Tag der Lebensmittelsicherheit
Bio-Markt versus Discounter – Wie der Preiskampf Wasserburger Fachhändler trifft
Hat Bio Zukunft? Während der Inflation greifen viele Bürger wieder zu günstigeren Alternativen. Wie der Biomarkt Wasserburg die Krise überstanden hat und welche anderen Herausforderungen die Fachhändler stemmen müssen.
Wasserburg – Bio oder konventionell? Diese Frage stellen sich wohl zahlreiche Konsumenten im Supermarkt. Längst ist es keine Randerscheinung mehr, sich mit der Herkunft und Produktionsweise von Lebensmitteln auseinanderzusetzen. Während die einen auf das grüne Bio-Siegel schwören und bereit sind, dafür tiefer in die Tasche zu greifen, argumentieren andere mit dem Preisvorteil und der gleichwertigen Qualität konventioneller Produkte.
Wie ist die Lage im Wasserburger Land? Wie geht es den Supermärkten, Discountern und Bio-Läden in der Region? Auch wenn sich die Nachfrage nach ökologischen Produkten langsam wieder erholt, wie aktuelle Studien zeigen, befinden sich viele Fachhändler noch in der Krise. Rainer Friesinger, Geschäftsführer des „Wasserburger Biomarkts“, erinnert sich an ein „etwas schwierigeres Jahr 2023“. Er führt das Geschäft gemeinsam mit Renate Polk. „Sie hat die Halle der ehemaligen Autowerkstatt im Jahr 2007 in das Geschäft, wie man es heute kennt, verwandelt“, berichtet Friesinger.
Neben den Nachwirkungen der Corona-Pandemie und der Inflation, die sich laut Friesinger schon wieder einigermaßen eingependelt haben, gebe es eine bereits bestehende große Herausforderung auf dem Biomarkt: die Konkurrenz von Bio-Produkten durch Discounter und Supermärkte.
Das bestätigt die Verbraucherzentrale. Die Verfügbarkeit von Bio-Produkten im Mainstream-Handel habe diese für alle verfügbar gemacht, was laut Krehl positiv sei, „aber auch die Bio-Fachhändler unter Druck setzt.“ Eigentlich ein Trugschluss, wie Daniela Krehl, stellvertretende Referatsleiterin der Verbraucherzentrale Bayern e.V., weiß, denn tatsächlich haben sich in der Inflation die Preise der Gegenspieler angenähert. „Trotzdem haben viele Verbraucher aus Sorge um ihr Budget auf die vermeintlich günstigeren Produkte umgestellt“, berichtet sie auf Anfrage.
Supermärkte und Discounter würden immer mehr ökologische Produkte anbieten. Von Bio-Obst bis Molkereiprodukten und das, zu einem „verhältnismäßig billigen Preis“, wie Friesinger berichtet. „Die konventionellen Händler kaufen oft in großen Mengen und können daher günstige Preise, auch für Bio-Produkte, erzielen, wohingegen Fachverkäufer mehr auf regionale, kleine Erzeuger setzen“, bestätigt Krehl.
EU-Siegel und private Labels
Private Labels, wie Naturland oder Demeter, würden sich vom EU-Bio-Siegel abheben, da sie strengeren Richtlinien in Bezug auf Tierhaltung, Düngung und Verarbeitung folgen, so Daniela Krehl, Referatsleiterin der Verbraucherzentrale Bayern. Auch das EU-weit gültige Zertifikat zeige die Erfüllung der Mindeststandards von Verzicht auf synthetische Pestizide, Gentechnik und eingeschränkten Einsatz von Zusatzstoffen. Die Qualität in den Biohandel-Betrieben werde dabei jährlich unangekündigt von zuständigen Kontrollstellen überprüft. „Diese staatlich zugelassenen Institutionen, wie etwa ‚ABCERT‘ oder ‚Ecocert‘ gelten als relativ zuverlässig“, bestätigt Krehl.
„Viel Auswahl in super Qualität“
„Der Wettbewerb wird immer härter und der Preisdruck immer höher“, klagt der 63-jährige Geschäftsführer des Wasserburger Biomarkts. Trotzdem sei der Umsatz seines Geschäfts am Bahnhofsplatz in der Altstadt nur im Jahr 2023 rückläufig gewesen. Seitdem gehe es wieder bergauf. „Wirkliche Sorgen habe ich mir nie gemacht“, sagt er. Friesinger arbeitet seit zwei Jahren in dem Lebensmittelgeschäft, habe aber auch zuvor schon Erfahrung im Bereich Bio-Verkauf gemacht, wie er berichtet. Der 63-Jährige habe einen Obst- und Gemüsehandel bei Rechtmehring geführt.
Zu schaffen macht dem Geschäftsführer unter anderem auch der Personalmangel. „Damit haben wir, wie viele andere, zu kämpfen“, erklärt Friesinger und weist darauf hin, dass deshalb die im Geschäft integrierte Gastronomie seit der Corona-Pandemie stillgelegt ist. „Wir finden einfach keinen Koch mehr“, stellt der 63-Jährige bedauernd fest. Anderweitig sagt der Geschäftsleiter aber lächelnd, dass „der Laden ansonsten so weiterlaufen soll, wie bisher“ und er „sehr zufrieden mit dem Geschäft“ ist.
Start mit Bio-Eiern vor über 20 Jahren
Die Pressestelle des Discounters Aldi Süd bestätigt auf Anfrage, dass die Nachfrage der Verbraucher nach Bio-Produkten in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen sei. Der Discounter führt nach eigenen Angaben rund 1.000 Bio-Artikelsorten im Sortiment. Den Anfang hätten vor über 20 Jahren die Bio-Eier gemacht.
Seit 2023 kooperiere Aldi Süd zudem mit der Naturland Zeichen GmbH. Mittlerweile seien bereits über 25 Prozent des Bio-Standardsortiments nach den Richtlinien von Naturland zertifiziert. Das Ziel des Discounters als Grundversorger sei es, Bio für alle leistbar und somit zugänglich zu machen, so die Pressestelle.
Damit Geschäfte, wie der Biomarkt in Wasserburg erhalten bleiben könne, müsse das Angebot bewusst und regelmäßig genutzt werden, betont auch Krehl. „Jeder Einkauf zählt – und je mehr Menschen sich für Qualität und Regionalität entscheiden, desto stabiler wird die Basis für eine vielfältige Bio-Landschaft“, sagt sie.
Worauf Verbraucher beim Einkauf von Bio-Produkten achten sollten
Beim Einkauf von Bio-Produkten sei es für die Konsumenten wichtig, auf verlässliche Siegel zu achten, erklärt Daniela Krehl, stellvertretende Referatsleiterin der Verbraucherzentrale Bayern e.V.. „EU-Bio ist gut, aber Bio von Verbänden wie Naturland, Bioland und Demeter haben häufig höhere Standards und Kriterien“, sagt sie.
Ferner könnten Konsumenten, um die Umwelt zu schützen, auf Regionalität Rücksicht nehmen. Kurze Transportwege würden oftmals frischere und nachhaltigere Produkte garantieren, so die Expertin. Des Weiteren empfiehlt Krehl, die Zutatenliste zu checken: Wenig künstliche und chemische Zusätze, wie Konservierungs- und Farbstoffe oder Geschmacksverstärker, und auch die Herkunft der Zutaten sollte nachvollziehbar und transparent sein. Zuletzt könnten Konsumenten bei Hofläden, Wochenmärkten oder der solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) einkaufen, erklärt Krehl. Diese würden faire Preise und Transparenz bieten.

