Dog Dance in Bruckmühl
Tanz auf vier Pfoten: Silvia Baumann und Hündin Nanu wirbeln zusammen übers Tanzparkett
Mit dem Hund tanzen? Das geht! Zumindest zeigte das Roni Sagi mit ihrem Hund Rythm 2024 im Finale von „America‘s Got Talent“. Auch Silvia Baumann und ihre Hündin Nanu wissen, wie das geht. In Bruckmühl hat die Hundetrainerin lange Zeit „Dog Dance“ angeboten. Das steckt dahinter.
Bruckmühl – Es ist ganz still auf der Bühne. Eine Frau in weißer Hose und weißer Bluse sitzt mitten auf der Tanzfläche. Ihr schwarzer Border Collie „Rythm“ setzt sich hinter sie. Seine weißen Vorderpfoten legt er auf ihre Schultern. Es wirkt, als ob er sie von hinten umarmen will. Dann beginnt die Musik. „Scars to your beautiful“ von Alessia Cara ertönt aus den Lautsprechern. Die Frau und ihr Hund fangen an zu tanzen. Das Publikum ist außer sich.
Sie drehen sich. „Rythm“ geht rückwärts durch die Beine seines Frauchens. Springt über sie, springt auf ihre Arme und wirbelt gekonnt um und durch ihre Beine hindurch. Dann stehen sie hintereinander. „Rythm“ steht vor seinem Frauchen. Dann heben beide ihren rechten Fuß beziehungsweise Pfote und setzen ihn über den linken ab. Dann ist die linke Seite dran. Dann wieder die Rechte. Dann wieder die Linke. Ganz synchron, obwohl der Hund sein Frauchen hinter sich nicht sehen kann. Das Publikum applaudiert und ist beeindruckt.
„Rythm“ und ihr Frauchen Roni Sagi führten diesen Tanz im Finale der amerikanischen Castingshow „America‘s Got Talent“ auf. Zusammen ergatterten sie den zweiten Platz. Zurück ließen sie Millionen von Zuschauern, die begeistert waren. Denn wie schafft man es, so synchron zusammen zu tanzen? Vor allem mit einem Hund als Tanzpartner. Silvia Baumann kennt die Antwort. Sie selbst hat „Dog Dance“ lange Zeit in ihrer Hundeschule „Running Dog“ in Bruckmühl angeboten. „Es macht unglaublich viel Spaß. Sowohl für den Menschen als auch für den Hund“, erklärt sie.
Bis zu einem Jahr hartes Training
Doch wer mit seinem Hund über das Tanzparkett wirbeln möchte, braucht laut der Hundetrainerin vor allem eines: viel Durchhaltevermögen. „Es kann bis zu einem Jahr dauern, ehe man die Choreografie dem Hund beigebracht hat. Und das nur, wenn man regelmäßig dran bleibt“, sagt Baumann. Denn ganz so einfach ist das nicht. Auch wenn es in Videos oftmals so aussieht.
„Dog Dance kann man grundsätzlich nur mit dem Klicker und Leckerlis aufbauen“, sagt die Hundetrainerin. Sie erklärt, dass das Klicken eine punktgenaue Bestätigung für den Hund ist. Wenn es klickt, weiß der Hund, dass er was richtig gemacht hat. Folgt ein Leckerli, ist der Hund voll und ganz dabei. Lernt der Hund also ein Kommando, kommt das Klicken und dann das ersehnte Leckerli. „Irgendwann lässt sich der Hund etwas einfallen, damit er Futter bekommt“, erklärt Baumann. Er wird zum Beispiel ein paar Schritte rückwärtsgehen, weil er sein Herrchen oder Frauchen so besser im Blick hat. Klickt man und gibt ihm daraufhin ein Hundeleckerli, weiß er nach ein paar Wiederholungen, dass er das machen muss, um wieder etwas zu Essen zu bekommen.
Nicht nur durch das eigene Ausprobieren lernt der Hund ein paar Tricks kennen. Man kann ihm auch welche beibringen. Und so kommt Schritt für Schritt eine Choreo zusammen. „Alles wird in sehr kleinen Schritten aufgebaut. Man kann sich also vorstellen, dass Dog Dance Jahre dauern kann“, so Baumann. Trotzdem seien genau solche Arbeiten für einen Hund perfekt. „Mit dem regelmäßigen Training nimmt man sich die Zeit für seinen Hund und baut eine Beziehung auf“, sagt die Tierliebhaberin. Man lernt das Verhalten seines Vierbeiners kennen und das sei sehr wichtig. „Das Verhalten des Hundes ist seine Körpersprache. Wenn ich die studiere, lerne ich mein Tier am besten kennen.“
Und nicht nur das. Dog Dance kommt einfach gut bei den Zuschauern an. Das weiß auch Silvia Baumann. Früher ist sie mit ihrer Gruppe noch in Altersheimen oder auf Feiern aufgetreten. „Es war schön, wenn die Älteren auch mal ein paar Tränen in den Augen hatten, weil sie sich dabei an ihren eigenen Hund erinnert haben“, sagt Baumann. Doch die Auftritte gibt es nicht mehr. Denn die einst so große Dog-Dance-Gruppe ist geschrumpft. Jetzt machen sie es nur noch für sich und um den Hund auszulasten.
Mit 18 Jahren den ersten eigenen Hund
Auch für Silvia Baumann ist das nur noch ein Hobby. Denn für sie ist es an der Zeit, kürzer zutreten und sich mehr ihrer zweiten Leidenschaft zuzuwenden, dem Gärtnern. Ganz aus der Hundeschule wird sie aber nicht gehen. Baumann arbeitet nur noch am Sonntag mit einer festen Gruppe zusammen. „Aber wenn jemand Hilfe braucht, kann er bei mir immer noch eine Einzelstunde buchen“, sagt Baumann.
Der Schritt, sich etwas mehr aus der Hundeschule zurückzunehmen, sei ihr nicht schwergefallen. Etwas verwunderlich, da Hunde für Baumann schon immer eine große Bedeutung hatten. Und nicht nur die. Generell hätten Tiere in ihrem Leben schon früh eine bedeutende Rolle gespielt. So ist sie mit Meerschweinchen, einem Hamster, einem Hund und Katzen aufgewachsen. Für diese kleine Meute war Baumann damals verantwortlich. Und sie habe es gern getan. Sie habe viel Zeit bei den Tieren verbracht und sie beobachtet. „Dabei habe ich gelernt, wie Tiere kommunizieren“, erklärt Baumann.
Mit 15 Jahren wurde sie Brieftaubenzüchterin. „Mit 18 Jahren wollte ich dann meinen eigenen Hund haben“, erinnert sich Baumann weiter. Doch den bekam sie nicht. Also zog sie aus und holte sich einen Dobermann-Doggen-Mix. In den kommenden Jahren lernte sie immer mehr dazu. Von Jägern, aber auch von Mitgliedern aus dem Tierheim oder aus einem Verein für Deutsche Schäferhunde.
„Sonst verkümmert er“
Sie lernte den Umgang mit schwierigen Hunden kennen, brachte den Vierbeinern Grundgehorsam bei und legte schließlich ihre erste Begleithundeprüfung ab. Sie sammelte außerdem Erfahrungen im Bereich Apportieren, Fährtenarbeit, Hütearbeit und Dog Dancing. Silvia Baumann absolvierte ihren Trainerschein und gründete 1998 zusammen mit Katharina Schlegl-Kofler eine Hundeschule, wo sie ihr Wissen vermittelte und weitere Erfahrungen sammelte. Hinzu kam eine Hundepension für Hundeschulmitglieder. Fünf Jahre arbeiteten sie mit ihrer Geschäftspartnerin zusammen, ehe sie getrennte Wege gingen.
In der Zwischenzeit hatte Baumann immer wieder einen Hund. So waren ein Golden Retriever, ein Border Collie und mehrere Havaneser dabei. Jeder Einzelne von ihnen habe Silvia Baumann in ihrer Arbeit weitergebracht. „Mit jedem Hund kam ein neues Talent hinzu“, sagt sie. „So musste ich mit dem einen apportieren lernen und mit dem anderen jagen, denn ich musste diesen Tieren gerecht werden.“ Als sie zum Beispiel ihren ersten Border Collie hatte, lernte sie die Hütearbeit kennen. Schließlich ist der Border Collie ein Hütehund und braucht in diesem Bereich Aufgaben, die er erledigen kann. So kam es, dass sich Baumann auch mit der Zeit Schafe, Hasen, Enten und Gänse zulegte.
Heute lebt Silvia Baumann mit Meerschweinchen, einer Katze und Nanu zusammen. Nanu ist ihre schwarz-weiße Border Collie-Hündin. Seit neun Jahren sind die beiden unzertrennlich. Doch für Silvia Baumann ist klar: „Das wird mein letzter Hund sein.“ Sie hat viel in den Jahren gelernt. Und sie hat viel an andere Hundebesitzer weitergegeben. Für sie steht fest, ein Hund braucht eine Aufgabe in seinem Leben. Sei es Fährtenarbeit, Apportieren oder eben Dog Dance. „Dabei interagiere ich mit dem Hund, laste ihn aus und baue eine starke Bindung zu ihm auf“, sagt Baumann. „Ein Hund ist ein Lauftier, er will vom Kopf und vom Körper her etwas zu tun haben, sonst verkümmert er.“