Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Bürgermeister hat Anzeige erstattet

Gleich zwei Eggstätter Maibäume geklaut: Ein Fall ist Tradition – der andere wohl Diebstahl

Der Maibaum von Eggstätt wurde vom Auguststurm umgeworfen. Aus seinem Stamm sollten Kunstwerke entstehen und für die Wiederaufforstung genutzt werden. Doch nur zehn von 28 Metern Stamm sind noch übrig, weil sich dreiste Diebe am Traditionsbaum bedienten.
+
Der Maibaum von Eggstätt wurde vom Auguststurm umgeworfen. Doch nur zehn von 28 Metern Stamm sind noch übrig.

Die Eggstätter haben derzeit zwei Maibäume – ihren neuen und den alten. Beide wurden gestohlen. Der eine aus Tradition, der andere wohl eher aus Dummheit. „Absolut geschmacklos“, sagt der Bürgermeister und hat Anzeige erstattet.

Eggstätt – Der Maibaum gehört zu den schönsten und spannendsten Traditionen in Bayern. Vor allem die Tage und Wochen vor dem Maibaumaufstellen sind mit unzähligen schlaflosen Nächten verbunden, denn Maibaumdiebe aus der Nachbarschaft kommen bekanntlich auf die verrücktesten Ideen.

Der neue Eggstätter Maibaum schaffte es nicht einmal aus dem Kirchenforst bis in sein Versteck. Kaum hatten Eggstätter Burschen und Hartseer Trachtler die fast 30 Meter hohe Fichte mühsam geschlagen und geschebst, da war sie auch schon in „feindlicher“ Hand. Die Diebe lauerten im Holz und passten den richtigen Moment ab, um den Baum regelkonform zu stehlen. „Die Evenhausener haben zuerst die Hand auf den Baum gelegt“, sagt Bürgermeister Christoph Kraus schmunzelnd.. Ludwig Estner, zweiter Vorstand der Hartseer Trachtler, sieht es ganz pragmatisch: „Es ist doch gar nicht schlecht, wenn sich mehrere Vereine und Orte an der Maibaumtradition beteiligen.“

Wo nachts gewerkelt und gewacht wird

Bis vor wenigen Tagen war das Prachtstück in Evenhausen gut versteckt. Nun ist die Zeit der schlaflosen Nächte angebrochen. In der Nacht von Freitag (12. April) auf Samstag wurde die Fichte aus ihrem Versteck geholt. Das Herrichten hat begonnen. 16 Nächte lang wird nun irgendwo in Evenhausen zu später Stunde bis in den Morgen gewerkelt und gewacht, bevor der Maibaum am 28. April in Eggstätt aufgestellt wird.

Sturm warf alten Maibaum um

Der alte Maibaum stand unter keinem guten Stern. Er erinnerte an dramatische Stunden und große Trauer im Jahr 2022. Der Auguststurm 2023 schließlich hat den Riesen zu Fall gebracht. Der Stamm schlug in parkende Autos ein. Die Spitze – eine goldene Sonne – blieb in einem Holzbalkon am Unterwirt stecken. Verletzt wurde zum Glück niemand.

Die Eggstätter Motivtafeln: Von 19 Tafeln wurden zehn zerstört. Sie werden neu geschnitzt und bemalt. Die anderen werden aufgefrischt. Am 28. April können die Eggstätter das Ergebnis bewundern, wenn ab 10 Uhr der neue Maibaum aufgestellt wird.

Kunstwerke für die Aufforstung

Die Sturmschäden rund um den Maibaum sind inzwischen behoben. Der zerborstene Maibaum wurde am Wertstoffhof gelagert – mit dem Ziel, daraus kleine Kunstwerke zu schaffen. Schreiner Marcus Holzmüller hatte die Idee, die Dorfgemeinschaft in ein einzigartiges Projekt einzubinden: „Aus dem alten Stamm wollte ich Schützenscheiben schneiden, die Eggstätter zum Bemalen animieren und die Kunstwerke dann verkaufen oder versteigern“, schwebte ihm vor. Aus dem Erlös wiederum sollte in Gemeinschaftsaktionen mit Revierförster, Kindereinrichtungen und Schulen ein Stück Wald wieder aufgeforstet werden. „Eine schöne Idee, aus etwas Tragischem etwas Gutes zu machen“, würdigt Julia Hausmann, Chefin der Tourist-Info Eggstätt, die Idee.

Wer klaut denn Rundholz?

Doch dann der Schock: Von einst 28 Metern blieben noch zehn Meter übrig. Zwei Drittel des alten Eggstätter Maibaums, der am Wertstoffhof gelagert war, wurden gestohlen. „Das ist nicht lustig“, beugt Bürgermeister Kraus jedem verschmitzten Lächeln über den vermeintlichen Streich vor. „Das ist geschmacklos. Und es ist Diebstahl.“ Deshalb erstattete er Anzeige bei der Polizeiinspektion Prien. Die allerdings fand außer Sägespänen keine Spuren. Die Diebe nahmen sich zwar die Zeit, den Stamm in transportfähige Stücke zu schneiden. Ertappt wurden sie trotzdem nicht.

Diebstahl ergibt keinen Sinn

„Wenn einer Brennholz klaut, würde ich das ja noch verstehen. Aber wer stiehlt denn Rundholz?“, fragt sich Schreiner Holzmüller seit dem Diebstahl. Er kann sich nicht erklären, wozu jemand den alten Maibaum nutzen kann. Doch vielleicht spielte ja auch Missgunst eine Rolle, sollte die Spendenaktion für die Aufforstung torpediert werden. Gelungen ist das nicht, auch wenn ein fader Beigeschmack bleibt. Der alte Stamm ist jetzt in der Trocknung. „Dann werde ich sehen, was wir daraus noch machen können. Schützenscheiben oder Herzen“, blickt Holzmüller voraus. Auf jeden Fall soll der Wald rund um Eggstätt davon profitieren.

Evenhausener handeln saftige Auslöse aus

Doch zurück zum neuen Maibaum: Noch bevor sie überhaupt Hand ans Bearbeiten legten, haben die Evenhausener am Gründonnerstag mit den Eggstättern über die Auslöse verhandelt: 400 Liter Bier und eine deftige Brotzeit. Dafür helfen sie beim Bearbeiten, Transport und Aufstellen des Baumes. Der Stamm wird seit dem Wochenende (13./14. April) hergerichtet. „Die Evenhausener hobeln, schleifen und streichen den Stamm“, erklärt Paul Stettner vom Eggstätter Burschenverein. „Wir bringen ihnen die Farbe, bereiten den Stamm für die Halterung vor und passen die Spitze für die goldene Sonne an.“

Die Zunfttafeln sind noch in Arbeit. „Zehn wurden durch den Sturm komplett zerstört, werden von Holzbildhauer Benedikt Hundhammer neu geschnitzt und von freiwilligen Helfern bemalt“, erklärt Trachtler Estner. Die anderen Motivtafeln werden erst einmal (nur) repariert und farblich aufgefrischt. Sie sollen in den kommenden Jahren sukzessive erneuert. So wie Geld da ist, denn: „Wir brauchen insgesamt etwa 30.000 Euro. Es wäre toll, wenn die Bürger uns auch weiterhin mit Spenden unterstützen würden“, so Ludwig Estner. Das Anbringen der Tafeln und Schmücken des Baumes übernehmen Eggstätter Burschen und Trachtler. Die Nachtwachen bis zum Maibaumaufstellen allerdings liegen in der Verantwortung der Evenhausener.

Windlast wurde um 40 Prozent gesenkt

Der Maibaum kommt zurück an seinen alten Standort am Birner Garten. Damit er nicht wieder von einem Sturm umgeworfen werden kann, wurde seine Windlast über genaue Berechnungen um 40 Prozent gesenkt. „Die Halterung einiger Zunfttafeln war sehr windanfällig. Deshalb ersetzen wir die Bretter aus Eichenholz durch Metallverwinkelungen“, erklärt Estner.

Volksfest am Birner Platz

Am Sonntag, 28. April, laden die Eggstätter zum Volksfest am Birner Platz ein. Am frühen Morgen wird der Maibaum von seinem Versteck irgendwo in Evenhausen gen Eggstätt transportiert. Vielleicht mit dem Traktor, vielleicht auch mit dem Pferdegespann, das ist noch nicht ganz klar. Nach der Übergabe an die Eggstätter dürfen die Evenhausener am Feuerwehrgerätehaus mit Brotzeit und Bier erst einmal ihren wohlverdienten Lohn genießen. Danach geht es mit vereinten Kräften zur Hauptattraktion des Tages.

Aufstellen mit reiner Muskelkraft

Um 10 Uhr wird der Maibaum gemäß dem Brauch mit reiner Muskelkraft in die Höhe gehievt. Dazu wird er von zwei Seiten mit durch Seile verbundene Holzstämmen eingefasst, den sogenannten Schwaiberln, und mühsam aufgerichtet. Bei einer Länge von knapp 30 Metern und einem Gewicht von mindestens zwei Tonnen ist das nicht ganz ungefährlich. „Deshalb haben wir zur Sicherheit auch einen Kran vor Ort“, erklärt Estner.

Für Sicherheit sollen auch die Straßensperrungen sorgen: Obinger, Seeoner und Priener Straße sowie Kirchplatz und Birner Garten werden am Sonntagvormittag für den Durchgangsverkehr gesperrt. Zur Feier des Tages spielt der Eggstätter Musikverein auf. Kinder- und Jugendgruppe, Aktive, Plattler und Goaßlschnalzer des Trachtenvereins „D‘Hartseer“ zeigen ihr Können. Für das leibliche Wohl sorgt die Dirndlschaft.

Kommentare