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Menschen aus der Region wandern aus

Vom Chiemsee an den Pazifik: Warum Moni aus Breitbrunn heute am anderen Ende der Welt lebt

„Ich bin geblieben“, sagt Moni heute über ihr neues Leben in Neuseeland.
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„Ich bin geblieben“, sagt Moni heute über ihr neues Leben in Neuseeland.

Breitbrunn – Auckland – Zuhause: Moni wollte nach dem Abi nur kurz ins Ausland. Heute, über zehn Jahre später, lebt die Oberbayerin mit ihrer Familie in Neuseeland – und hat dort ihr Glück gefunden. Was sie an ihrer neuen Heimat liebt, was sie an Bayern vermisst – und warum das Einleben nicht immer einfach war

Auckland - Als Moni nach dem Abitur nach Neuseeland ging, war das eigentlich nur ein Schritt auf Zeit. Ein Jahr als Au-pair in Auckland – um Englisch zu lernen, ein bisschen die Welt zu sehen, ein bisschen das Leben zu spüren. Doch es kam anders. Heute, über ein Jahrzehnt später, lebt die gebürtige Breitbrunnerin mit ihrem Partner und zwei Kindern nördlich von Auckland. Neuseeland ist längst mehr als ein Abenteuer geworden. Es ist Heimat.

„Ich hatte eine ganz liebe Gastfamilie – und es hat sich einfach alles richtig angefühlt“, erinnert sich Moni an ihre Anfänge auf der anderen Seite der Welt. Und als sie sich verliebte, wurde aus dem Fernweh eine Perspektive. Die Beziehung hielt nicht für immer – ihr neues Leben aber schon. Nach dem Bachelor-Studium in Deutschland packte sie endgültig ihre Koffer. Heute sagt sie: „Ich bin geblieben.“

Auch ihren Kindern gefällt das Leben am Strand.

Elternzeit am Strand, Winterschuhe im Schrank

Beruflich ist Moni Ingenieurin und entwickelt medizinische Produkte. Aktuell ist sie in Elternzeit: „Ein Jahr kann man hier nehmen, aber nur sechs Monate davon werden unterstützt“, erklärt Moni. Gemeinsam mit ihren Kindern genießt sie den Alltag zwischen Spielgruppen und Spaziergängen am Meer. „Ich liebe die Strände hier. Das Wetter ist mild. Winterschuhe oder Schals habe ich schon seit Jahren nicht mehr getragen“, sagt sie.

Das Leben in Neuseeland ist entschleunigt, freundlich, unkompliziert. „Die Menschen sind offen, positiv, gastfreundlich. Man kommt am Strand oder im Supermarkt schnell ins Gespräch.“ Was sie besonders fasziniert: Die internationale Vielfalt. Ihre Kinder wachsen mit Freunden aus Indien, Südafrika, England und von den pazifischen Inseln auf. „Das ist etwas ganz Besonderes.“

Kein Fasching oder Laternenumzug

Und doch – manches fehlt. „Ich vermisse die bayerische Kultur, die Feste, die Bräuche. Fasching, Laternenumzug – das alles gibt es hier nicht.“ Auch ihre Familie, ihre Wurzeln, das Aufwachsen der Kinder mit Cousinen, Tanten und Onkeln – das bleibt weit entfernt. Die Familie ihres „neuen Kiwimannes“ lebt auf der Südinsel, ein Besuch ist immer mit einem Flug verbunden. „Ich hätte mir manchmal ein näher gelegenes Land aussuchen sollen“, sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Zwischen Aotearoa und Bayern

Alle zwei Jahre versucht Moni, mit ihren Kindern zurück nach Bayern zu reisen. Wenn sie Sehnsucht nach der Sprache hat, trifft sie sich mit deutschen Freunden in Auckland. Trotzdem fühlt sich Moni angekommen. Ihre Kinder wachsen multikulturell auf. Auch Feste aus aller Welt werden gefeiert. Nur eines war anfangs gewöhnungsbedürftig: „Neuseeländer sagen nicht direkt, was sie denken. Ehrliches Feedback? Sehr unüblich.“ Daran habe sich Moni gewöhnen müssen.

Und manchmal denkt sie an einen berühmten Song der neuseeländischen Band Crowded House: „Wherever you go, you always take the weather with you.“ Für Moni heißt das: Man nimmt sich selbst mit – samt Erwartungen, Sorgen und Vorstellungen. Und trifft auf eine Welt, die anders tickt. Nur weil man woanders lebt, wird nicht automatisch alles leichter. Und trotzdem: Für Moni war es die richtige Entscheidung. Auch wenn sie sich manchmal fragt, ob ein Land näher an Bayern nicht einfacher gewesen wäre.

„Neuseeland ist nicht nur schön. Es ist auch teuer, die Häuser sind oft schlecht isoliert, das Leben für Einheimische nicht immer einfach. Es braucht Geduld, Offenheit und die Bereitschaft, sich auf eine neue Kultur wirklich einzulassen“, sagt sie. Vieles, was man aus Deutschland kennt, funktioniert hier anders. Oder gar nicht.

Ankommen mit Herz

Trotzdem ist da diese tiefe Zufriedenheit. Dieses Gefühl, angekommen zu sein – im neuen Leben, in der Ferne, im Jetzt. Und dann ist Neuseeland eben nicht nur ein Sehnsuchtsort mit traumhafter Natur, sondern ein echtes Zuhause.

Menschen aus der Region wandern aus ist ein Format der Redaktion, in dem wir Geschichten von Menschen erzählen, die ihre Heimat in Südostbayern verlassen – und in der Welt neu anfangen. Wer ebenfalls ausgewandert ist oder jemanden kennt, der seine Geschichte erzählen möchte, darf sich gerne bei uns melden. Schreibt uns Eure Geschichte an leserbriefe@ovb24.de (Kennwort „Auswandern“) oder eine Facebook.-Nachricht. (mz)

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