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Von Musikern bis Bedienungen

Nach Oktoberfest-Schock: So erlebten Menschen aus der Region Rosenheim den dramatischen Tag

Oktoberfest gesperrt, Musikant und Bedienung aus der Region Rosenheim
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Musikant Karl Beinhofer und Bedienung Irmi Huber-Einsiedler sind auf dem Oktoberfest tätig.

Fast den ganzen Tag blieb das Oktoberfest am Mittwoch (1. Oktober) geschlossen. Grund dafür war eine Sprengstoffdrohung. Einige der Musiker und Kellner, die auf der Wiesn tätig sind, kommen aus der Region Rosenheim. Wie sie den Vorfall erlebt haben und ob sie sich dort noch sicher fühlen.

München/Rosenheim/Großkarolinenfeld – Auf dem Münchner Oktoberfest, wo sonst täglich hunderttausende Menschen unterwegs sind, herrschte am Mittwoch (1. Oktober) gähnende Leere. Aufgrund einer Sprengstoffdrohung und eines Großeinsatzes im Münchner Norden hatte die Polizei das Gelände für einen Großteil des Tages gesperrt. Erst gegen 17.30 Uhr wurden die Tore wieder geöffnet. Auch aus der Region Rosenheim sind einige Musiker und Kellner auf dem Oktoberfest beschäftigt.

Unter ihnen ist Karl Beinhofer, musikalischer Leiter der Band „Die Karolinenfelder” aus Großkarolinenfeld. Die Kapelle spielt heuer zum zweiten Mal auf dem Oktoberfest. Genauer gesagt im Pschorr Bräurosl. „Es war schon komisch, weil wir anfangs nicht gewusst haben, wann und ob wir überhaupt spielen“, erzählt er am Morgen danach am Telefon. Gerade ist er am Bahnhof, wieder unterwegs aufs Oktoberfest. Stundenlang sei nicht sicher gewesen, ob das Oktoberfest an diesem Tag überhaupt noch öffnet. „Wir waren sozusagen in Bereitschaft.“

Besucher feiern abends ganz normal

Ähnlich ging es auch Chrissi Plank. Sie singt auf dem Rosenheimer Herbstfest im Flötzinger Bierzelt. Zur Oktoberfestzeit findet man sie im Hofbräuzelt. Heute ist sie zu Hause, denn am Mittwoch (1. Oktober) war ihr vorerst letzter Tag als Sängerin auf dem Oktoberfest 2025. Der war dafür ein außergewöhnlicher. „Als Sängerin bin ich eigentlich immer um 14 Uhr da. Gestern wäre ich mit dem Zug um 12 Uhr gefahren, aber in der Früh kam dann die Nachricht“, erzählt Plank am Telefon. Durch die Ungewissheit hieß es für sie erst einmal: Zu Hause bleiben und warten. „Man war natürlich geschockt. Ich habe die Welt nicht mehr verstanden“, sagt die Sängerin. Sie habe viele offene Fragen gehabt: Wie wird der Abend? Fühlt man sich vor Ort überhaupt sicher?

Chrissi Plank singt in Rosenheim immer im Flötzinger Bierzelt, doch auch auf dem Oktoberfest ist sie anzutreffen.

Doch gegen halb fünf erhielten die Musiker dann die gute Nachricht: Ab halb sechs soll die Wiesn wieder öffnen. „Wir sind natürlich gleich hingefahren“, erzählt Karl Beinhofer von den „Karolinenfeldern“. Zu diesem Zeitpunkt hätten schon wieder Menschenmassen vor den Eingängen gewartet. Das hat auch Plank so erlebt. Sie ist genau zum Einlass aufs Gelände gekommen. „Der ganze Pulk an Menschen kam rein, das war fast wie am ersten Wiesn-Samstag“, sagt sie.

„Innerhalb kürzester Zeit war das Zelt wieder voll“, erzählt auch Beinhofer. Anders sei es draußen gewesen, wo deutlich weniger Menschen als sonst an den Fahrgeschäften vorbeimarschierten. „Im Zelt hat man von Unsicherheit nichts gemerkt“, betont der Musiker. Und auch für die Musikanten aus Großkarolinenfeld lief alles so ab wie immer. „Es war ein sensationeller Abend. Das Zelt war voll als wäre nichts gewesen“, bestätigt auch Plank.

Karl Beinhofer ist seit 25 Jahren musikalischer Leiter der „Karolinenfelder“.

Allerdings mussten die Bands ausnahmsweise etwas anders aufspielen als sonst. „In so einem Fall kannst du natürlich nicht gleich voll Stimmung machen“, sagt Beinhofer. Viele Besucher hätten anfangs noch gegessen, seien gerade erst angekommen. „Ich sage immer, man muss den Leuten Zeit geben, dass sie sich einen Rausch antrinken“, sagt er und lacht.

Für das Bier sorgt Irmi Huber-Einsiedler immer im Flötzinger Bierzelt und auf dem Oktoberfest im Käfer-Zelt. Erst dieses Jahr wurde sie für 40 Jahre als Herbstfestbedienung geehrt. Auch auf dem Oktoberfest bedient sie schon lang, so war sie auch zur Zeit von 9/11 in New York dort. „Damals sind viele Leute vom Fest weggeblieben. Davon haben wir gestern fast nichts gemerkt“, erzählt sie.

Als Wiesn-Bedienung ist Irmi Huber-Einsiedler schon seit über 40 Jahren unterwegs.

Als die Nachricht von der Sprengstoffdrohung kam, war sie bereits im Zelt und hat die Gläser poliert. „Ein Kellner kam rein und hat gesagt, es gebe einen Bombenalarm. Ich dachte, der macht Scherze“, sagt Huber-Einsiedler. Doch dann wurde die Nachricht bestätigt und für sie und die Bedienungen ging es runter vom Gelände.

Hunderte von ihnen kamen Lea Heinrichs aus Aschau im Chiemgau am Mittwoch (1. Oktober) entgegen, als sie gerade auf dem Weg zur Arbeit ins Löwenbräuzelt war. Zuvor hatte ihr schon eine Freundin Bescheid gegeben. „Ich bin dann trotzdem hingefahren und wollte mal nachschauen“, sagt Heinrichs. Sie ist das dritte Mal als Bedienung auf dem Oktoberfest. Für sie sei es ein Schock gewesen. „Erst die Überfüllung am zweiten Samstag und jetzt die Sprengstoffdrohung. Da fühlt man sich am Anfang nicht ganz so sicher“, gibt Heinrichs zu bedenken.

Lea Heinrichs (ganz rechts) aus Aschau ist mittlerweile das dritte Mal als Bedienung auf dem Oktoberfest unterwegs.

Doch die Polizei habe laut Heinrichs einen guten Job gemacht und auch Sängerin Chrissi Plank ist beeindruckt: „Hut ab vor den Polizisten und Wirten. Was die geleistet haben und unter welcher Spannung die standen“, sagt sie. Ihr zufolge hat man einen Zusammenhalt gespürt und sich nicht unterkriegen lassen. Wenn es um die Sicherheit auf dem Oktoberfest geht, haben auch Karl Beinhofer und seine Band keine Bedenken. „Dort sind meines Wissens nach sowieso immer Sprengstoffspürhunde unterwegs“, sagt er. Und auch die Polizei sei die gesamte Zeit über präsent. „Daher ist es relativ unwahrscheinlich, dass wirklich jemand etwas auf das Gelände schmuggeln kann.“

Trotzdem wurden gestern nochmals extra Vierbeiner aus der Region angefordert. Wie das Polizeipräsidium Oberbayern Süd auf OVB-Anfrage bestätigt, waren bei der Suche nach Sprengstoff auf der Theresienwiese auch Rosenheimer Sprengstoffhunde beteiligt.

Durchsuchung in Wohnwagen der Schausteller

Auch in Manfred Pluschies Wohnwagen wurde nach möglichem Sprengstoff gesucht. Der Familie Pluschies gehört das Fahrgeschäft Rotor, welches dieses Jahr kurzfristig seinen Besuch beim Rosenheimer Herbstfest absagen musste. Dadurch, dass die Polizei alle Wohnwägen und Fahrgeschäfte auf mögliche Sprengfallen absuchen musste, blieben die Schausteller auf dem Gelände. „Die Drohung hat uns natürlich einen großen Schrecken eingejagt“, sagt Pluschies.

Der Rotor ist ein Kult-Fahrgeschäft: eigentlich wäre er auch auf dem Rosenheimer Herbstfest gewesen – jetzt erlebten seine Betreiber die Bombendrohung auf dem Oktoberfest mit.

Durch die verzögerte Öffnung des Oktoberfests entfiel den Pluschies etwas von ihrem Umsatz. „Letztendlich hat aber die Freude darüber gesiegt, dass alles gut ausgegangen ist“, sagt Manfred Pluschies. Einen Tag nach der Sprengstoffdrohung kursiert nun die Idee, die Wiesn um einen Tag zu verlängern. „Das würde technisch nicht funktionieren“, sagt der Schausteller.

Die Idee: ein Tag länger Oktoberfest

„Die Idee ist schön, aber wir haben Anschlussveranstaltungen laufen, dafür ist alles in die Wege geleitet. Das ist ein riesiger Aufwand.“ Denn die Attraktionen müssen mit angeforderten Fahrzeugen transportiert werden. Aber auch für die Bedienungen ist eine Verlängerung des Oktoberfests schwierig. „Viele müssen am Montag wieder normal arbeiten gehen, das könnte dann ein wenig schwierig werden“, sagt die Löwenbräu-Bedienung Lea Heinrichs.

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