Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Neueröffnung in Freilassing

„Glutenfreies Paradies“: Erste Bäckerei im Berchtesgadener Land für Personen mit Unverträglichkeit

Szabolcs Kiss in seiner Bäckerei: Zusammen mit dem Sohnemann bastelt der Freilassinger an der Inneneinrichtung.
+
Szabolcs Kiss in seiner Bäckerei: Zusammen mit dem Sohnemann bastelt der Freilassinger an der Inneneinrichtung.

Szabolcs Kiss kennt die Probleme und Herausforderungen, mit Zöliakie zu leben und wie schwierig es ist, wirklich glutenfreie Produkte zu finden. Seine Frau lebt seit 20 Jahren mit der Diagnose. Aus diesem Grund eröffnet er unter dem Namen „Glutenfreies Paradies“ eine 100 Prozent glutenfreie Bäckerei in Freilassing.

Freilassing – Bäckereien und Cafés, die komplett glutenfrei sind, lassen sich an der Hand abzählen. Szabolcs Kiss weiß das, wann immer er mit seiner Frau in Urlaub fährt, macht sich schnell bemerkbar, wenn ein Produkt nur scheinbar glutenfrei ist. Betroffene kämpfen bei Kontakt mit Gluten mit Beschwerden wie Durchfall, Bauchschmerzen, Blähungen, Verstopfung oder Ausschlägen.

Die nächste glutenfreie Bäckerei befindet sich jedoch in München. Im Berchtesgadener Land ist Kiss mit seiner Idee der erste. Er erfüllt sich damit einen lang gehegten Traum. „Ich bin vor zwölf Jahren von Ungarn nach Deutschland gekommen, konnte die Sprache noch nicht und habe dann in einem vegetarischen Lebensmittelunternehmen gearbeitet. Schon bei meiner Ankunft wusste ich, ich möchte diesem schönen Land etwas zurückgeben und jetzt kann ich das“, schildert Kiss.

Die Suche nach einem passenden Lokal gestaltete sich aber zunächst schwierig. Es gab nur wenige Flächen, die für einen gastronomischen Betrieb geeignet sind. Zum anderen waren die Mietpreise in Freilassing hoch. Dass es dann doch geklappt hat, ist dem Zufall geschuldet. „Fünf Meter von meinem Zuhause entfernt, habe ich ein leerstehendes Lokal gesehen, das aber noch nicht zum Vermieten ausgeschrieben war. Meine Frau hat mich dann dazu gedrängt, anzurufen und zu fragen, ob man es mieten könne. Dann ging es Schlag auf Schlag, wir wurden uns sehr schnell einig und jetzt sind wir schon fleißig am Umbauen für unsere Eröffnung im September. Ohne diese glückliche Fügung, wäre es aus der Bäckerei wahrscheinlich nichts geworden“, erzählt der gebürtige Ungar.

To-Go oder zum Genießen im Lokal: 100 Prozent glutenfrei

Das Konzept im „Glutenfreien Paradies“ basiert auf drei Säulen: To-Go Snacks und Sandwiche, Tiefkühlware und Kuchen. „Für das schnelle Mittagessen im Büro haben wir Snacks und Sandwiches: Da sind auch Klassiker dabei wie die Brezel, die in Bayern nicht fehlen darf, aber auch Pogatschen, die aus Ungarn kommen. Es wird auch glutenfreien Kuchen geben und die Möglichkeit Tiefkühlware zum Aufbacken mit nach Hause zu nehmen“, so Kiss. Die 1:1 Weitergabe von Tiefkühlware soll am Wochenende die Möglichkeit bieten, schnell an glutenfreie Lebensmittel zu kommen, „ich denke aber auch für Mütter mit kleinen Kindern, die davon betroffen sind, können dann schnell für die Schule etwas aufbacken und wissen es ist sicher zum Verzehr. “

Das „Glutenfreie Paradis“ zieht in die Münchener Straße 78 ein.

Wer die Zeit hat, sich für Kaffee und Kuchen hinzusetzen, findet ebenfalls Platz. Dieser ist zwar auf zwei bis drei Tische limitiert „aber ich freue mich darauf, Gäste zu begrüßen, die sich Zeit nehmen wollen.“ Seine Produkte bezieht Kiss tiefgekühlt aus Ungarn; „Ich war etwas überrascht, dass es in Deutschland so wenig Angebot für glutenfreie Produkte gibt. Unsere Umfrage bei den Einheimischen im Berchtesgadener Land und in Salzburg hat uns aber gezeigt, dass der Bedarf da ist. Es gibt allerdings in Ungarn einen Hersteller, der das schon seit 60 Jahren macht, von dem beziehe ich dann meine pikanten und süßen Leckereien.“

„Alle packen mit an“

Szabolcs Kiss wird die Bäckerei zunächst alleine führen, sieht sein Geschäft aber als Familienprojekt. „Ich habe zwei Söhne, die dürfen auch ein wenig mitbasteln (kindgerecht natürlich). Wir bohren gemeinsam Löcher und montieren Schrauben und sie haben ihren eigenen Plastikhammer. Die ersten zwei Jahre werde ich die Bäckerei leiten, zum einen, weil ich meine Kunden kennenlernen möchte und zum anderen, weil meine Frau auf die Kinder aufpassen muss: Nächstes Jahr wird es dann einfacher, da kommen sie dann in den Kindergarten. Trotz allem ist es ein Projekt, das ich für unsere Familie mache“, stellt Kiss fest. Später, wenn eine treue Stammkundschaft aufgebaut ist, ergibt sich dann womöglich die Chance, von der Theke zurückzutreten. „Ich möchte mir gerade am Anfang die Zeit nehmen zu schauen: Was ist die Geschichte dahinter, achtet jemand auf seine Ernährung oder ist er vielleicht selbst von Zöliakie betroffen? Damit ich dann weiß, wie ich auf meine Kunden eingehen muss. Wenn sich das dann eingespielt hat, übergebe ich vielleicht ab und an das Ruder“, schließt Kiss. (jj)

Kommentare