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Freie (Kunsteis-)Bahn am Königssee

Sensationelle Wende im Eisbahn-Streit: Kippt der Bund Naturschutz seine eigene Klage?

Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz im Berchtesgadener Land: Rita Poser und Teile der Kunsteisbahn am Königssee nach der Zerstörung vor vier Jahren.
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Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz im Berchtesgadener Land: Rita Poser und Teile der Kunsteisbahn am Königssee nach der Zerstörung vor vier Jahren.

Die Fronten im Streit um den Startturm an der Kunsteisbahn am Königssee schienen verhärtet, die Klage des Bund Naturschutz lag auf dem Tisch. Doch nun sorgt ein Gesprächsangebot von Bürgermeister Hannes Rasp für Tauwetter. Eine unerwartete Annäherung, die dem Prestigeprojekt Millionen sparen könnte.

Schönau am Königssee – Der Streit um den geplanten 23-Meter-Startturm an der Kunsteisbahn am Königssee hat eine unerwartete Dynamik bekommen. Zwar hat der Bund Naturschutz (BN) jüngst Klage eingereicht, gleichzeitig zeichnet sich aber eine mögliche Einigung ab. Gemeinde und Naturschützer sprechen inzwischen über eine Neuplanung. Kernpunkt: Das Bauwerk könnte sechs Meter niedriger ausfallen, dann wäre auch die Klage vom Tisch.

„Wir klagen aktuell gegen den hohen Turm“, bestätigte Rita Poser, Kreisvorsitzende des BN im Berchtesgadener Land, zum wiederholten Male bei einer Versammlung im Gasthaus An der Schießstätte in Berchtesgaden. Jedoch: Sollte die Konstruktion tatsächlich niedriger ausfallen, sei ein Rückzug der Klage denkbar.

Den ersten Schritt hatte Bürgermeister Hannes Rasp gemacht. Vor rund drei Wochen habe er Poser angerufen und um ein Gespräch gebeten. „Wir wollten uns dem nicht verweigern“, berichtet sie. Kurz darauf trafen sich Vertreter von Gemeinde, Landratsamt und Naturschutz vor Ort an der Baustelle. „Wenn das Gebäude deutlich niedriger ausfällt, können wir uns vorstellen, die Klage zurückzuziehen“, so Poser. Noch sei aber nichts entschieden, auch die BN-Anwältin müsse eingebunden werden. Diese verweile noch im Urlaub.

Die neuen Fundamente schützen sollen allem die Ammoniakleitungen schützen.

Auch Rasp selbst spricht auf Nachfrage von Annäherung. „Es gab und gibt Gespräche. Es ist im Interesse der Gemeinde, des Landkreises und auch des Bob- und Schlittenverbands, eine Lösung zu finden, mit der wir leben können“, betont er. Ein niedrigerer Turm habe zudem den Vorteil, dass er günstiger zu realisieren sei. „Ich halte nichts von ewigen Prozessen. Eine Lösung abseits einer Gerichtsentscheidung ist der richtige Weg.“ Der Bob- und Schlittenverband hatte sich auf schriftliche Nachfrage noch nicht geäußert.

Wiederaufbau unter massivem Zeit- und Kostendruck

Die Klage fällt in eine Phase, in der der Wiederaufbau ohnehin stark unter Druck steht. Erst vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass eine zentrale Ammoniakleitung vom TÜV nicht abgenommen wurde und komplett neu verlegt werden muss. Damit ist die letzte Pufferzeit aufgebraucht, die Bahn kann frühestens im Herbst 2026 wieder öffnen. Schon jetzt ist absehbar, dass die veranschlagten 53 Millionen Euro kaum reichen werden. Eine abgespeckte Variante des Turms könnte aber helfen, die Kosten zu senken, bestätigt auch Rasp. Bislang existiert lediglich ein Metallgestell, das die vorgesehene Höhe markiert. BN-Kreisvorsitzende Rita Poser sagt, dass sich die Parteien auf einem guten Weg befinden: Dort, wo ursprünglich 23 Meter Gebäudehöhe geplant waren, könnten am Ende nur noch etwa 17 Meter stehen. Für den BN wäre diese Lösung akzeptabel. „Damit könnten wir gut leben“, sagt Poser. Noch allerdings muss die konkrete Planung erfolgen.

Auf der BN-Versammlung meldeten sich auch scharfe Stimmen zu Wort. „Man macht sich weltweit lächerlich, was hier seit vier Jahren geschieht“, kritisierte BN-Mitglied Klaus Gerlach und sprach von der „einzigen Bahn weltweit in einem Hochrisikogebiet“. Andere wiederum halten den Widerstand für überzogen. „Als Sportfunktionär frage ich mich: Wen stört der Turm da hinten denn eigentlich?“, entgegnete Bernhard Heitauer, Vorsitzender des WSV Bischofswiesen und Betreiber des Skigebiets Götschen. Für ihn überwiegt der sportliche Nutzen den landschaftlichen Aspekt deutlich.

Verhandlungstisch statt Gerichtssaal?

Die Normenkontrollklage liegt inzwischen beim Verwaltungsgericht, die Begründung der BN-Anwältin steht allerdings noch aus. Parallel laufen jedoch die Gespräche weiter. Sollte es zu einer Planänderung kommen, will der BN die Klage zurückziehen. Kommt es nicht dazu, entscheidet das Gericht. Einig sind sich die Beteiligten immerhin in einem Punkt: Weitere Verzögerungen und zusätzliche Kosten gilt es zu vermeiden.

Die Kunsteisbahn am Königssee, 1969 als erste Bahn ihrer Art weltweit eröffnet, gilt als Sportstätte mit großem Fokus. Nach dem verheerenden Starkregen mit Murenabgang im Sommer 2021 galt ihr Wiederaufbau als Prestigeprojekt. Heute steht er für explodierende Kosten, technische Probleme und einen Konflikt, der deutlich über die Gemeindegrenzen hinaus wirkt. Ausgerechnet die Klage des Bund Naturschutz hat die Debatte nun wieder in Bewegung gebracht. Ob am Ende ein Kompromiss gelingt, entscheidet sich in den kommenden Monaten. Am Verhandlungstisch oder vor Gericht? Ersteres wäre allen Beteiligten am liebsten.

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