Verlängerung aus der Not geboren
Nach Weihnachten noch auf den Christkindlmarkt? Das sagen die Aiblinger und ihre Gäste zur Premiere
Das hat es in der Geschichte auch noch nicht gegeben: ein Weihnachtsmarkt, der nach Heiligabend und den Feiertagen in die Verlängerung geht. Bringt so ein Angebot überhaupt etwas? Bad Aibling hat‘s ausprobiert mit seinem Christkindlmarkt. Das sagen Standbetreiber und Besucher.
Von Eva Lagler und Stefan Hadersbeck
Bad Aibling – Es hatte schon etwas von Tragik: Da wünschen sich Veranstalter, Standbetreiber und Besucher nichts sehnlicher als endlich einmal Schnee für Weihnachtsstimmung auf dem idyllisch am Irlachweiher gelegenen Christkindlmarkt – und dann kommt die weiße Pracht in solchen Massen, dass der ganze Kurpark gesperrt werden muss. Bäume und Äste ächzten unter der schweren Last, brachen ab, stürzten um: Lebensgefahr, warnte die Stadt und sagte nur einen Tag nach der Eröffnung den Christkindlmarkt für das erste Adventwochenende ab.
Zugleich starteten Theresa Jancso vom Stadtmarketing, Bürgermeister Stephan Schlier und das Team von „ K & K Veranstaltungsservice“ Überlegungen, wie die entgangenen Tage für Fieranten und Besucher wettgemacht werden könnten, eventuell durch eine dreitägige Verlängerung nach den Feiertagen – vom 27. bis 29. Dezember. „Wenn mindestens 80 Prozent der Fieranten mitmachen würden, wäre das eine Option“, hatte es geheißen. „Die Zusagen hatten wir schnell beieinander“, sagt Jancso.
Der Stadtmarketing-Chefin gelang es auch, das BRK, Security, Spülmobil-Betreiber und für die Toiletten Zuständigen für drei weitere Tage mit ins Boot zu holen. Bereits nach dem zweiten Abend fiel das Fazit sehr deutlich aus: Die Verlängerung war ein Volltreffer.
„Unser Geschäft läuft sehr gut, sogar etwas besser als vor Weihnachten“, sagt Siegi Hörwien vom Südtiroler-Stand. „Es sind viele Urlauber da, Eltern mit ihren Kindern genießen das schöne Ambiente rund um den Irlachweiher. Am Mittwoch nach den Feiertagen waren bis zum Schluss um 22 Uhr Leute an unserem Stand.“
Nächstes Jahr wieder Gondeln am Marienplatz?
Die vier ausrangierten Ski-Gondeln, die heuer in der Adventszeit am Marienplatz aufgestellt waren, waren eine Premiere des Aiblinger Stadtmarketings. Besonders an den Freitagen und Samstagen, an denen am Stand neben dem Weihnachtsbaum auch Glühwein und Punsch ausgeschenkt wurden, nutzten die Aiblinger diese „Einkehrmöglichkeiten“ mit Heizfunktion gerne, wie Teresa Jancso vom Stadtmarketing berichtet. Unter der Woche sei dieses Angebot von den Bürgern allerdings vermisst worden. Ob die Gondeln im Advent 2024 wieder aufgestellt werden, hängt ihr zufolge nun davon ab, ob sich jemand findet, der auch unter der Woche den Stand am Marienplatz betreibt.
Das bestätigt Besucherin Monika Maier aus Bad Aibling: „Nach Weihnachten ist es ruhiger, man hat mehr Zeit, gemütlich einen Glühwein zu trinken und um den malerischen Irlachweiher mit seiner schönen Beleuchtung rumzugehen. Mir gefällt‘s sehr gut!“ Das freut auch Monika Ried vom „Iss wos“-Stand: „Es ist Betrieb wie an den Samstagen und Sonntagen vor Weihnachten. Viele Besucher, die in der Adventzeit keine oder wenig Zeit gehabt haben, kommen jetzt. Sehr viele Gäste sind von auswärts, Omas und Opas sind zu Besuch bei Kindern und Enkeln und kommen mit ihnen zusammen zum Markt.“
Unter ihnen ist auch die Aiblingerin Rebecca Sauter: „Wir wollten am ersten Wochenende gehen, da war dann wegen der Schneebruchgefahr gesperrt. Jetzt sind wir mit der ganzen Familie da, weil alle Zeit haben. Ich finde es toll, dass noch geöffnet ist, da sonst fast alle schon geschlossen haben.“
Für Veranstalter und die Standbetreiber ein mehr als versöhnlicher Ausklang. Denn auch das „Sturmwochenende“ hat das Markttreiben spürbar geschwächt. „Viele hatten doch die Sorge, dass es wegen der Bäume doch noch gefährlich sein könnte“, so Teresa Jancso. Zwar habe man kurzzeitig eine Absage in Erwägung gezogen, doch sei die nach dem Schneeeinbruch auf dem Christkindlmarktgelände durchgeführte Baumpflege so intensiv gewesen, dass die Gefahrenstellen alle beseitigt gewesen seien.
Was wird aus dem Experiment?
Durch das positive Feedback sehen sich die Verantwortlichen in ihrem „Experiment“, dem nun noch dazu „schönes, trockenes Wetter“ beschieden ist, bestätigt. Bis aus München seien Besucher gekommen, die sich den Aiblinger Christkindlmarkt in Ruhe anschauen und die besondere Stimmung genießen wollten. Viele hätten es besonders genossen, nach dem Wegfall des vorweihnachtlichen Stresses entspannt zu bummeln, sich zu treffen und durchaus auch noch einzukaufen. So seien beispielsweise auch Kerzen nach Weihnachten sehr gut verkauft worden.
Auch ans Rahmenprogramm wird gedacht
„Wir werden den Gedanken einer Verlängerung auch im Dezember 2024 durchaus mit ins neue Jahr und in die Planung mitnehmen“, kündigt Jancso an. Sollte man die Entscheidung dafür bewusst treffen, werde man selbstverständlich auch für ein entsprechendes Rahmenprogramm an den Tagen nach dem Fest sorgen. Dies sei heuer aufgrund der Kurzfristigkeit nicht mehr möglich gewesen.
Inspiration auch auf anderen Märkten
Ansonsten werde der Christkindlmarkt 2024 weiter auf den Erfahrungen aus den beiden ersten Jahren aufbauen. „Es gibt immer Stellschrauben, an denen man noch drehen kann“, weiß Jancso. Dieses Jahr habe man bereits mit Verbesserungen bei der Beleuchtung und dem Bereich Kulinarik reagiert, und habe zudem ein „tolles handwerkliches Angebot“ gehabt. Enorm gut angenommen worden sei die Mitmachbäckerei, laut Jancso ein echter Mehrwert.
Sie selbst hat in der Adventszeit auch auf anderen Märkten Ausschau nach weiteren Angeboten für den Aiblinger Christkindlmarkt, speziell auch Richtung Weihnachtschmuck wie Christbaumkugeln, gehalten. Mit Erfolg, wie sie verrät.


