Rosenheimer Wiesn-Streiflichter
Erst 18 oder bald vergeben: Das sind die singenden Stars auf dem Herbstfest Rosenheim
Auf einer modernen Wiesn sind sie die Stars: Die Sängerinnen und Sänger in den Bierburgen und Weintempeln heizen auf dem Herbstfest so kräftig ein, dass Giftnudeln und Gscheidhaferl nicht zum Zug kommen. Außerdem geht es in den Streiflichtern um Noagalzuzla, die Wiesn 2050 und das Volksfest 1925.
Wie sich doch die Zeiten ändern! Früher wurde an den Biertischen auf der Wiesn geratscht, getratscht und derbleckt – und das alles bei eher gedämpft-gmiatlicher Blasmusik, die noch im „unlauteren“ Wettbewerb der Kapellen, also leise, erklang.
Da galten noch, Jahrzehnte vor Corona, gleich zwei bajuwarische 3G-Regeln. Für die Männer hieß das: Gscheidhaferl, Grantlhuawa und Gaudiburschen vor. Bei den Frauen hatten Gramfhena, Giftnudeln und blääde Goaßn absolute Redefreiheit.
Doch die jungen Leute von heute wollen in der Bierburg weder Volksreden noch Kalauer hören, sondern Gassenhauer und Schlager – und das mit maximaler Lautstärke. Und so sind die Live-Musiker längst die großen Stars im Flötzinger, im Auerbräu oder im Tatzlwurm.
Im Auerbräu ist 2025 bei den Karolinenfeldern eine neue Stimme dabei: Johanna „Hannah“ Wörndl aus Hittenkirchen bei Bernau. Sie ist zugleich eine der bislang jüngsten Sängerinnen auf der Bühne. Die 18-jährige medizinische Fachangestellte und gewerbliche Sängerin erfüllt sich damit einen Kindheitstraum, zumal sie zuvor „nur“ im Kinder- und Jugendchor, Kirchenchor und später in einer Schulband gesungen hat. Im Fasching lernte sie dann bei einem Auftritt zufällig Karl Beinhofer kennen, den Chef der Karolinenfelder, der sie prompt für sieben Wiesn-Einsätze „verpflichtete“.
„Eingelernt“ hat die Hannah Wiesn-Rockröhre Lisa Mayr aus Mernham bei Babensham, die das Auerbräu seit vielen Jahren stimmgewaltig rockt. Gitarrist Manuel Jackl aus Rosenheim singt ab und zu mit: „Du brauchst ja ein bis zwei Tage, damit sich die Stimme wieder entspannen kann. Deshalb ist es wichtig, dass mehrere Sänger aktiv auf der Bühne sind“, so der Frauen-Schwarm. Einige weibliche Fans wird er wohl 2026 verlieren: „Weil ich dann verheiratet bin.“ Voll eintauchen ins wilde Wiesnmeer im Auer – das tut auch Sänger Sepp Weinzierl aus Riedering seit Jahren gekonnt und gern. Er weiß genau, wie er die Leute zum Toben auf den Bierbänken bringt.
Auch die Dreder Musi im Flötzinger setzt bei Sängerinnen und Sängern auf Vielfalt. Eine der neueren Stimmen ist Chrissi Plank aus Breitbrunn. Sie bringt Bühnenerfahrung mit und ist – wie die meisten Musiker der Dreder Musi – bei diversen Band-Projekten mit dabei.
Einer der vielen „Allrounder“ feiert heuer sein 20-jähriges Bühnenjubiläum auf dem Herbstfest: Norbert Zehrer aus Söchtenau. Als Sänger, Saxophonist und „Alleskönner“ weiß er, wie er das Partyvolk im Flötzinger-Zelt begeistern und zum Tanzen bewegen kann.
Ist hier etwa eine OB für 2050 dabei?
Ist hier eine künftige Rosenheimer Oberbürgermeisterin dabei? Elisabeth (18), Theresa (15) und Katharina (13, von links) sind die Töchter von OB Andreas März, der bei der Kommunalwahl im März 2026 wieder antritt. Danach wird 2032, 2038, 2044 und 2050 gewählt. Bei der Jubiläums-Wiesn 2050 als amtierende OB das erste Fassl Bier anzapfen, womöglich besser als der Papa – das wär’s doch!
Muichkandl-Endspurt im „Pro“
Prosecco im Muichkandl – ja, das gibt es diesmal auch auf der Wiesn. Max Fränkel vom Prosecco-Stadl freut sich über die riesige Resonanz auf seine Kandl im Ein- und Fünf-Liter-Format, die verhindern, dass beim Hin- und Hertragen guter Schaumwein „verpritschelt“ wird, und XXL-Bestellungen für größere Gruppen im „Pro“ ermöglichen, wie der Prosecco-Stadl in Anlehnung ans „Jo“ oder „Joe“ (Zum Johann Auer auf der Wiesn) gern genannt wird.
Vom Stemmen und Schlemmen
Der entscheidende Moment beim spontanen Damen-Dreikampf im Masskrugstemmen: Caro Anita Schuster, Chefin der Rosenheimer „Aufbrezlerei“, hält mit ausgestrecktem Arm im 90-Grad-Winkel immer noch durch, Sophie Steegmüller (vorne) vom Flötzinger Bräu verlassen gerade die Kräfte und Miss Herbstfest Eva Maria Bachmaier hat soeben aufgegeben. Der Guinness-Rekord im Biermass-Stemmen liegt bei 45 Minuten, dem Wiesnigel Ignaz ist das Biermass-Schlemmen lieber.
Der Noagalzuzla ist ausverkauft
Boarisch schimpfen gehört zur Wiesn wie die Mass Bier. Damit alle mitreden können, erklären die Wiesn-Streiflichter täglich ein paar Kraftausdrücke – auf Basis des Buchs „Loamsiada, Doagaff, Siasskasa“ – Bairische Schimpfnamen“ des Karikaturisten Hans Reiser, die in den OVB-Geschäftsstellen bereits ausverkauft sind, aber auch über den Autor (kontakt@reiserhans.de) zu beziehen sind.
Heute: Noagalzuzla (Noagal = Getränkerest im Glas; zuzln = saugen): Schnorrer, trinkt die Reste aus fremden Bierkrügen); Tschambsdara = der Liebhaber, der Hausfreund und Geliebte;
Gschaftlhuaba (gschaftln = übertrieben geschäftig sein): Wichtigtuer; Hallodri: arbeitsscheuer, unzuverlässiger Kerl, ein leichtsinniger Bursche.
Vor 100 Jahren: Neustart für Wiesn 1925
Genau 100 Jahre ist es her: 1925 wurde in Rosenheim nach vier schlimmen Weltkriegsjahren und der harten Zeit danach erstmals nach 16 Jahren Pause wieder ein Volksfest gefeiert – wegen der schlechten Wirtschaftslage aber ohne die übliche Landwirtschaftsschau. Doch immerhin gab es zwei Neuheiten: die Gebirgsrodelbahn und die Grottenbahn.
Schausteller ehren den „Noch-WV-Chef“
Seit 2009 ist Reinhold Frey Vorsitzender des Wirtschaftlichen Verbandes (WV) – und damit einer der wichtigsten „Wiesn-Macher“ überhaupt. In dieser Funktion ist 2025 aber vermutlich Freys letztes Herbstfest: Im Mai 2026 will der „Noch-WV-Chef“ den Vorsitz in jüngere Hände geben. Heißester Kandidat für die Nachfolge ist Tobias Tomczyk. Im Namen aller Schausteller überreichte Max Fahrenschon, Vorsitzender des Landesverbands der Marktkaufleute und Schausteller, schon jetzt zum Dank eine Ehrenurkunde.
Dauerregen macht Kindertag zum Knirpstag
Wer hat da auf der Wiesn wieder nicht aufgegessen? Am zweiten Kindertag hat es den ganzen Tag getröpfelt oder geregnet – nicht schlimm, aber es war doch nicht das Wetter, das sich Kinder und Schausteller gewünscht hätten. Ein norddeutscher Wiesngast machte den Vorschlag zu einer Umbenennung, falls beim Kindertag 2026 wiederum Schirme gefordert sein sollten: „Knirpstag“.
Influenza oder Influencerin?
In der Auerbräu-Festhalle traf der Wiesnigel Ignaz eine Gruppe von Bekannten. Gerade musste eine von ihnen sich heftig in ein Taschentuch schnäuzen, weil sie, wie er wusste, „sommergrippisch“ war. Da sie aber nicht auf die biermäßig einflussreiche Zeltgaudi verzichten wollte, war sie tapfer trotzdem mitgekommen. Sie wurde vom Igel launig mit „Hallo, Influenza!“ begrüßt, worauf ihre Freundin korrigierte: „Das heißt doch ,Influencerin‘, du Depp!“
Rotor und Rotary
Das finden etliche Wiesngänger heuer sehr schade, dass der „Rotor“ wegen eines Verkehrsunfalls auf dem Weg nach Rosenheim nicht mehr rechtzeitig zum Aufbau kommen konnte. Mit dem Rotieren auf der Wiesn lag es ja schon länger im Argen: Eines der Lieblingsschmankerl des Wiesnigels Ignaz drehte sich einstmals in der Kraiburger Ochsenbraterei Kaulich im „Ochsenzelt“ an der Auerbräu-Festhalle. Seitdem sich dort die alpinholzige „Johann-Auer-Hütte“ tatzelwurmmäßig breitgemacht hatte, stehen nun die „Ochsen-Spießgesellen“ wehmütig und sprichwörtlich vorm Samerberg.
Der Ignaz versuchte jetzt, die beiden Rosenheimer Rotary-Clubs für eine clubeigene kleine „Rotarier-Ochsenhütte“ auf der nächsten Wiesn zu begeistern, stieß aber auf Ablehnung: „Wir sind durchaus ein Service-Club, aber wir werden hier keinen Ochsen servieren.“
Bühne frei für echte bayerische Volksmusik
Lauter, wuider, hitverdächtiger – das gilt nicht für das Johann Auer auf der Wiesn. Vor allem zu früherer Stunde gibt es dort auf dem Herbstfest echt bodenständige bayerische Volksmusik zu hören, wie hier mit der Kranzhorn Muse aus Hinterberg, Gemeinde Nußdorf am Inn.
Ein bayerischer Marsch zum 70.
Wer 640 Mitglieder in seinem Kreisverband Rosenheim leiten kann, der schafft es auch, die Karolinenfelder im Auer zu dirigieren. Frei nach diesem Grundsatz wurde der Bayernbund-Kreisvorsitzende Christian Glas aus Eggstätt auf die Bühne geholt, um einen zu seiner Heimat passenden und schmissigen Marsch zu dirigieren – kräftig beklatscht von vielen Bayernbund-Mitgliedern. Für Glas war es, kurz nach seinem in Maria Eck gefeierten 70. Geburtstag, ein nachträgliches Geschenk, das ihm die Kapelle machte.













