Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Das sagen Hüttenwirtin und Nationalpark

Massiver Felssturz im Wimbachtal bei Ramsau: „Eine Stunde später hätte das schlimm ausgehen können“

Wanderer im Wimbachtal 2019
+
Wanderer im Wimbachtal - ab jetzt dürfte der Weg für viele zur Sackgasse werden. Ein Felssturz hat den Weg am Trischübel komplett verschüttet, die beliebte Watzmannrunde ist damit schwer machbar.

„Wir sind es gewohnt, dass hier im Tal oft Steine runterkommen“, sagt Mareike Aigstorfer, Wirtin der Wimbachgrieshütte. Am Dienstag (5. August) hört sie ein lautes Krachen und ahnt: „Das war größer.“ Nach einem gewaltigen Felssturz im oberen Wimbachtal: Verschütteter Weg, evakuierte Wanderer. Was bedeutet das für Bergsteiger und für die Betreiber der Hütte? Und warum kommt es dort immer wieder zu Felsstürzen?

Ramsau – „Ich hab mir nicht viel dabei gedacht“ Gegen 10 Uhr Vormittags (5. August) hört Mareike Aigstorfer ein lautes Krachen. Sie ist gerade im Garten, um die Tische für die Gäste zu decken, als sie das Geräusch wahrnimmt: ‚Ich habe mir gedacht, das hat sich jetzt angehört, als wäre da mehr runtergekommen“ Für die Hüttenwirtin aber nicht ungewöhnlich, im Wimbachtal seien Steinschlag und Felssturz häufige Phänomene: „Oft passiert das an Stellen, wo gar keine Leute unterwegs sind“

Der Felssturz am Trischübel im Wimmbachtal ereignete sich zirka 1,5 Kilometer entfernt von der Wimbachgrieshütte (gelb). Die Wirtin begrüßt ihre Gäste an dem Tag aus dem Hubschrauber.

Zirka 4000 Kubikmeter Fels versperren Weg

Diesmal trifft es einen beliebten Wanderweg: Am Trischübel auf zirka 1700 Metern im oberen Wimbachtal bricht eine große Gesteinsmasse aus der Felswand des Hirschwieskopfes und verschüttet alles darunter. Damit ist ein Weiterkommen Richtung Kärlingerhaus, Teil der bekannten Watzmannrunde, unmöglich. Der Nationalpark bestätigt: Zirka 4000 Kubikmeter Fels liegen auf einem Areal von rund 100 Metern verteilt. Die Nationalparkverwaltung warnt eindringlich:

„Mussten mit dem Hubschrauber zur Hütte“

„Es besteht Lebensgefahr durch Steinschlag.“ Die Wanderwege 411 und 421 seien bis auf Weiteres unpassierbar. Für einige Wanderer, die nach wochenlangem Regen am Dienstag endlich ihre Bergtour starten, kommt die Warnung zu spät. Sie sind bereits im Felssturzgebiet unterwegs: „Die mussten dann statt zu Fuß mit dem Hubschrauber zu uns zur Hütte zurückgebracht werden.“ Die Hüttenwirtin sei froh gewesen, dass niemand ernsthaft verletzt wurde.

Insgesamt 20 Personen müssen ausgeflogen werden

„Eine Person hat am Fuß einen Stein abbekommen, aber der Rest war Gott sei Dank noch am Weg nach oben. Eine Stunde später hätte das schlimm ausgehen können.“ Die Bilanz der Bergwacht Ramsau und der Bergwacht Traunstein, die gegen 14 Uhr alarmiert wurden: Insgesamt mussten 18 Erwachsene, ein Jugendlicher und ein Kind aus dem Gebiet ausgeflogen werden. Sie waren von der Königsee-Seite aufgestiegen und hätten nun den langen Rückweg über die Sigeretplatte und das Hundstodgatterl zu den Hütten im steinernen Meer antreten müssen.

Urlauber von abprallendem Stein verletzt

Ein 46-jähriger Urlauber aus Hessen, der zwar mindestens 150 Meter vom Felssturz entfernt war, wurde trotzdem von einem abprallenden Stein leicht am Fußgelenk verletzt. Er konnte laut Bericht der Bergwacht trotzdem selbstständig absteigen. Laut Nationalpark wird jetzt ein geologisches Gutachten erstellt, inwieweit weiter die Gefahr besteht, dass es zu Felsstürzen oder Steinschlag kommt. Erst danach wird klar werden, wie die Restaurierungsarbeiten des Weges ablaufen können und wann die Route wieder freigeben werden kann.

Felsstürze und Steinschlag kein seltenes Phänomen

Im Gebiet des Wimbachtales kommt es immer wieder zu Steinschlag und Felsstürzen: Erst Ende Juli war die Wimbachklamm wegen der andauernden Regenfälle und eines Erdrutsches für kurze Zeit gesperrt worden. Vor fast genau einem Jahr, am 11. August berichtet die Nationalparkverwaltung von einem großen Felssturz am einsamen Gjadkopf südlich des Trischübelpasses. Vielen noch in Erinnerung ist sicher das Ereignis im September 1999 im angrenzenden Klausbachtal an den Mühlsturzhörnern. Damals donnerten ganze 200.000 Kubikmeter Gestein ins Tal.

Tal mit mächtig viel Schotter

Um zu sehen, dass im Wimbachtal die Felswände ‚bröckeln‘, muss man nicht auf einen Felssturz warten. Der Reiz dieser besonderen Landschaft hängt direkt damit zusammen. Der Felsschutt des sogenannten Ramsaudolomit füllt das gesamte Tal mit einer Mächtigkeit bis zu 300 Metern, verschlingt oft Bäume und auch Bäche, die unterhalb des Schotters weiterfließen. Grund ist der relativ hohe Gehalt an Magnesium, der das Gestein spröde und brüchig macht. Bei anhaltendem Niederschlag wie in den letzten Wochen füllen sich Risse mit Wasser und können vermehrt Steinschlag und Felsstürze auslösen.

Vorerst bleibt Weg gesperrt

„Erst wochenlang Regenwetter und jetzt der Felssturz“ - für die Hüttenwirtin Mareike Aigstorfer ist das zwar nicht gut fürs Geschäft, aber: „Es hilft ja nichts, wir können es nicht ändern und ich bin vor allem froh, dass niemandem etwas passiert ist.“ Der Nationalpark stellt derzeit überall im Gebiet Warnschilder auf, informiert über die Sperrung. Eine Umgehung sei nur großräumig möglich und verlange eine sehr gute Tourenplanung, so die Nationalparkverwaltung.

Kommentare