Was die Polizei sagt
Christkindlmarkt Fraueninsel: So steht‘s um die Sicherheit - Warnung vor „Lebensgefahr“ auf Wasser
Auf der Fraueninsel laufen die Vorbereitungen für den Christkindlmarkt. Während das Sicherheitskonzept auf der Insel als hervorragend gilt, warnt die Polizei vor einer oft unterschätzten Gefahr, die auf dem Wasser lauert.
Chiemsee – Die Vorbereitungen zum beliebten Christkindlmarkt auf der Fraueninsel, der am letzten November- und ersten Dezemberwochenende jeweils von Donnerstag bis Sonntag öffnet, laufen auf Hochtouren. Er verspricht auch heuer wieder für Jung und Alt ein ganz besonderes Erlebnis zu werden, da Inselflair und Weihnachtsidylle hier miteinander verschmelzen. Damit die Inselweihnacht unbeschwert genossen werden kann, wurde ein hervorragendes Sicherheitskonzept erarbeitet. Während auf dem Festland Terrorsperren und eine größere Zahl von Sicherheitskräften für mehr Schutz auf den Weihnachtsmärkten sorgen sollen, ist die Situation auf der Insel entspannter. Die Insel gilt als sicherer Ort, da Besucher ausschließlich mit dem Schiff anreisen und ihre Autos auf dem Festland zurücklassen. Zudem gibt es weitere Aspekte, die die Insel vom Festland unterscheiden.
„Wir haben hier einen anderen Besuchertyp als in der Stadt. Es ist nichts für Laufkundschaft, wie wir es auf dem Festland haben. In den Städten geht man auch mal spontan nach der Arbeit oder bei einem Einkaufsbummel auf den Weihnachtsmarkt, trifft sich mit Leuten, ratscht, trinkt ein paar Glühwein und geht dann weiter. Im Gegensatz dazu kommen die Besucher gezielt zur Fraueninsel. Das Publikum ist anders als auf dem Festland. Auf die Insel kommen nicht die Leute, die sich am Glühweinstand betrinken oder Randale machen wollen, sondern Familien, Reisende und Leute, die bewusst die schöne Atmosphäre genießen möchten. Sie planen ihren Besuch, freuen sich auf den Tag und sind positiv eingestellt. Dadurch hatten wir in der Vergangenheit kaum Probleme“, sagt Dienststellenleiter Jürgen Thalmeier von der Polizeiinspektion Prien.
Dennoch steht auch auf der Inselweihnacht die Sicherheit an erster Stelle. In dieser Zeit werden die Wasserschutzpolizei sowie weitere Polizeikräfte im Einsatz sein. Der Priener Polizeichef lobt vor allem das perfekt ausgeklügelte Sicherheitskonzept, das eigens für den Christkindlmarkt erstellt wurde, sowie die hervorragende Zusammenarbeit mit Veranstalter Emanuel Von Oy aus Griesstätt, Inhaber der ECHT EVOY UG, und allen mitwirkenden Einsatzkräften. So findet unter anderem morgens vor der Öffnung des Christkindlmarktes ein tägliches Briefing mit den Einsatzkräften statt. Für Sicherheit sorgen Polizei, Rettungsdienst, Wasserwacht und Feuerwehr. Auch die Ordner, die für einen geregelten Ablauf sorgen, sind eine enorme Hilfe. Zudem gibt es zwei Hubschrauberlandeplätze.
Bewährte Zusammenarbeit und schnelle Hilfe im Notfall
„Vergangenes Jahr kam die Bedienung eines Gasthauses auf uns zu und meldete einen medizinischen Notfall bei einer Dame. So war sofort Hilfe da. Während die Polizei Erste Hilfe leistete und sich um die Dame kümmerte, hielten die Ordner die Straße für den Rettungsdienst frei, schirmten die Einsatzstelle ab und hielten Funkkontakt“, erklärt Von Oy.
Auch der Priener Polizeichef ist von dem Sicherheitskonzept des Christkindlmarktes auf der Fraueninsel begeistert. „Was hier sehr positiv ist, ist, dass wir einen Infostand, der vom Veranstalter betrieben wird, als Anlaufstelle haben. Auch das Briefing hat sich bestens bewährt und auch die Ordner, die vor Ort sind. Sie sind sehr gut erkennbar. So haben die Besucher bei Fragen immer jemanden, den sie ansprechen können. Sollte wirklich ein Ernstfall eintreten, können schnellstmöglich Kräfte hinzugeführt werden und zügig Hilfe leisten. Die Ordner sorgen dafür, dass der Rettungsdienst seine Arbeit machen kann und bieten Sichtschutz, damit die Persönlichkeitsrechte der Person, die Hilfe braucht, gewahrt werden“, erklärt Jürgen Thalmeier.
Das Thema Sicherheit ist auf der Insel somit in trockenen Tüchern. Dennoch gibt es gedankenlose Menschen, die sich selbst und andere in Gefahr bringen können – und das mitten auf dem Wasser.
Unerwartete Gefahr auf dem Wasser
„Neben dem Übersetzen zum Weihnachtsmarkt mit den Dampfern der Chiemsee-Schifffahrt wählen auch viele Gäste den Weg mit einem eigenen Wasserfahrzeug. So konnten über die vergangenen Jahre neben Segel- und Elektrobooten immer mehr Ruderboote, Kajaks, Kanus und Stand-Up-Paddles (SUP) am Ufer der Fraueninsel festgestellt werden“, sagt Alexandra Rieger von der Wasserschutzpolizei Prien.
Die Leute unterschätzen die Gefahren. Derzeit liegt die Wassertemperatur im Chiemsee bei etwa acht Grad. „Die Leute sind ja mit allem unterwegs. So fahren sie bei Helligkeit mit ihrem Kajak oder SUP hinüber auf die Fraueninsel und gehen auf den Christkindlmarkt, aber irgendwann wird das Wetter schlechter oder es wird dunkel. Der Rückweg in der Dunkelheit ist sehr gefährlich. Kommt es zum Zusammenstoß mit einem Dampfer oder fällt man ins Wasser, kann das lebensgefährlich sein. Dazu kommt, dass natürlich auch Rettungskräfte in Gefahr gebracht werden“, warnt Jürgen Thalmeier.
Sicherheitshinweise für den Christkindlmarkt Fraueninsel
Informationen zum Christkindlmarkt sind unter www.weihnachtsmarkt-chiemsee.de verfügbar. Es gibt wichtige Hinweise für die Sicherheit auf dem Wasser: Den Fahrgastschiffen im Linienverkehr ist immer auszuweichen. Bei unsichtigem Wetter wie Nebel, Schneetreiben oder starkem Regen dürfen Fahrzeuge nicht aufs Wasser auslaufen. Auch Wasserfahrzeuge ohne Maschinenantrieb, wie zum Beispiel Ruderboot, SUP, Kajak oder Kanu, müssen während der Fahrt bei Nacht sowie bei unsichtigem Wetter ein von allen Seiten sichtbares weißes Licht führen.
Im eigenen Interesse sollte aufgrund der lebensgefährlichen Wassertemperaturen zudem bei allen Passagieren, die mit einem eigenen Wasserfahrzeug unterwegs sind, an Rettungsmittel wie Schwimmwesten und gegebenenfalls Neoprenkleidung gedacht werden. Die Polizei rät eingehend von Bootsfahrten ohne Begleitung ab. Wie im Straßenverkehr droht auch auf dem Wasser ab einem Wert von 0,5 Promille Alkohol im Blut ein Bußgeld beim Führen eines Fahrzeuges. Bei Ausfallerscheinungen liegt sogar schon ab 0,3 Promille eine Straftat vor.
Zudem ist der Wassersport während der Wintermonate zum Schutz der Wildvögel komplett einzustellen. Vom 1. November bis 31. März herrscht an den drei großen oberbayerischen Seen – Chiemsee, Starnberger See und Ammersee – die Winterruhe. In Anlehnung an die Ramsar-Konvention (Übereinkommen über Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung, insbesondere als Lebensraum für Wasser- und Schutzvögel) haben das bayerische Umweltministerium, der bayerische Landesbund für Wasser- und Naturschutz (LBV) und die Wassersportverbände vereinbart, den Wassersport während der Wintermonate zum Schutz der Wildvögel einzustellen. Der Chiemsee ist Ramsar-Gebiet und von herausragender Bedeutung als europaweites Durchzugs- und Überwinterungsgebiet für zahlreiche Wasservogelarten. Umso wichtiger ist es, dass auch andere Wassersportler wie zum Beispiel Kajak- und Kanufahrer und SUP an der Vereinbarung teilnehmen und über die Wintermonate keinen Wassersport betreiben. Weitere Informationen sind in der BaySchiffV (Bayerische Schifffahrtsverordnung) nachzulesen oder können von der Wasserschutzpolizei beantwortet werden.
Da es in jüngster Vergangenheit in diesem Zusammenhang bereits zu Unfällen und lebensgefährlichen Einsatzlagen gekommen ist, möchte die Wasserschutzpolizei Prien an dieser Stelle auf die Gefahren einer nächtlichen Bootsfahrt bei winterlichen Temperaturen hinweisen. Auf eine Anreise mit einem eigenen, witterungsanfälligen Wasserfahrzeug sollte daher besser verzichtet werden. Die Fahrt mit einem Dampfer der Chiemsee-Schifffahrt ist nicht nur sicherer, sondern auch günstiger, da bei Verstößen empfindliche Bußgelder oder sogar Geldstrafen drohen.
Die Polizei Prien und Veranstalter Emanuel Von Oy freuen sich auf eine friedvolle Inselweihnacht und freundliche Besucher. „Unsererseits sind wir bestens vorbereitet und können sicher sein, dass wir uns im Ernstfall auf alle Organisationen verlassen können“, sagt EPHK Jürgen Thalmeier. „Wenn wir hier auch noch etwas Positives sehen wollen, ist es, dass wir keine Straßen auf dem Inselmarkt haben. Diesen Aspekt mussten wir bei unserer Sicherheitsbewertung zum Glück nicht berücksichtigen“, setzt er fort.
