In Mietraching sind die Tiere los
Etwas andere WG: Horst Reitinger aus Bad Aibling teilt sein Heim mit wilden Tieren – Aber warum?
Im Garten von Horst Reitinger herrscht das ganze Jahr über tierisches Treiben. Bei dem Rentner aus Mietraching finden viele Tiere ein neues Zuhause. Auch er selbst bekommt dadurch etwas Besonderes zurück.
Bad Aibling – Im Garten von Giselle und Horst Reitinger ist immer etwas los. Das Ehepaar hat nahezu jede Minute tierischen Besuch bei sich. Und willkommen ist bei ihnen wirklich jeder – egal, ob Insekten, Vögel oder Igel. Schon seit Jahren stattet das Ehepaar seinen Garten in Mietraching deshalb mit Vogelhäusern, Igelhütten und Insektenhotels aus. Mittlerweile ist daraus eine richtige Zweckgemeinschaft entstanden. Sehr zur Freude von Horst Reitinger. Denn der Rentner war schon als Bub ein echter Tierfreund.
„Ich bin an der tschechischen Grenze in der Oberpfalz in einem 500-Seelen-Dorf geboren und aufgewachsen“, sagt Horst Reitinger. Seine Familie habe relativ einfach gelebt. Auf einem Bauernhof, der stillgelegt war. Um ihn herum sei viel Natur gewesen. Reitinger beschreibt es als Freiheit. „Es war wirklich toll“, betont er.
Als Dreijähriger habe er bei einem Spaziergang ein Kitz gefunden. Dessen Mutter sei nicht auffindbar gewesen. Also nahm Reitinger das kleine Tier mit nach Hause und zog es mit der Flasche auf. „Das Reh blieb bei uns und wurde 13 Jahre alt“, erzählt der Rentner. Auf dem Bauernhof lebten außerdem noch zwei Hunde, vier Katzen und bis zu 30 weiße Hasen, die frei herumlaufen konnten.
„Ein Zuhause hatte ich bis dahin nicht mehr“
Schon früh habe Horst Reitinger Verantwortung für die Tiere übernehmen müssen. „Ich musste die Tiere morgens und abends füttern“, erinnert er sich. Das ging bis zu seinem neunzehnten Lebensjahr. Dann rückte das Leben mit Tieren und der Natur immer mehr in den Hintergrund. Denn Reitinger machte sein Abitur und studierte daraufhin in München Luft- und Raumfahrtechnik. Drei Jahre später ging es zur Bundeswehr. „Ich hatte mich bei der Luftwaffe verpflichtet“, sagt er.
Er war an vielen Orten stationiert. Lange konnte er dort nie bleiben. Jedes zweite bis vierte Jahr habe er seine Sachen packen und weiterziehen müssen. So war er unter anderem in Bad Aibling, Amerika, Bonn und Berlin stationiert. In Berlin arbeitete er am längsten. Dort lernte er auch seine Frau Giselle kennen. Und dort ging er in Pension. Zurück in Bad Aibling baute er mit seiner Frau ein Haus. „Und hier ist dann unser kleines Paradies entstanden. Ein Zuhause hatte ich bis dahin nicht mehr, da ich ja immer wieder unterwegs war“, erklärt Horst Reitinger. Doch nun ist er zu Hause. Und hier lädt er jedes Tier gerne ein und lässt es bei sich wohnen.
Eine Vielzahl an Tieren im Garten
So stehen im Garten der Reitingers nicht nur ein Vogelhaus, sondern gleich mehrere. Diese werden auch immer wieder umdekoriert oder erweitert. So gibt es zum Beispiel den Starenkasten, den das Ehepaar bereits seit gut sieben Jahren pflegt. Aber auch Amseln, Spatzen, Meisen, Stieglitze und auch ein Eichelhäher lassen sich gerne bei dem Paar blicken.
Doch nicht nur die gefiederten Freunde sind bei den Tierliebhabern gern gesehene Gäste. Seit einigen Jahren lebt auch ein junger Igel mit ihnen zusammen. „Aber im Haus möchte ich ihn nicht haben“, schaltet sich Giselle Reitinger ein. „Er ist schließlich immer noch ein wildes Tier und er kann es sich im Gartenschuppen gemütlich machen.“
Als sie den stacheligen Freund fanden, sei er recht klein gewesen. Das Ehepaar hatte Angst, er könne den Winter nicht überleben. Also baute Horst Reitinger ein Igelhaus, in dem er nun lebt. Zum Futtern bekommt er Mehlwürmer und Wasser. Doch damit ist bald Schluss. „Wir brauchen nur noch die Reste auf und dann kaufen wir keins mehr nach“, erklärt der Tierfreund. Schließlich soll der Igel auch selbstständig nach Nahrung suchen. Er ist sich aber sicher, das stachelige Tier kommt trotzdem immer wieder zurück. „Die Tiere fühlen sich hier wohl, schließlich haben sie hier kaum Bedrohungen.“
Eine ungewöhnliche Zweckgemeinschaft
So viele unterschiedliche Tiere um sich zu haben, ist für das Ehepaar aus Mietraching aus mehreren Gründen besonders. Zum einen, lebt es sich wie in einer Zweckgemeinschaft. Der Igel zum Beispiel kommt nachts heraus und frisst unter anderem Laufkäfer, Schnecken, Spinnen, Regenwürmer und Tausendfüßer. Er hält also auf natürliche Wiese Schädlinge aus dem Garten der Reitingers fern. Und zum anderen sorgen die Tiere dafür, dass das Ehepaar einfach mal zur Ruhe kommt.
„Es ist schön, wenn man sich einfach raus setzt und die Tiere um sich herum beobachtet“, sagt Horst Reitinger. Es sei beruhigend, den Meisen dabei zuzuschauen, wie sie ein Korn aufpicken. „Neulich haben wir auch beobachtet, wie eine Blaumeise ihre Jungs gefüttert hat. Das ist was Beruhigendes und was Schönes“, sagt er. Dem pflichtete seine Frau bei: „Da brauche ich keinen Fernseher mehr. Man wird geerdet, wenn man hier ganz still sitzt und die Zeit genießt.“
„Tiere gehören zu uns Menschen dazu“
Für solch schöne Momente setzt Horst Reitinger auch gerne mal eins seiner Hobbys ein. Seit Jahren fotografiert der Hausherr leidenschaftlich. Stundenlang könne er nur da sitzen und auf den perfekten Moment warten, um abzudrücken. Egal ob Tiere oder einfach nur die Natur. Er hält sie alle auf Fotos fest. „Ich bin unwahrscheinlich naturverbunden“, sagt er. Dass mehr auf sie geachtet wird, wünscht er sich sehr. Denn sowohl Igel als auch einige Vogelarten werden von der Anzahl immer kleiner. Auch deshalb ist jedes Tier bei den Reitingers willkommen: „Ich bin mit Tieren aufgewachsen und Tiere gehören zu uns Menschen einfach dazu.“





