Sie war immer sehr stolz auf mich“, sagt Mai und lächelt. Das Lied für sie sei einfach da gewesen. In kürzester Zeit schrieb er die Zeilen für sie herunter. „Schau, Mama“ heißt es und ist unter anderem auf Youtube und Spotify zu finden.
Die Musik spendet ihm Trost
Das Lied bedeutet Dennis Mai sehr viel. „Es lief auch auf der Beerdigung“, sagt er. Das Lied sei zwar für seine Mutter, doch der 45-Jährige hofft auch, anderen Menschen in ihrer Trauerzeit damit zu helfen. Es werde noch zu wenig über Trauer und Tod gesprochen. Auch hier möchte er eine Veränderung bringen, wenn auch nur eine kleine. „Das Lied ist meine Art der Bewältigung und der Kommunikation mit meiner Mutter“, so Mai. Wenn es ihm nicht gut geht, setzt er sich gerne mit seiner Gitarre auf die Couch und singt das Lied. „Dann habe ich das Gefühl, dass ich mit ihr kommuniziere“, erklärt Mai.
Dass er nun seine eigene Musik machen kann, ist für den 45-Jährigen etwas Besonderes. Auch wenn es nur ein Hobby ist. Denn Dennis Mai hat einen festen Job. Auch wenn er damals seine Ausbildung zum Bankkaufmann für die Musik abgebrochen hat. Dementsprechend geht er das Ganze ruhig an. Kommt ein Lied zustande, trifft er sich mit einem Bekannten in dessen Tonstudio in Kolbermoor und nimmt es auf. An seinem nächsten Song ist der Aiblinger auch schon dran. Entstanden ist dieser an der Mangfall. „Ich bin da gesessen und habe über die Jahreszeiten nachgedacht und dass diese eigentlich immer in unserem Herzen sind“, verrät er. Mehr bleibt aber vorerst geheim.
Dass der neueste Song durch und in seiner Heimat entstanden ist, soll auch für die zukünftigen Songs so bleiben. Vor zehn Jahren zog Dennis Mai nach Bad Aibling. Sein neues Zuhause gefällt ihm sehr. „Es ist ein Traum. Man hat hier alles, was man braucht, um ein schönes Leben zu haben“, sagt er. Aus Bayern wegziehen, kommt für ihn deshalb nicht infrage. Schließlich singt er seine Lieder nur auf Bayerisch. „Meine Musik soll einen lokalen Charakter haben“, erklärt der Aiblinger. „In der Hoffnung, dass ich einfach die Leute erreiche, die hier wohnen.“
Songs entstehen in seiner Heimat Bad Aibling
Früher sah er das noch anders. Da wollte er berühmt werden. Wollte Autogramme geben und auf großen Bühnen auftreten. „Aber man wird älter“, sagt Mai und lacht. Jetzt ist es nur noch ein Hobby. „Es ist mir wichtiger, wenn jemand zu mir sagt, ich habe dein Lied gehört und es gefällt mir“, so der Musiker. Allerdings gibt er auch zu, dass er die Möglichkeit, mal auf dem Sommerfest im Kurpark Bad Aibling aufzutreten, nicht ausschlagen würde. Oder auf einer kleineren Bühne, wie in einer Bar, wo er seine Lieder vorstellen darf. Aber das würde noch dauern, betont Mai. Denn seine Lieder nimmt er erst auf, wenn er sich hundertprozentig sicher damit ist. Derzeit warten noch acht Songs darauf, aufgenommen zu werden.
Seine eigenen Lieder aufzunehmen und zu sehen, was er schaffen kann, ist für den 45-Jährigen unbeschreiblich. Aber ohne die Unterstützung seiner Eltern wäre das vielleicht in diesem Ausmaß nicht möglich gewesen. „Sie waren immer stolz auf mich und haben bei all meinen Auftritten mitgefiebert und mich in jeglicher Hinsicht unterstützt“, sagt Mai. „Ich hatte schon immer eine gute Verbindung zu ihnen und das ist ein Weg, mich zu bedanken.“
